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VDBUM Seminar 2019

Berufsbilder werden sich grundlegend wandeln

Die Diskussion über aktuelle Brennpunktthemen steht im Zentrum des VDBUM Seminars. Im vergangenen Jahr wurde v. a. über Digitalisierung gesprochen. 2019 steht zusätzlich auch das Thema Fachkräfte auf der Agenda.

Der digitale Wandel und der Fachkräftemangel bestimmen heute maßgeblich die Diskussion am Bau. Auch das diesjährige VDBUM Seminar wird sich gezielt mit diesen Themen auseinandersetzen. Im Interview mit ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann erklären Dieter Schnittjer, VDBUM Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der VDBUM Service GmbH, und VDBUM-Geschäftsstellenleiter Wolfgang Lübberding, warum beide Themen nicht getrennt voneinander diskutiert werden können.

ABZ: Herr Schnittjer, auch am neuen Standort in Willingen hat sich das VDBUM Seminar sehr gut eingespielt. Gibt es hinsichtlich Form und Inhalt dennoch Änderungen in diesem Jahr?

Schnittjer: Es wird auf jeden Fall eine räumliche Änderung geben. So werden wir in diesem Jahr zusätzlich auch einen Teil des Hotel-Restaurants für unsere Vortragsreihen nutzen. Dort werden wir uns Themen widmen, die wir bisher im Vortragsraum Brillon platziert hatten, der jedoch gerade im vergangenen Jahr regelrecht aus allen Nähten platzte. Der Bereich, den wir im Restaurant nun als zusätzlichen Vortragsraum nutzen, bietet sowohl hinsichtlich seiner Größe als auch der Ausstattung optimale Bedingungen, um auf das gestiegene Besucherinteresse zu reagieren. Zugleich ermöglicht uns die neue Aufteilung, die Vorträge im Raum Brillon noch gezielter auf einen spezifischen Themenblock und eine spezifische Zielgruppe zu fokussieren.

ABZ: Wird der Platz in Willingen bereits wieder knapp?

Schnittjer: Die Besucherzahlen haben sich über die Jahre hinweg auf einem konstant hohen Niveau eingependelt. Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr erneut zwischen 1100 und 1200 Gäste begrüßen dürfen. Platzprobleme bekommen wir damit nicht. Was wir jedoch berücksichtigen müssen, ist, dass es jedes Jahr einen starken Wechsel bei den Besuchern gibt. In den letzten Jahren waren zwischen 30 und 40 % der Besucher zum ersten Mal auf dem VDBUM Seminar.

Eine Stellschraube, an der wir im Grunde seit Jahren drehen, ist immer die Logistik rund um das Seminar. Nicht nur, weil es über die Jahre gewachsen ist, sondern auch, weil die Ansprüche natürlich steigen. Hier ist unser Anspruch, immer besser zu werden. Jeder, der zu uns kommt, soll merken, dass wir persönlich hinter den Abläufen stehen und dass wir als VDBUM-Team unser Bestes geben, um den Besuch so komfortabel wie möglich zu gestalten.

Lübberding: In der Kombination, wie wir sie in Willingen haben, gibt es in Deutschland schlichtweg keine Veranstaltungsräume, die größer sind. Der nächste Schritt würde in Richtung Stadthalle, Stadion etc. gehen, aber das wollen wir nicht. Das VDBUM-Seminar lebt von seinem familiären Charakter. Dafür ist das Sauerland-Stern-Hotel ideal ausgestattet.

Dieter Schnittjer.

ABZ: Gibt es einen konkreten Wachstumsplan?

Schnittjer: Diese Frage steht immer im Raum: Müssen wir eigentlich noch größer werden? Ich denke, wir haben aktuell eine sehr gute Größe erreicht. Unabhängig davon muss das Ziel immer sein, die Veranstaltung so zu organisieren, dass die Menschen zueinanderkommen.

Lübberding: Dass das gut angenommen wird, sieht man u. a. daran, dass verschiedene Parteien, mit denen wir zusammenarbeiten, das VDBUM Seminar für eigene Unterveranstaltungen nutzen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Verband der Motoren-Instandsetzungsbetriebe e. V. (VMI), der auf dem Seminar nicht nur seine Mitgliederveranstaltung organisiert, sondern auch einen größeren Gemeinschaftstand unterhält. Ein anderes gutes Beispiel ist unser Zukunftszirkel. Dabei handelt es sich um eine Aktion aus unserem Nachwuchsförderungsprogramm, die wir vor einigen Jahren gestartet haben. Hier bieten wir speziell für junge Führungskräfte in Unternehmen eine Plattform, auf der sie zusammenkommen und sich austauschen können. Erklärtes Ziel dieser Gruppe ist die Optimierung von Werkstattabläufen und Maschineneinsätzen. Dabei haben die jüngeren Nachwuchskräfte i. d. R. andere, neue Ansätze, zu denen sie sich im Zukunftszirkel austauschen können. Das findet mittlerweile auch auf dem VDBUM Seminar sehr erfolgreich statt. Dort wird die Gruppe auch in diesem Jahr Ergebnisse ihrer Arbeit präsentieren.

ABZ: "Innovation durch Motivation" – Was steckt hinter dem diesjährigen Veranstaltungsmotto?

