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"Smarte" Produktwelten

Stihl erschließt neue digitale Geschäftsfelder

Von Robert Bachmann

Mehr Absatz trotz widriger Rahmenbedingungen – Der Stihl-Vorstand klärte über die aktuelle Geschäftsentwicklung auf (v. l.): Wolfgang Zahn (Vorstand Entwicklung), Norbert Pick (Vorstand Marketing und Vertrieb), Dr. Betram Kandziora (Vorstandsvorsitzender), Dr. Michael Prochaska (Vorstand Personal und Recht) und Dr. Stefan Caspari (Leiter Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit).

Waiblingen. – Einmal mehr hatte Stihl im September zum traditionellen Medientag ins eigene Stammhaus nach Waiblingen eingeladen. Die mehr als 100 Journalisten aus mehr als 15 Ländern konnten sich vor Ort u. a. über die aktuelle Geschäftsentwicklung des Unternehmens, neue Produktlösungen aus dem wachsenden Akku-Sortiment von Stihl sowie über neue Geschäftsfelder im Bereich der Digitalisierung informieren. Die Zahl der geladenen Fachpressevertreter auf dem diesjährigen Medientag von Stihl war hoch. Nicht ohne Grund, denn Stihl hat sein Angebot in den vergangenen Jahren kräftig ausgebaut. Zum einen hat das Unternehmen insbesondere mit neuen Akku-Produkten sein Kundenspektrum erweitert. Zum anderen erschließt Stihl mit neuen digitalen Anwendungen gänzlich neue Geschäftsfelder bei den bestehenden Kundengruppen.

Mit dieser Strategie habe Stihl den teils widrigen Rahmenbedingungen im Geschäftsjahr 2018 erfolgreich trotzen können, erklärte der Stihl Vorstandsvorsitzende, Dr. Bertram Kandziora, auf der einleitenden Pressekonferenz. So hätten sich Wechselkurseffekte, bedingt durch einen starken Euro sowie die kurzen Vegetationszeiten im aktuellen Geschäftsjahr negativ auf das Umsatzergebnis ausgewirkt. Von Januar bis August 2018 habe das Unternehmen einen Umsatz von 2,65 Mrd. Euro erzielt, erklärte Kandziora. Das entspreche einem leichten Rückgang von 1,7 %. Bei unveränderten Wechselkurseffekten hätte der Absatzerfolg einem Umsatzplus von 4,1 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entsprochen. Jedoch ergebe sich bei der Umrechnung von Währungen in für Stihl wichtigen Weltmärkten – vor allem in den USA, aber auch in Brasilien – ein geringerer Umsatz. Trotz der ungünstigen Witterungsbedingungen und des starken Euro liege das Absatzvolumen der Stihl Gruppe jedoch leicht über dem Vorjahresniveau, so Kandziora.

Plus bei Akku-Geräten

Auch in Deutschland habe sich Stihl 2018 nach einem positiven Jahresstart mit der extremen Witterungslage auseinandersetzen müssen. Nichts desto trotz hätte sich das Geschäft sowohl mit den Benzin-Motorsägen als auch den neuen Akku-Produkten und Robotermähern positiv entwickelt. In den ersten acht Monaten habe das deutsche Stammhaus der Andreas Stihl AG & Co. KG einen Umsatz von 804 Mio. Euro und damit 6 % über Vorjahresniveau erwirtschaften können. "Für den Herbst sind wir zuversichtlich, bei günstigerer Witterung den Schwung vom Beginn des Jahres wiederaufzunehmen", betonte der Stihl Vorstandsvorsitzende.

Die klassischen Benzin-Produkte seien nach wie vor "ein wichtiges Standbein" für den Geschäftserfolg des Unternehmens und "werden langfristig bleiben", betonte Kandziora. Gleichsam verzeichne Stihl starke Absatzsteigerungen bei den Gartengeräten, insbesondere den Akku-betriebenen Rasenmähern. Hier habe sich v. a. der zu Beginn des Jahres vollzogene Markenwechsel von Viking zu Stihl deutlich bemerkbar gemacht. Das Absatzvolumen habe sich hier mehr als verdoppelt, erklärte Kandziora. Über alle Produktgruppen hinweg betrage der Anteil der Akku-Produkte am Gesamtabsatzvolumen von Stihl mittlerweile zwischen 10 und 12 %.

Im Fokus der Medientage bei Stihl standen insbesondere digitale Anwendungen, bspw. Virtual Reality-Unterstützung im Anwendertraining.

Deutlich zugelegt habe auch der Personalstand bei Stihl. Nach Unternehmensangaben arbeiten derzeit fast 17 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Stihl Gruppe und damit noch einmal 11 % mehr als im vergangenen Geschäftsjahr. In Deutschland betrage der personelle Zuwachs in 2018 etwa 8 % (derzeit 3885 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter). "Wir konnten viele offene Stellen, die wir vor allem in den Bereichen Akku, Elektronik, Connected Products und IT ausgeschrieben haben, besetzen", erklärte Kandziora. Auch in die Ausbildung eigener Fachkräfte werde kräftig investiert. So sei die Zahl der neuen Ausbildungsplätze von aktuell 75 im Jahr 2018 auf 104 für das Ausbildungsjahr 2019 erhöht worden (+ 73 % seit 2016).

Digitalisierung

Im Fokus stehen bei Stihl zunehmend digitale Services und Produkt-Features, wie auf dem Medientag deutlich wurde. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen neue Bereiche, Strukturen und Arbeitsmethoden etabliert, um die Entwicklung von Stihl-Produkten mit digitalen Funktionen voranzutreiben, erklärte Kandziora. Dazu gehört auch die Ernennung von Dr. Christian Vogt zum neuen Chief Digital Officer Digitalisierung bei Stihl, der den Medientag ebenfalls nutzte, um sich und die Digitalisierungsstrategie des Unternehmens vorzustellen. "Diese Arbeit trägt nun ihre Früchte", sagte Kandziora.

