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Kunstvoll vermauert

Vielfältige Verbandsarten erstellen

Architektur, Fassade, Klinker, Mauerwerksbau

Dreifach versetzt verleihen die kopfvermauerten terrakottafarbenen Klinker der schlichten Lochfassade des Hotel-Neubaus eine haptische, beinahe organische Struktur.

NOTTULN (ABZ). - Mit architektonischen Mauerwerkslösungen entdecken Architekten und Bauhandwerker die handwerkliche Kunst der Fassadengestaltung wieder neu.

Anknüpfend an die traditionelle Mauerwerkskunst lassen sich durch vielfältige Verbandsarten von Fassadenklinker sowie Schränk-, Läufer- oder Rollschichten individuelle Mustervarianten, Ornamente und Texturen erstellen. Dadurch gewinnt der Klinker sowohl als Gestaltungsmaterial ausdrucksstarker Fassaden als auch in Fortführung des Trends reduzierter Architektur und Formensprache zunehmend an Bedeutung. Für Jan Kleihues, Inhaber des Architekturbüros Kleihues + Kleihues, verdeutlicht "die dreidimensionale Gestaltung der Fassade mit Klinker die unzähligen Möglichkeiten, die dieses Baumaterial bietet".

Das Hotel H10 am Berliner Ku'damm ist ein gelungenes Beispiel für die Integration moderner handwerklicher Baukunst in ein historisch geprägtes Gebäudeensemble. Mit einem achtgeschossigen kubischen Quergebäude als Hintergrund haben Kleihues + Kleihues den Gebäudekomplex eines denkmalgeschützten Hauptgebäudes an der Joachimstaler Straße 31–32 abgerundet und wirkungsvoll in Szene gesetzt. Bezug zum historischen Backsteinbau erhält der scharfkantige Neubau durch das profilierte Mauerwerk mit Hagemeister-Klinker der farblich abgestimmten Sortierung Nevada. Dreifach versetzt verleihen die kopfvermauerten terrakottafarbenen Klinker der großflächigen Seitenwand sowie der schlichten Lochfassade eine haptische, beinahe organische Struktur.

"Der Neubau ist sehr einfach gehalten. Er tritt bewusst in den Hintergrund des Altbaus mit seiner prägenden Backsteinfassade", erläutert Jan Kleihues das Entwurfskonzept. "Auf eine horizontale und vertikale Gliederung wurde deshalb verzichtet. Struktur erhalten die großen Fassadenflächen durch die Mauerwerks-Texturierung: Unterschiedlich tiefe Steine wurden bündig zur Gebäudeinnenseite vermauert, so dass nach außen eine sehr lebendige Oberfläche mit Anklängen an die historische Backsteinarchitektur entsteht." Mit ihrer organischen Struktur erinnern die versetzt gemauerten Ziegel an das historische Natursteinmauerwerk, das sich nie ebenmäßig vermauern ließ. Darüber hinaus hat die Mauerwerkskunst mit relieffierter Fassadengestaltung und kunstvollen Ornamenten in der Industriearchitektur als auch im Wohnungsbau eine lange Tradition. Giebelgesimse und Friese als Umgrenzung, Abgrenzung und Gliederung von Bauteilen sind prägende Kennzeichen historischer Bauwerke. Über die gestalterische Funktion hinaus übernahmen Gesimse auch konstruktive Funktion, indem sie durch Überstand einen Teil der Wand vor Witterungseinflüssen schützten.

Auch im aktuellen Architektur-Kontext reduzierter Formensprache gewinnt das MauerWerk als handwerkliche Kunst der Fassadengestaltung zunehmend an Bedeutung. Einzelne Bauteile und Materialien werden in Szene gesetzt oder lange Gebäudefluchten wirkungsvoll gebrochen. Farblich abgesetzte Ornamente beleben großflächige Mauern und Fassaden, Loch-Mauerwerk erlaubt interessante Einblicke, und Mauerwerk-Texturierung sowie -Bänder dringen in die dritte Dimension der Fassadengestaltung vor.

Das erfordert eine detaillierte Fassadenplanung und eine enge Zusammenarbeit von Architekten, Bauhandwerkern und Herstellern. "In enger Abstimmung mit den Handwerkern haben wir auf der Baustelle exemplarische Fassadenpartien umgesetzt", vermittelt Jan Kleihues einen Eindruck von der Detailarbeit vor Ort. Der Aufwand hat sich gelohnt. "Das fertige Gebäude hat unsere Vorstellungen noch übertroffen. Das schlichte Gebäude mit seiner relieffierten Klinkerfassade sorgt vielerorts für Begeisterung", bilanziert Jan Kleihues.

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