Präzisionsarbeit

Rückbau gelang trotz enger Gassen schnell

Hagedorn Abbruch
Der Longfrontbagger beißt sich durch. Foto: Hagedorn

Münster (ABZ). – Wenn die Baumaschinen bequem vorfahren können, ausreichend Platz zum Rangieren zur Verfügung steht und die Zu- und Ausfahrten frei zugänglich sind, dann sind die Voraussetzungen für komplexe Rückbauarbeiten perfekt. In der Praxis bleibt das jedoch oft eine Wunschvorstellung.

Münster im Juni 2019, das Thermometer zeigte 34 °C an. Wer freut sich da nicht über eine Klimaanlage? Peter Elstermann, Fahrer des Longfrontbaggers bei Hagedorn, war froh, dass seine Maschine diese hat. Meter um Meter arbeitete er sich vorsichtig mit dem Crusher voran. Mitten in der belebten Fußgängerzone des Stadtzentrums von Münster sollte ein vierstöckiges Gebäude zurückgebaut werden und für ein Neues weichen.

Die Salzstraße gilt als älteste Handelsstraße der westfälischen Universitätsstadt. Dieses Arbeitsumfeld ist für die schweren Geräte nicht optimal: Wegen enger Gassen und denkmalgeschützter Nachbargebäude, wie zum Beispiel dem Dominikanerdom aus dem 18. Jahrhundert, musste das Team von Hagedorn sehr vorsichtig sein. Denn der Longfront, ein 100-Tonnen-Bagger mit einer Armlänge von 34 m, war nicht sonderlich für Fußgängerzonen geeignet. Wie kann der Bagger rangiert werden? Wo soll der Bauschutt gelagert werden? Welche Möglichkeiten bestehen, um diesen abzufahren? Die Antworten auf diese Fragen waren nicht einfach. Zudem teilten das abzureißende und das benachbarte Gebäude eine gemeinsame Wand. Eine Information, die die Pläne zuvor nicht zweifelsfrei preisgegeben hatten. Aufgrund dessen wurde die gemeinsame Giebelwand manuell durch Stemmen und Sägen getrennt. Schließlich musste das Gebäude während des Abbruchs stabil bleiben. Das gelang dem Hagedorn-Team unter anderem dadurch, dass die Bewehrungen Etage für Etage jeweils erst kurz vor dem Abbruch von den Monteuren durchschnitten wurden. Zudem wurde das Gebäude durch Profis abgestützt, damit eine nahezu vollständige Stabilität gewährleistet werden konnte. Damit die Gebäude des Nachbarn und die Fußgängerzone nicht beschädigt wurden, hatte Hagedorn entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Zur Erhaltung der Bodenfläche wurde ein Sandbett vorbereitet.

Damit der Abbruch möglichst reibungslos durchgeführt werden konnte, waren bereits im Vorfeld einige wichtige Dinge zu beachten. Fahrstrecken und Ablauf- und Sicherheitspläne mussten erarbeitet werden. Zudem mussten die Anwohner informiert und die Wände, Decken, Böden, Statik und die Belastbarkeit geprüft werden. Des Weiteren wurde lange im Voraus die technologische Abfolge der Maschinen festgelegt, damit alle Arbeiten planmäßig durchgeführt werden konnten. Zudem wurde der Abbruch des Gebäudes seitens der Stadt bewusst zeitgleich mit der geplanten Sanierung des Doms durchgeführt, da dieser dann bereits durch die Sanierungsmaßnahme geschützt war.

Als der Tag des finalen Abbruchs mit der Longfront anstand, diente ein Abbruchvorhang zum Schutz, um Lärm und Staubbelastung möglichst gering zu halten. Einige Nächte zuvor hatte Peter Elstermann den Longfrontbagger mit viel Präzision und Feingefühl durch die engen Gassen Münsters manövriert. So konnte er im hinteren Bereich des Gebäudes mit dem Rückbau des Dachstuhls beginnen. Damit Hagedorn den vorderen Teil des Gebäudes problemlos abreißen konnte, wurde die Salzstraße komplett gesperrt. Das Team hatte nur gut zehn Stunden, um das 15 m hohe Gebäude zurückzubauen. Bis zum Abend wurden 5000 t Bauschutt erzeugt. Die roten Hagedorn-Lkw fuhren den mineralischen und nicht mineralischen Abfall – streng sortiert und getrennt – Mulde um Mulde ab. Um 18 Uhr war der Rückbau beendet. So konnte der Longfront bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag erneut vorsichtig durch die engen Gassen Münsters bugsiert und abtransportiert werden. Parallel dazu wurden sowohl Mobil- als auch Hüllkreisbagger angeliefert, die die noch wenige Tage länger andauernden Nacharbeiten auf der Baustelle übernahmen. Nach umfangreichen Vorarbeiten und schneller sowie präziser Ausführung war das Wohn- und Geschäftshaus in Münsters Innenstadt Geschichte und Platz für Neues geschaffen.

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