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Nichts tun

Wenn wir eines aus der Corona-Krise gelernt haben, dann, wie schwer es uns fällt, einfach mal nichts zu tun. Noch vor der Pandemie, als der zunehmend hektische Alltag zwischen Job und Freizeitstress die Menschen mannigfach in den Burn-out trieb, wäre es noch ein hohes Gut gewesen, einfach mal faul wie die Waschbären auf dem heimischen Sofa lümmeln zu dürfen. Scheinbar nur in der Theorie. Denn das Nichtstun liegt dem Deutschen offensichtlich nicht. Das zeigte sich in dieser Woche auch an den kontroversen Reaktionen auf die Corona-Spots der Bundesregierung, in denen sie die Heldenhaftigkeit des Nichtstuns pries – ein absurder Umstand in diesen besonderen Zeiten, den man gar nicht anders als ironisch darstellen kann. Das war unbestritten und für die Politik unerwartet witzig. Auch wer das nicht so empfinden mochte, hätte zumindest, ganz heldenhaft, einfach mal nichts tun können. Es kam jedoch, wie es kommen musste, zum Shitstorm. Weil . . . ja, weil irgendwas gut zu finden oder auch einfach keine besondere Meinung dazu zu haben, im Social-Media-Bedeutungsgerangel heute einfach keine Option mehr ist. Selbst ehemals vehemente Verfechter des Nichtstuns wie Dieter Nuhr können ihren Aktionismus heute nicht mehr bremsen. Der war zum Beispiel schon früher nicht witzig und prägte darüber hinaus das Ideal: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!" Würden er und seines Geistesverwandten sich doch nur mal daran halten . . . rb

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