Für den Bereich "Smart Garden" bspw. bietet Stihl ein intelligentes System zur Gartenbewässerung und einen Robotermäher – beides per App steuerbar. Im Bereich "Smart Forest" hat das Unternehmen Virtual und Augmented Reality-Konzepte für das Produkttraining ausgearbeitet. Zudem bietet Stihl mit der MS500i ab 2019 die weltweit erste Benzin-Motorsäge mit einer sensorgesteuerten Kraftstoffdosierung. Die neue Software LogBuch – ein Forst 4.0-Pilotprojekt – bietet darüber hinaus Anwendern in der Forstwirtschaft eine intelligente Lösung zur Geolokalisation eines Objektes, bspw. eines Baumes.

Die Geschäftsführer und Gründer des Startups Freiraum, Achim Maisenbacher (r.) und Jan Schurkus, präsentierten in Waiblingen ihre jüngst aktualisierte Software-Lösung MemoMeister.

Unter der Bezeichnung "Stihl connect pro" arbeitet das Unternehmen zudem an einer Cloud-basierten Systemlösung für effizientes Flottenmanagement auf digitaler Basis. Grundlage sind optional erhältliche Sensoren, die auf bestehenden Produkten angebracht werden können und mit denen grundlegende Gerätedaten wie Standort, Einsatzart, Einsatzdauer und anstehende Gerätewartungen dokumentiert und gemanagt werden können.

Neben diesen Lösungen zeigte Stihl in Waiblingen auch die seit dem vergangenen Jahr erhältliche Softwarelösung MemoMeister, ein Produkt des Startups Freiraum, an dem das Unternehmen seit Beginn des Jahres beteiligt ist. Dabei handelt es sich um eine Kommunikations- und Organisationsplattform für Garten- und Landschaftsbauer. Die App soll die Kommunikation zwischen Büro und Baustelle vereinfachen, indem sie alle relevanten Informationen zu einem Projekt – bspw. Bilder, Notizen oder PDF-Dokumente – strukturiert und sortiert in einer sicheren, digitalen Ablage verfügbar macht. In der neuesten Version wurde MemoMeister nun um eine Video-Funktion ergänzt.

Neue Hardware

Neuheiten gab es allerdings nicht nur im Bereich Software. So wird Stihl im Zuge des Markenwechsels ab Frühjahr 2019 das Produktsortiment der Robotermäher um den per App steuerbaren iMow RMI 422 PC ergänzen. Für die professionelle Grünpflege in lärmsensiblen Bereichen präsentierte das Unternehmen zudem den Prototypen eines neuen Akku-Rasenmähers: den RMA 765 V. Beim Akku-System Compact erweitert Stihl darüber hinaus das Sortiment um den leichten Heckenschneider HLA 56 mit abwinkelbarem Messerbalken, wodurch der Anwender sowohl über Kopf als auch vertikal und über dem Boden schneiden kann.

Bislang nur ein Konzept ist der neue Smart-Trailer, mit dem sich eine Vielzahl an Akku-Produkten effizient transportieren und vor Ort auch Laden lassen.

Am Rande der Veranstaltung zeigte Stihl zudem den Prototypen eines Fahrzeug-Anhängers für Garten- und Landschaftsbauer, mit dem sich nicht nur eine Vielzahl verschiedener Akku-Geräte von Stihl transportieren lassen, sondern diese auch gleichzeitig vor Ort geladen werden können. Im sog. "Smart-Trailer" ist ein Energiespeicher integriert. Dieser lädt die Akkus des Stihl-AkkuSystems Pro auch untertags und direkt am Einsatzort. Darüber hinaus können die Geräte und Akkus im Smart Trailer transportiert sowie bei Bedarf auch nach Feierabend dort verbleiben und über Nacht voll aufgeladen werden. Das zeitaufwändige Ein- und Ausladen morgens und abends soll damit künftig nicht mehr erforderlich sein. Der Trailer ist zudem mit GPS und einer Alarmanlage ausgestattet. Dank der Stihl Connect Pro kann der Nutzer sehen, ob alle Geräte für einen geplanten Einsatz an Bord des Smart Trailers sind. Das System zeigt darüber hinaus an, wenn bei einem Gerät eine Wartung ansteht, und es informiert darüber, wie viel Restenergie im Energiespeicher sowie in den Akkus der Geräte verblieben ist.

Deutlich weniger digital und dennoch ein Novum sind schließlich die vier neuen Hochdruckreiniger, die Stihl im Rahmen des Medientags präsentierte. Neu an den Modellen RE 100, RE 110, RE 120 und RE 130 ist nicht nur das modernisierte Design, sondern auch, dass es sich dabei um eine Eigenproduktion von Stihl handelt. Die bisherige Partnerschaft mit dem dänischen Hersteller Nilfisk soll im Bereich der Profi-Hochdruckreiniger jedoch weitergeführt werden. Mit bis zu 135 bar Arbeitsdruck und einer umfassenden Serienausstattung sollen die kompakten Geräte alles mitbringen, was für die vielfältigen Einsätze von der Fahrzeugpflege bis zu Reinigungsarbeiten auf dem Grundstück notwendig ist. Die Hochdruckreiniger verfügen laut Hersteller über hochwertige, leise Induktionsmotoren mit einer Leistung von 1,7 bis 2,3 kW. In Verbindung mit der robusten Aluminium-Hochdruckpumpe sorge dies für eine hohe Leistung und eine besondere Langlebigkeit der Geräte.

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