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Kommentar

Größtenteils unsichtbar

Robert Bachmann

Der Begriff der "maroden Infrastruktur" ist in den letzten Jahren zum geflügelten Wort in der Medienberichterstattung geworden. In den allermeisten Fällen geht es dabei um die deutschen Verkehrswege, bei deren Bau, Ausbau oder Sanierung sich in den letzten Jahrzehnten ein riesiger Investitionsstau ergeben hat. Unlängst wurden gewaltige Programme ins Rollen gebracht, um den immer wieder skizzierten "Verkehrsinfarkt" – noch so ein geflügeltes Wort – zu verhindern.

Eher seltener wird an jene Infrastruktur gedacht, die sich unterhalb der Erde befindet. Dass es auch hier an baulichen Herausforderungen nicht mangelt, ist ebenfalls seit langem bekannt, findet außerhalb der direkt betroffenen Branchen und entsprechender Veranstaltungen wie dem Oldenburger Rohrleitungsforum oder der soeben zu Ende gegangenen Fachmesse Ro-Ka-Tech jedoch nur bedingt Eingang in die öffentliche Diskussion. Das liegt v. a. daran, dass diese zuletzt auf knapp 600 000 km Länge angewachsene Infrastruktur für das Auge größtenteils unsichtbar ist.

Selbst Experten kennen Zustand und Lage der unterirdischen Rohrleitungsnetze nur bedingt, da es vor allem zu den älteren Teilen des Netzes schlichtweg nicht immer Aufzeichnungen gibt. Die große Ausnahme sind regional und saisonal auftretende Überschwemmungen infolge von Starkregenereignissen, wie sie immer häufiger und mit steigender Qualität auftreten. Doch selbst dann, wenn uns solche Ereignisse drastisch vor Augen führen, wie sehr manche Netzstrukturen an ihrer Belastbarkeitsgrenze arbeiten, ist dieser Zusammenhang noch immer erklärungsbedürftig. Die immer häufiger auftretenden Starkregenereignisse und die zunehmende Flächenversiegelung arbeiten jedoch in gefährlicher Weise gegeneinander.

Der Stadtwerkeverband VKU hat jüngst angemahnt, dass der erforderliche Investitionsaufwand die rd. 4 Mrd. Euro weit überschreitet, die aktuell in den Erhalt und die Erneuerung der Abwasserinfrastruktur fließen. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es nach Berechnungen des Bauindustrieverbandes NRW ein Investitionsdefizit von bis zu 1,3 Mrd. Euro pro Jahr. Eine echte "Mammutaufgabe", wie der VKU befindet, die es bei allen anderen baulichen Maßnahmen in Deutschland stets mitzudenken gilt, da sie sich nicht mit der Erneuerung von Rohren erübrigt, sondern auch eine intelligentere Steuerung des Netzes oder Themen wie die dezentrale Entwässerung umfasst. Bleibt zu hoffen, dass dieses Thema künftig mehr Beachtung findet und nicht nach der nächsten Starkregensaison wieder im Boden versickert.

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