Kein zweites Rahmede

Wirtschaft fordert "Brückengipfel"

Düsseldorf (dpa). – Die Industrie- und Handelskammern schlagen Alarm: Demnach sind viele Brücken im Rheinland in so schlechtem Zustand, dass dort "ein zweites Rahmede" droht. Das aber hätte demnach fatale Konsequenzen.
Baupolitik
Bei der Sprengung der Talbrücke Rahmede explodiert der Sprengstoff in den Brückenpfeilern und die Talbrücke sinkt wie geplant zu Boden. Die IHK schlagen Alarm: Demnach sind viele Brücken im Rheinland in so schlechtem Zustand, dass dort «ein zweites Rahmede» droht. Das aber hätte demnach fatale Konsequenzen. Foto: picture alliance/dpa | Christoph Reichwein

Nach dem Desaster um die inzwischen abgerissene Rahmede-Talbrücke warnen Industrie und Handel vor einer Sperrung vieler alter Brücken auch im Rheinland. Von rund 6500 Brücken zwischen Emmerich und Bonn erhielten einer Auswertung der Industrie- und Handelskammern (IHK) im Rheinland zufolge rund 1000 Bauwerke die beiden schlechtesten Traglastnoten. "Das Risiko für ein zweites Rahmede bei uns im Rheinland steigt mit jedem Tag", sagte Werner Schaurte-Küppers, Präsident der niederrheinischen IHK, in Düsseldorf.

Sollte auch eine Brücke im Rheinland gesperrt werden, wäre das nach seinen Worten eine "Katastrophe". Der Zustand der Brücken entscheide mit über die Zukunft des Industriestandortes Rheinland als einem der wichtigsten Standorte in Europa.

Das Rheinland sei die "Logistik-Drehscheibe Europas" und Transitregion. Einen Totalausfall oder eine Sperrung wie im Fall der Rahmede-Brücke über der Autobahn 45 im Sauerland könne sich das Rheinland nicht leisten. Mehr als eine Million Menschen und mehr als 100.000 Lastwagen überquerten jeden Tag den Rhein. Die IHKs Düsseldorf und Niederrhein forderten einen "Brückengipfel" mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) und ein Sondervermögen von 10 Milliarden Euro für den Neubau von Brücken.

Eine neue Brücke koste 600 bis 700 Millionen Euro. Verkehrsminister Krischer betonte in einer Stellungnahme, er begrüße ausdrücklich, dass die IHK genauso wie die Landesregierung Priorität bei der Sanierung von Brücken sehe. "Wir hatten bereits im Februar die Prüf-Ergebnisse von 6322 Brücken-Untersuchungen an Landes- und Bundesstraßen veröffentlicht", erinnerte Krischer. "296 Brücken sind demnach in NRW sanierungsbedürftig.

In diesem Jahr wollen wir etwa 67 Maßnahmen mit einem Volumen von 100 Millionen Euro umsetzen."

Da ein Großteil der Brücken in den 60er und 70er Jahren gebaut worden sei, müsse man davon ausgehen, dass sich die Substanz in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter verschlechtere. "Deshalb werden wir uns in Zukunft noch stärker auf die Sanierung konzentrieren müssen. Wir zahlen jetzt die Zeche für eine verfehlte Politik der letzten Jahrzehnte, in der sich zu stark um den Neubau gekümmert wurde. Das holt uns jetzt ein", sagte Krischer. Deshalb gelte von nun an: "Erhalt vor Neubau." Finanzielle und personelle Kapazitäten müssten vor allem in den Erhalt und die Sanierung der Straßeninfrastruktur investiert werden.

Für das Gutachten hatten die IHKs gemeinsam mit dem Institut für Straßenwesen (ISAC) der RWTH Aachen die verfügbaren Daten von Brücken in der Trägerschaft von Bund und Land ausgewertet. Mit Stand 2022 wurden 343 Brücken mit dem schlechtesten Traglastindex V bewertet und 663 mit dem zweitschlechtesten Traglastindex IV.

Um Brücken-Neubauten zu beschleunigen schlagen die IHKs unter anderem eine beschleunigte und vereinfachte Vergabe, die Einführung von Fristen für die Verwaltung und standardisierte Brückenbauwerke nach dem Vorbild der Niederlande vor. Mit modularen Brückenbausystemen könnten auch Kosten gesenkt und Bauzeiten verkürzt werden. Die marode Rahmede-Talbrücke an der A 45 bei Lüdenscheid war kürzlich gesprengt worden. Bereits seit Dezember 2021 war die Brücke gesperrt und die wichtige Verkehrsachse Dortmund–Frankfurt damit unterbrochen. Die auch wirtschaftlich bedeutende umliegende Region ist von Stauchaos, Lärm- und Abgasen, stockendem Lieferverkehr, Fachkräfte-Abwanderung und Umsatzeinbußen schwer getroffen.

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