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Solidarität in der Corona-Krise

Hilfsaktionen aus der Baubranche

Von Robert Bachmann

Solidarität im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus: Ein vorübergehend stillgelegtes Werk von JCB soll jetzt wieder öffnen, um dort Gehäuse für dringend benötigte Beatmungsgeräte herzustellen.

Hannover. – Positive Nachrichten sind in der aktuellen Situation eher Mangelware. Die Ausbreitung des Coronavirus und ihre Folgen für das öffentliche und wirtschaftliche Leben fördern jedoch nicht nur Schlechtes zutage. In kleinen wie größeren Akten der Solidarität zeigt sich dieser Tage, dass eine Krise auch Gutes zum Vorschein bringt. Beispiele dafür gibt es auch in der Baubranche.

Auch am Bau und in den angeschlossenen Industrien gibt es derzeit wenig Grund für Optimismus. Zwar ist die Bauwirtschaft derzeit noch weit weniger von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen als andere Bereiche, jedoch drohen stockende Lieferketten, materielle und personelle Engpässe, vorübergehende Werksschließungen bei Baustoff- und Baumaschinenherstellern sowie ganz allgemein die drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens auch hier Schäden zu hinterlassen.

Desinfektionsmittel statt Bauchemie

Das betrifft vor allem die produzierende Industrie. Bislang noch überwiegend optimistisch beurteilen derzeit die Hersteller von Baustoffen und sonstigen Materialien für die Baustelle ihre Situation. Dennoch haben einige Unternehmen beschlossen, einen solidarischen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen zu leisten.

Dazu gehört unter anderem der Bauchemie-Hersteller Remmers. Bekannt für verschiedene Premium-Produkte für den Bautenschutz, Holzfarben, Lacke und Bodenbeschichtungen hat das Unternehmen aus dem niedersächsischen Löningen vor einigen Wochen einen Teil seiner Produktion kurzfristig umgestellt. Produziert wird nunmehr auch Desinfektionsmittel, das Remmers zum Selbstkostenpreis an Rettungsdienste, medizinische Einrichtungen und öffentliche Institutionen zwischen Wilhelmshaven, Oldenburg, Cloppenburg, Delmenhorst und der Wesermarsch abgibt. „Es ist für uns selbstverständlich, dass wir mit diesem Angebot unserer gesellschaftlichen Verantwortung für die Region nachkommen“, erklärte Remmers-Vorstandsvorsitzender Dirk Sieverding.

Um sein Engagement noch einmal ausweiten zu können hat die Remmers Gruppe kurzfristig eine Kooperation mit der Berentzen-Gruppe beschlossen. Der Spirituosenhersteller aus Haselünne hat dem Hersteller von bauchemischen Produkten sowie Holzfarben und –lacken im benachbarten Löningen dazu jetzt insgesamt 40.000 Liter Ethanol geliefert.

Auch Bauchemie-Hersteller helfen dieser Tage, wo sie können: Unter anderem hat Remmers einen Teil seiner Produktion umgestellt, um Einrichtungen des Gesundheitswesens in seiner Region mit Desinfektionsmittel zum Selbstkostenpreis zu versorgen. Foto: Remmers

Eine ganz ähnliche Aktion hat der Chemiekonzern BASF ins Leben gerufen. BASF produziert am Standort Ludwigshafen einige der Rohstoffe, die zur Herstellung von Desinfektionsmitteln verwendet werden können. Andere hierfür notwendige Rohstoffe werden von BASF extern zugekauft und innerhalb der Wertschöpfungskette der BASF zur Herstellung anderer Produkte verwendet. Der Konzern hat nun mehrere Tonnen, vor allem Isopropanol, zur Produktion von Hand-Desinfektionsmittel umdisponiert. Für die Produktion wurden die rechtlichen und technischen Voraussetzungen geschaffen, um am Standort Ludwigshafen Desinfektionsmittel herzustellen. Unter dem Motto „Helping Hands“ verteilt das Unternehmen diese kostenlos an Krankenhäuser in der Metropolregion Rhein-Neckar.

Ende März hat die BASF angekündigt, diese Aktion sukzessive auch auf weitere Bereiche des regionalen Gesundheitswesens auszuweiten. „Das Interesse ist riesig und zeigt, dass es richtig war, schnell und unbürokratisch zu helfen. Ich bin stolz auf das ganze Team, das die Aktion in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat“, sagt Michael Heinz, Mitglied des Vorstands der BASF SE und Standortleiter Ludwigshafen.

Auch Kemper System, Hersteller von Lack- und Beschichtungssystemen für den Baubereich mit Sitz in Vellmar, reiht sich in die Riege der Krisenhelfer ein. Mit dem „Desinfektionsmittel K“ will das Unternehmen, das normalerweise vor allem Flüssigkunststoff für die Dachabdichtung herstellt, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in der Region um Kassel aus dem Versorgungsengpass helfen. Man habe schon im frühen Stadium der Corona-Krise zusätzlich zu seinen gängigen Produkten auch Desinfektionsmittel für seine Mitarbeiter produziert, hieß es von Kemper System. Nun sei die Desinfektionsmittel-Produktion auf 2.500 Liter hochgefahren worden.

