Interview mit Axel Fischer, Geschäftsführer Wacker Neuson Deutschland und verantwortlich für alle europäischen Direktvertriebsmärkte

Mit Optimismus und Auftragspolster in die Zukunft

Wacker Neuson ist einer der Hersteller, die relativ stark von Lieferkettenproblemen betroffen sind. ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga sprach mit Axel Fischer, Geschäftsführer Wacker Neuson Deutschland und verantwortlich für alle europäischen Direktvertriebsmärkte, über die Auswirkungen für das Unternehmen sowie die Themen "zero emission" und Messen.
Wacker Neuson Unternehmen
Axel Fischer, Geschäftsführer Wacker Neuson Deutschland und verantwortlich für alle europäischen Direktvertriebsmärkte. Foto: Wacker Neuson

ABZ: Herr Fischer, Sie sind Geschäftsführer Wacker Neuson Deutschland und verantwortlich für alle europäischen Direktvertriebsmärkte. Welchen Einfluss hatte die Pandemie auf die Geschäftsentwicklung von Wacker Neuson in den letzten Monaten?

Fischer: Also wenn wir ausschließlich von der Pandemie reden, hatten wir sehr unterschiedliche Auswirkungen. Wir hatten Märkte, die sehr stark betroffen waren. Also in Italien, Spanien, Frankreich haben wir sehr starke Auswirkungen der Pandemie gesehen. Da sind auch Baustellen geschlossen worden. Auf der anderen Seite hatten wir unsere Märkte in DACH, Deutschland, Österreich, Schweiz, die praktisch ohne irgendeinen Einfluss durch die Pandemie gegangen sind. Im Gegenteil, wir haben in jedem Jahr noch mal ein deutliches Wachstum realisieren können. Wir sind jetzt wieder auf Wachstumskurs und können sagen, wir haben die Pandemie sehr gut überstanden. Und wir würden jetzt, wo die Pandemie "im Wesentlichen" vorbei ist, mit sehr großem Optimismus in die nächsten Jahre blicken – wenn nicht plötzlich der Krieg in der Ukraine losgebrochen wäre.

ABZ: Welche Effekte hat der Krieg in der Ukraine auf das Unternehmen?

Fischer: Die Auswirkungen sind vielfältiger als in der Pandemie. Es trifft uns hier an mehreren Stellen. Einerseits auf der Seite der Materialversorgung, denn von Problemen mit Lieferketten oder globalen Transportmöglichkeiten sind wir direkt betroffen. Wir beziehen einen großen Teil unserer Komponenten aus Übersee und waren hier schon optimistisch, dass sich das Thema wieder einpendelt. Jetzt, durch den Krieg in der Ukraine sehen wir das eher noch kritischer, Lieferketten sind stärker unter Druck gekommen, weil auch Transportwege aus China über die Ukraine und Russland führen und wir sonst auch Lieferungen aus Russland bekommen. Auf der anderen Seite stellt uns das Thema Kostensteigerungen vor ein enormes Problem. Wir haben bei einigen Komponenten bis zu zweistellige Preiserhöhungen, obgleich unsere Produkte in den Absatzmärkten sehr stark nachgefragt werden. Wacker Neuson verfügt über ein sehr, sehr komfortables Auftragspolster, das deutlich ins Jahr 2023 hineinreicht. Trotzdem müssen wir jetzt unseren Kunden erklären, warum vor Monaten zugesagte Preise jetzt nicht mehr gehalten werden können.

ABZ: Die Materialversorgung ist also ein Problem für Wacker Neuson. Können Sie Zahlen nennen?

Fischer: Eine genaue Prozentzahl kann ich nicht nennen, es trifft uns fast täglich an einer anderen Stelle. Also das sind etwa Motoren aus Fernost, die mal kommen oder nicht. Oder verschiedene andere Komponenten. Teilweise betrifft das auch Teile, bei denen wir nicht mit einer Knappheit gerechnet hätten, wie etwa bei Reifen. Die bleiben mittlerweile komplett aus, oder wir müssen sie zu extrem erhöhten Preisen einkaufen.

