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Kommentar

Aus dem Häuschen

Robert Bachmann

In Deutschland ist der Kulturkampf ums Einfamilienhaus entbrannt. Nach dem Diesel, SUVs, Kurzstreckenflügen, innerstädtischem Pkw-Verkehr und vielem mehr wollen die Grünen uns nun den Traum von den eigenen vier Wänden madig machen. So oder so ähnlich, in jedem Fall nicht minder dramatisch, rumorte es in der zurückliegenden Woche durch die hiesigen Kommentarspalten. Anlass für diesen Politsturm im Wasserglas war die lange absehbare Entscheidung eines grünen Hamburger Bezirksamtsleiters, wegen der zunehmenden Wohnungsnot in Hamburg-Nord den Bau von freistehenden Einfamilienhäusern zu untersagen, sowie der Beistand, den er dafür vom Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter in einem Spiegel-Interview erhielt.

Es grenzt an Absurdität, mit welcher Inbrunst sich nicht nur der politische Gegner auf die "Causa Casa" gestürzt hat. Zugleich muss es auch für Hofreiter absehbar gewesen sein, welchen Rattenschwanz seine Kritik am Flächenfraß in Deutschland, ausgerechnet im Wahlkampfjahr 2021, nach sich ziehen würde. Allerdings: Nun zu behaupten, dass die Grünen uns das Eigenheim verbieten wollen, und dabei die dem eigentlichen Sachverhalt zugrundeliegende Argumentation mehr oder weniger zu ignorieren, ist völlig daneben. Dass der Mangel an ausgewiesenem Bauland eine der zentralen Hürden für den Bau bezahlbarer Wohnungen und zugleich einer der Hauptgründe für die rasant steigenden Mieten in Ballungsräumen ist, ist seit Jahren unbestritten.

Anstatt darüber zu diskutieren, wie eine sozial gerechte und zugleich ökologisch sinnvolle Wohnraumplanung zwischen Stadt und Land künftig aussehen könnte, erregt man sich lieber über die vermeintliche Einschränkung von vermeintlichen Freiheitsrechten – ohnehin ein aktuell beliebtes Thema der dünnhäutig gewordenen Pandemiegesellschaft. Das Recht auf die freie Standortwahl für das Häuschen am Stadtrand für jene, die sich so etwas überhaupt noch leisten können, sollte nicht über dem allgemeinen Grundrecht auf Wohnen stehen.

Natürlich ist ein generelles Verbot freistehender Einfamilienhäuser Unfug. Das wissen auch Anton Hofreiter und seine Parteigenossen. Die Frage, wo, wie und unter welchen Umständen heute gebaut werden muss, um den hiesigen Wohnungsmarkt langfristig wieder gerade zu rücken, muss jedoch unbedingt diskutiert werden – und zwar sachlich.

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