Beatmungsgeräte statt Baumaschinen

Vergleichbare Beispiele gibt es auch bei Baumaschinenherstellern. Die meist international agierenden und produzierenden Unternehmen trifft die Ausbreitung des Coronavirus besonders hart. Engpässe bei Zuliefererteilen und staatlich angeordnete Werksschließungen lassen die Produktion bei vielen Herstellern derzeit ins Stocken geraten. Davon betroffen ist auch der britische Baumaschinenhersteller JCB. Mehr als die Hälfte aller 22 Werke wurden vorübergehend stillgelegt, erklärte Frank Zander, Geschäftsführer von JCB Deutschland, vor Kurzem gegenüber der ABZ. Nun soll die Produktion in einer der geschlossenen Fabriken wieder aufgenommen werden – und zwar, um dort Gehäuse für Beatmungsgeräte herzustellen.

JCB reagiert damit auf einen direkten Aufruf des britischen Premierministers Boris Johnson, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Er forderte das Unternehmen auf, einen Beitrag zu leisten, den Mangel an Beatmungsgeräten im Land zu beheben. JCB Chairman Lord Bamford versprach, auf jede erdenkliche Art und Weise zu helfen, und mobilisierte sofort ein Forschungs- und Ingenieurteam, um mögliche Wege zur Unterstützung zu prüfen. Nun ist JCB bereit, die Produktion in einer Fabrik aufzunehmen, die aufgrund der Coronavirus-Krise fast zwei Wochen lang geschlossen war.

Nur eines von vielen positiven Beispielen: Der Elektrogerätehersteller Fein spendet Atemschutzmasken für Kliniken in seiner Region.

Aber anstatt Kabinen für JCB Bagger herzustellen, wird das Werk mobilisiert, um spezielle Metallgehäuse für eine neuartige Beatmungstechnik herzustellen. Diese geht auf ein weiteres Beispiel solidarischer Unterstützung aus der Industrie zurück. Jedoch nicht aus der Bauindustrie: Entwickelt wurde die neue Technologie von Dyson, ein Unternehmen, welches vor allem für seine Staubsauger bekannt ist. JCB plant nun die Produktion von mindestens 10.000 Gehäusen, sobald Dyson die behördliche Genehmigung dafür erhält.

Neben Beatmungsgeräten werden dieser Tage vor allem Atemschutzmasken benötigt. Der explosionsartig gestiegene Bedarf hat auch in diesem Bereich Engpässe herbeigeführt. Zumindest regional werden diese durch die Spendenbereitschaft einzelner Unternehmen kompensiert. Diese kommen auch von Baugeräteherstellern, die solche Masken für den Arbeitsschutz auf der Baustelle und im Handwerk im Sortiment führen. Dazu gehören beispielsweise der Motorsägenhersteller Stihl und der Elektrowerkzeughersteller Fein. Beide haben in den vergangenen Woche große Mengen an Atemschutzmasken an regionale Krankenhäuser in der Nähe ihrer Firmensitze gespendet.

Umfassende Erfahrungen im Kampf gegen das Coronavirus hat man China. Nach eigenen Angaben hat das Land die Krise bereits überstanden, es werden kaum noch Neuinfektionen gemeldet. Der aus China stammende Baumaschinenkonzern Sany will nun ebenfalls helfen und hat angekündigt, rund 130.000 Atemschutzmasken an Länder im Kampf gegen COVID-19 zu spenden. Auch Deutschland zählt dazu.

Entlastung für Familien im Homeoffice

Die Bereitschaft, Menschen in der aktuellen Ausnahmesituation zu unterstützen, hat dieser Tage viele Facetten. Sie zeigt sich auch in vergleichsweise kleinen Gesten. Ein nicht zu unterschätzendes Thema ist beispielsweise die Tatsache, dass viele Menschen aktuell von zu Hause arbeitet. Gerade Familien kann das vor ungeahnte Herausforderung stellen – sowohl technisch als auch zwischenmenschlich. Während viele Eltern aus dem Homeoffice die Geschäfte in ihren jeweiligen Unternehmen am Laufen halten müssen, wollen Kinder, deren Schulen und Kitas geschlossen sind, beschäftigt und bei Laune gehalten werden.

Kleine, aber feine Ideen wie die des Baumaschinenhändlers Kurt König aus Einbeck oder dem Ersatzteillieferanten Astrak aus Bischoffen kommen hier gerade recht. Kurt König stellt auf seiner Internetseite Malvorlagen mit Bau-Motiven bereit. Diese können heruntergeladen und ausgemalt werden. Zur Motivation hat sich das Unternehmen zudem ein Gewinnspiel ausgedacht. Die ausgemalten Bilder können eingeschickt werden. Die Gewinner erhalten einen Preis. Astrak wiederum hat eine eigene Interseite mit Onlinespielen sowie ebenfalls einem Malwettbewerb ins Leben gerufen. Auch hier können Kinder Preise gewinnen.

Der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hält zahlreiche Herausforderungen für die Gesellschaft bereit – im Großen wie im Kleinen. Ihre Bewältigung erfordert Solidarität auf allen Ebenen. Kennen auch Sie solche oder ähnliche Beispiele aus der Baubranche oder Unternehmen, die der Baubranche nahe stehen? Dann melden Sie sich gerne unter redaktion@allgemeinebauzeitung.de. Auch positive Nachrichten greifen wir in diesen Tagen gerne auf.

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