ABZ: Wacker Neuson wird also Lieferschwierigkeiten bekommen, wenn Rohstoffe weiter ausbleiben?

Fischer: Also wir haben sehr, sehr viele Task Forces im Einkauf darauf angesetzt, auch schnell Alternativen zu finden. Nur ist das je nach Produkt unterschiedlich schnell möglich. Bei einem Stampfer oder einer Platte zum Beispiel sind einzelne Antriebskomponenten einfacher zu ersetzen als bei Kompaktmaschinen. Bei einem Radlader oder einem Bagger, wo der Motor auch ein Teil der Zulassung ist, geht das nicht. Insofern hoffen wir, dass wir zumindest unser Ziel für 2022 vom Umsatz her halten können, wenn auch mit riesigen Herausforderungen für Einkauf, Logistik und Produktionsplanung. Unser Auftragseingang läuft weiterhin auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Verschiedene Märkte erholen sich bereits wieder.

ABZ: Wie entwickelt sich das Marktgeschehen aus ihrer Perspektive?

Fischer: Unsere Heimatmärkte sind weiterhin Mitteleuropa und Zentraleuropa. Wir haben in acht Ländern unseren Direktvertrieb installiert, nämlich in Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen, Holland, Ungarn, Tschechien und in der Slowakei. Diese Länder stehen für rund ein Drittel unseres Konzernumsatzes. Sehr gut läuft auch unser Geschäft in Frankreich, England, Skandinavien und in den USA in der Bauwirtschaft. Daneben entwickelt sich unser zweites Branchen-Standbein im Konzern, die Landwirtschaft, sehr gut. Unsere Marken Kramer und Weidemann haben sehr, sehr starke Wachstumsraten.

Im Baubereich werden aktuell Projekte sicherlich nicht abgesagt, aber verschoben. Wir bauen als Unternehmen ja auch selbst, in Deutschland entsteht gerade ein neues Logistikzentrum. Und wir sehen natürlich auch, dass die Baukosten im Moment enorm steigen und überlegen bei vielen Projekten, ob wir schieben können. Und insofern könnte ich mir vorstellen, dass es hier zu einer gewissen Abkühlung kommen wird. Nicht zu einem Einbruch, aber zu einer Abkühlung, auch weil seitens der Bundesregierung andere Themen weiter gepusht werden. Also etwa Glasfaserausbau, Mobilität, Ladesäulen oder Bahnbau. Der Investitionsstau ist dort weiter enorm groß. Insofern sind wir verhalten optimistisch was die Zukunftsperspektiven angeht.

ABZ: Die Bundesregierung hat verschiedene Ziele zum Klimaschutz beschlossen. Wacker Neuson hat schon Maschinen mit elektrischem Antrieb oder mit Akkus ausgestattet. Welche Strategie verfolgt ihr Unternehmen hier weiter?

Fischer: Wir haben schon eine Pionierstellung in diesem Segment. Tatsächlich sind wir heute der einzige Hersteller, der die klassische Innenstadtbaustelle komplett emissionsfrei bedienen kann. Bagger, Radlader, Dumper und handgeführte Baugeräte wie Stampfer, Platten und ein Innenrüttlersystem haben wir jetzt schon elektrifiziert. Und wir bringen laufend neue Produkte auf den Markt. Für uns ist es im Moment eine große Herausforderung, weil wir die Verbrennertechnologie noch weiter entwickeln müssen. Es wird auch in den nächsten Jahren noch neue Bagger, Radlader oder Dumper mit Verbrennungsmotoren von Wacker Neuson geben. Anderseits werden wir weiter sehr stark in die Elektro-Entwicklung investieren. Wir wollen die Stellung als Vorreiter halten und weiter ausbauen. Insofern ist das Thema Elektroantriebe für uns im Moment eine große Herausforderung, weil wir uns nicht nur in der Produktentwicklung, sondern auch in Fertigung, Service und Vertrieb immer mehr zweigleisig aufstellen müssen. Unser Elektrogeräte-Portfolio sehen wir fast schon als eigenen Unternehmensbereich. Und unsere Strategie geht weit über das Produkt hinaus in den Servicebereich hinein, was wir auch zur bauma wieder vorstellen werden, beispielsweise mit Telematik-Lösungen. Insgesamt würden wir uns aber tatsächlich mehr politischen Rückhalt wünschen. In Nachbarländern wie Holland ist bei verschiedenen Bau-Ausschreibungen im Innenstadtbereich zero emission schon heute zwingend. Da sind wir in Deutschland noch nicht so weit. Das heißt, es ist heute noch dem Kunden überlassen, ob er Elektro oder Verbrenner wählt. Und da wird sich immer noch sehr stark an Preisen und Kosten orientiert. Wir sehen eine sehr große Neugier bei den Kunden und eine sehr große Offenheit. Besonders da, wo es aufgrund des Bedienerschutzes notwendig ist, wie zum Beispiel im Innenabbruch oder beim Verdichten im Graben. Aber letztlich geht vieles nur über den Preis, und in der Anschaffung sind die Geräte mit Elektroantrieb noch teurer.

