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Kommentar

Der Markt regelt das (offenbar nicht)

Robert Bachmann

Das Bauen mit Holz befindet sich seit einigen Jahren spürbar im Aufwind. Neue Ansätze, den nachwachsenden Rohstoff für die Errichtung moderner (auch mehrgeschossiger Gebäude) zu verwenden, die dabei noch als besonders umweltschonend gelten dürfen, haben der Holz- sowie der Holzhybridbauweise zu steigender Beliebtheit verholfen. Ganze Hochhäuser werden mittlerweile aus deutschen Waldbeständen zu Leuchtturmprojekten der Nachhaltigkeit gezimmert. Das ruft zunehmend auch die Politik auf den Plan, die zunehmend (und zurecht!) unter Druck gerät, Maßnahmen für den Klimaschutz umzusetzen.

Seit einiger Zeit wird vor diesem Hintergrund offen über eine Subventionierung der Holzbauweise diskutiert, etwa in Form einer Quotenregelung für öffentliche Bauprojekte. Hersteller und Verbände aus dem Lager des Mauerwerksbaus sehen darin einen unzulässigen Eingriff in die Wettbewerbsfreiheit. Wie lebhaft dieser Wettbewerb zwischen der Holz- und der Mauerwerksindustrie ist, davon zeugen die mitunter harten Bandagen, mit denen hier – zumindest auf verbaler Ebene – gekämpft wird. Während die einen gerne das "Ende der Steinzeit" propagieren, wägt die anderen die Befürworter der Gegenseite "Auf dem Holzweg".

Beide Seiten haben nicht nur ein ähnlich gutes Händchen für markige Wortspiele, sondern auch jeweils gute Argumente für die eigene Sache. So ist nach aktuellem Stand der Untersuchungen keineswegs klar belegt, welche Bauweise in Sachen CO2-Bilanz die Nase vorn hat. Aus diesem Grund sollte weiterhin dem Anwender überlassen werden, welche Technologie er für sein jeweiliges Bauprojekt als die richtige wählt. Irritierenderweise beginnt das so lang gehegte Selbstverständnis vom Markt, der sich alleine regelt, zunehmend zu bröckeln. In zunehmendem Maße sieht sich beziehungsweise wird die Politik aufgefordert, regulativ in den Markt einzugreifen, beispielsweise auf dem Immobilienmarkt oder bei kriselnden Großunternehmen.

Gerade in Krisenzeiten mag es Bereiche geben, in denen solche Eingriffe erforderlich sind. Nicht jedoch bei der Wahl des richtigen Baustoffs. Und erst recht nicht dann, wenn der damit versprochene Gemeinwohlnutzen, in diesem Fall die bessere Klimabilanz, nicht eindeutig belegt ist. Um das klarzustellen: Natürlich hat die Holzbauweise ihre Berechtigung. Und natürlich hat der klassische Massivbau kein Anrecht auf eine Monopolstellung per Platzhirschdasein. Das jedoch ist auch nicht die Forderung der Mauerwerksindustrie. Sie verlangt lediglich einen technologieoffenen Wettbewerb. Darin kann man ihr nur schwerlich widersprechen.

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