Nur gemeinsam können wir mehr erreichen

von: Christian Strunk, Präsident Bundesverband Mineralische Rohstoffe e. V., MIRO
Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung sind Ziele formuliert, die nicht nur die Bauausführenden, sondern auch unsere Unternehmen auf ein anspruchsvolles Jahr einstimmen. Trotz kritischer Rahmenbedingungen sollen jährlich 400.000 neue Wohnungen entstehen und infrastrukturell induzierte Baumaßnahmen aller Bereiche vorangetrieben werden. All diese ambitionierten Vorhaben sind möglichst klimafreundlich umzusetzen.
Bauaussichten Verbände

Die Unternehmen der mineralischen Rohstoffindustrie, also konkret die Betreiber von Sand- und Kiesgruben sowie Steinbrüchen, sind dafür bestens gerüstet. Wer sich die Mühe macht und einschlägige Lieferketten heimischer Baurohstoffproduzenten über die Weiterverarbeitung bis zum Einbau analysiert, wird überrascht sein: Im Ranking aller Industriebranchen sind unsere Transportdistanzen die kürzesten! Wir stehen für Versorgungs-sicherheit aus der Region, für die Region. Das ist für uns gelebter Klimaschutz. Funktionieren kann dieser umweltfreundliche Ansatz aber nur, wenn wir unser Netz der derzeit noch etwa 2700 bundesweit dezentral verteilten Gewinnungsstätten auch künftig erhalten.

Im Kapitel Rohstoffe, Lieferketten und Freihandel des Koalitionsvertrages heißt es knapp: "Wir wollen unsere Wirtschaft bei der Sicherung einer nachhaltigen Rohstoffversorgung unterstützen, den heimischen Rohstoffabbau erleichtern und ökologisch ausrichten." Was ist daran neu? Vielleicht das Wort "unterstützen" aus Bundesperspektive. Wird es konkret, sind ohnehin die Länder, Regionen und Kommunen zuständig. Da unsere Gewinnungstätigkeit heute unter dem wachsenden Druck öffentlicher Gegnerschaften und wenig mutiger Entscheider mangels entsprechender Genehmigungsvorläufe aber in eine schwierige Situation der Standortausdünnung driftet, droht die Formel der klimafreundlich-kurzen Lieferwege absehbar nicht mehr aufzugehen.

Besteht Hoffnung, die noch günstige Dezentralität zu erhalten? Vielleicht, wenn sich die Koalition an ihr Ziel einer "Halbierung der Verfahrensdauer für beschleunigte Verwaltungs-, Planungs- und Genehmigungsverfahren" hält.

Genauso vehement, wie wir den Erhalt unserer heimischen Gewinnungsstandorte als Schlüssel der Versorgungssicherheit anmahnen, setzen wir uns aber auch für die Herstellung und Akzeptanz mineralischer Recyclingbaustoffe ein. Viele unserer Betriebe sind in beiden Sparten zuhause. Sie kennen die Möglichkeiten und Grenzen des Recyclings, hadern damit, wenn ihre güteüberwachten RC-Produkte keine Berücksichtigung in Ausschreibungen finden und staunen darüber, dass der "Recycling-Booster" immer wieder neu als Erfindung der Gegenwart verkauft wird. Recyclingbaustoffe sind schon lange eine wichtige Ergänzung im Angebot mineralischer Gesteinskörnungen. Ein umfassendes Monitoring über mehr als 20 Jahre belegt regelmäßig, dass wir damit bei fast vollständig geschlossenen Kreisläufen eine Substitutionsquote von zwölf bis 14 Prozent erreicht haben – je nachdem, in welcher Qualität und Dimension mineralische Abbruchmassen als Ausgangsstoffe vorliegen. Wenn die Koalitionäre "das ökonomische und ökologische Potenzial des Recyclings umfassend nutzen, den Ressourcenverbrauch senken und damit Arbeitsplätze schaffen" wollen, ist das ehrenhaft – aber keineswegs neu und längst Stand der Technik.

Zusammengefasst wird sich in der nächsten Legislatur, beginnend mit dem Baujahr 2022, zeigen (müssen), dass es für die angestrebten Ziele im Baubereich nichts bringt, gut miteinander funktionierende Strukturen gegeneinander auszuspielen. Nur gemeinsam können wir mehr erreichen.

Wir wollen und müssen bauen, das Ergebnis soll bezahlbar bleiben – an allen Ecken und Enden wird über steigende Preise und Lieferschwierigkeiten geklagt – warum nutzen wir dann nicht die Stellschrauben, die wir völlig unabhängig von Importen noch haben? Technologieoffene Ausschreibungen, die Berücksichtigung güteüberwachter RC-Baustoffe und die in der Ökobilanz unschlagbaren heimischen Primärbaurohstoffe erhöhen die Resilienz des Wirtschaftsbereiches Bau. Wir hoffen, dass diese Fakten im künftig eigenständig geführten Bundesbauministerium ankommen und entsprechende Berücksichtigung finden.

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