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Kommentar

Lust statt Pflicht

Das Ringen um Fach- und Nachwuchskräfte treibt mitunter seltsame Blüten. Anlässlich der diesjährigen Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München hatte IG Bau-Vizepräsident Dietmar Schäfers die Einführung verpflichtender Kurzpraktika im Handwerk gefordert. Schüler sollten zumindest einmal Erfahrungen in einem Handwerksbetrieb sammeln können, so Schäfers. Das dahinter stehende Ansinnen ist keineswegs falsch. In derVorstellungswelt junger Menschen mag das Berufsfeld Handwerk heute mit vielen Vorurteilen belegt sein: schmutzige Hände, mühsame Arbeiten unter freiem Himmel, rückständige Technologien u. v .m. Beim Werben um potenzielle Nachwuchskräfte haben Handwerk und Bau heute vielfach das Nachsehen gegenüber anderen Industriezweigen, die den vermeintlich komfortableren und modernen Arbeitsplatz in Aussicht stellen. Viele dieser Vorstellungen sind längst überholt, während die Vorzüge handwerklicher Berufe oft nicht oder nicht stark genug wahrgenommen werden. Im bunten Blumenstrauß der Maßnahmen, mit denen man dem Fachkräftemangel begegnen kann und muss, ragt das Thema Aufklärungsarbeit deshalb besonders heraus. Man muss allerdings auch kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass man eine solche Sensibilisierung nicht erzwingen kann. Pflicht und Ablehnung liegen häufig nah beieinander – nicht nur bei Jugendlichen. Darüber hinaus beginnt das hier adressierte Problem häufig an ganz anderer Stelle. Zum einen bei Eltern, die das Abitur und die Universität noch immer als heiligen Gral der Schulbildung betrachten. Zum anderen in einem Bildungssystem, dass individuelle Potenziale weitestgehend ignoriert, indem es die Tore für diesen Akademisierungswahn weit öffnet. In diesem Sinne:Ja, es ist dringend erforderlich, ein Bewusstsein für die Diversität und die individuellen Vorzüge der verschiedenen Berufsfelder zu schaffen. Dafür muss es jedoch schlauere Wege geben als eine Pauschalverpflichtung.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 12/2019.

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