ABZ: Können Sie eine Größenordnung darüber geben, welchen Anteil Geräte mit elektrischen Komponenten oder Elektroantrieben im Verkauf verglichen mit konventionellen Modellen haben?

Fischer: Das ist heute noch überschaubar. Da sind wir noch unter 10 Prozent vom Gesamtumsatz, wenn auch mit großen Steigerungsraten. Auch wenn sich der Umsatzanteil von zero emission am Gesamtumsatz derzeit noch im niedrigen einstelligen Bereich befindet, erreichen zero emission Baugeräte in einzelnen Produktgruppen bereits zweistellige Umsatzanteile. So war der Anteil von zero emission Stampfern und Vibrationsplatten im Geschäftsjahr 2021 in den vergleichbaren Produktkategorien bereits klar im zweistelligen Bereich. Im Vergleich zum Vorjahr konnte bei zero emission Stampfern und Platten jeweils ein zweistelliges Wachstum erzielt werden.

ABZ: Neben der bauma wird Wacker Neuson nicht an allen Herbstmessen teilnehmen. Worauf legt das Unternehmen seinen Fokus bei Veranstaltungen?

Fischer: Also wir sehen ein großes Interesse an Messen bei unseren Kunden und dem wollen wir auch gerecht werden. Wir wollen das auch wahrnehmen und unbedingt präsent sein. Wir erhalten auch das Feedback, dass Kunden einen persönlichen Kontakt treffen möchten. Die Gala Bau in Nürnberg halten wir auch für sehr wichtig, allerdings mussten wir uns in diesem Jahr allein wegen der zeitlichen Nähe zur bauma und der logistischen Probleme schweren Herzens entschließen, die Messe ausfallen zu lassen. Neben der bauma sind wir aber auch auf anderen Veranstaltungen, wie etwa der NordBau in Neumünster.

ABZ: Welche Erwartungen haben Sie an die Herbstmessen?

Fischer: Wir erwarten dass die Anzahl der Kundenkontakte und Messeteilnehmer nahezu der in früheren Jahren entspricht. Vielleicht nicht ganz in der gleichen Höhe, aber wir haben da schon sehr klare Vorstellungen. Wir bereiten uns darauf vor, Besucher wie früher empfangen zu können, ins Gespräch zu kommen, und uns mit neuen digitalen Produkten, die ja durchaus erklärungsbedürftig sind, zu präsentieren.

ABZ: Was sind Ihre Erfahrungen mit Online-Formaten? Sehen Sie in digitalen Plattformen einen Ersatz für den direkten Kundenkontakt?

Fischer: Nein. Wir haben viele Veranstaltungen online durchgeführt. Das wurde auch gern angenommen, aber es ersetzt auf keinen Fall Präsenz-Veranstaltungen. Das heißt, wir werden in Zukunft sicherlich mehr online machen, etwa mit Trainings – da haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber das ist auf keinen Fall ein Ersatz für den persönlichen Kontakt. Da werden wir in Zukunft eher zweigleisig unterwegs sein.

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