Schnittjer: Über dieses Wortspiel haben wir im Vorstand sehr lange diskutiert. Am Ende sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass wir damit die Themen der Zeit am ehesten auf den Punkt bringen. Wir brauchen einerseits Innovationen und müssen andererseits motiviert sein, uns dafür fortzubilden, offen für neue Technologien zu sein etc. Innovation und Motivation bedingen einander. Auf dem VDBUM Seminar kommt das ideal zusammen.

Zugleich tragen Innovationen maßgeblich dazu bei, den Nachwuchs für die Branche zu motivieren. Insofern spricht das Motto auch den Fachkräftemangel an und einen ganz wichtigen Hebel, mit dem diesem beizukommen ist. Das wird sich auch in der Podiumsdiskussion niederschlagen, die sich zu einem Teil diesem Thema widmen wird.

ABZ: Wie sehr beschäftigt der Fachkräftemangel Ihre Mitglieder?

Schnittjer: Das ist natürlich für alle ein riesiges Thema. Umso erstaunter bin ich, wenn Unternehmen nach wie vor argumentieren, sie hätten aufgrund der Auftragslage keine Zeit für Aus- und Weiterbildung. Darüber muss dringend gesprochen werden.

Lübberding: Wir greifen dieses Thema schon seit längerem an verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Gelegenheiten auf. Sei es der Baumaschinenerlebnistag, spezifischen Themenblöcken auf dem VDBUM Seminar oder das Konzept der Patenschaften, das wir dort anbieten. Was wir auf jeden Fall merken, ist, dass es spätestens seit Ende des vergangenen Jahres wieder eine deutliche Aufwärtsbewegung gibt. Wir sehen v. a., dass durch neue Ansätze, Technologien etc. wieder mehr Motivation für die Berufe im Bauwesen geschaffen wird.

Schnittjer: Dennoch fehlt es insgesamt an Nachwuchs, schon aufgrund der schwachen Geburtenjahrgänge. Jetzt liegt es an uns, den Stand der Technik zu entwickeln und Hilfsmittel bereitzustellen, mit denen sich Arbeitsabläufe einfacher, effizienter und im Zweifelsfall auch mit weniger Personaleinsatz gestalten lassen. Hier verlagert sich aktuell einiges – insbesondere durch die Teilautomatisierung von Bauprozessen. Dadurch werden die Anforderungen nicht geringer, aber sie verändern sich und fordern ganz neue Voraussetzungen bei den Arbeitskräften. Das ist eine sehr spannende Zeit.

Wolfgang Lübberding.

ABZ: Ist die Digitalisierung der Arbeitswelt am Bau der Schlüssel, um dem Fachkräftemangel Herr zu werden?

Schnittjer: Das ist auf jeden Fall ein ganz wichtiger Baustein. Wir haben das zuvor in der Landwirtschaft erlebt. Wenn auch unter ganz anderen Voraussetzungen, hat sich dort gezeigt, wie man mit neuen Technologien erhebliche Effizienzpotenziale heben kann. Jetzt erleben wir Ähnliches in der Bauwirtschaft. Damit kann man durchaus punkten. Letztendlich muss man sich aber auch bewusst machen, dass das Bauwesen nach wie vor von Menschen getragen wird, die draußen auf der Baustelle arbeiten. Das wird sich auch so schnell nicht ändern. Die Attraktivität des Arbeitsplatzes jedoch ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen.

ABZ: Kritische Stimmen würden behaupten, die Digitalisierung bzw. Automatisierung diene als Notbehelf, mangelnde Qualifikation zu kompensieren.

Schnittjer: Das sehe ich nicht so. Ich denke viel eher, dass sich das Berufsbild grundlegend ändert. Wenn wir uns bspw. den Maschinenführer ansehen, dann werden wir künftig immer weniger den Typus sehen, der die Maschine besonders gefühlvoll bedienen kann, sondern den, der das nötige Verständnis für die technischen

Systeme mitbringt, um den Arbeitsvorgang im Ganzen zu überwachen. Es handelt sich also nicht um einen Wegfall von Qualifizierung, sondern es werden andere Qualifikationen gebraucht. Genau das ist der Trend, den wir jetzt verfolgen müssen.

ABZ: Nun sind diese Formen der Digitalisierung am Bau zwar aktuell in aller Munde, Realität jedoch noch lange nicht. Die großen Hürden sind fehlende Standards und der noch ausstehende Kulturwandel bei den Akteuren der Branche. Sind hier aus Ihrer Sicht Fortschritte erkennbar?

Schnittjer: Wir brauchen ganz klar eine Standardisierung in verschiedenen Bereichen – sowohl bei den Abläufen selbst als auch bei den digitalen Hilfsmitteln, die wir dabei künftig einsetzen wollen. Ein großes Problem sehe ich v. a. in der vermeintlichen Komplexität des Themas. Wir müssen darauf achten, dass die Digitalisierung nicht zu einer Wissenschaft aufgebauscht wird. Der Begriff mag vielleicht ein enorm großes Feld an Möglichkeiten eröffnen, für den einzelnen Anwender ist jedoch meist nur ein kleiner Bereich an Lösungen relevant. Es muss nicht jeder alles verstehen, sondern seinen Bereich und wie er diesen in den Gesamtprozess einbinden kann. Das müssen wir besser vermitteln, dann steigt auch die Bereitschaft für die Digitalisierung. Eine wichtige Grundlage dafür ist die Vernetzung. Diese kann jedoch nur gelingen, wenn wir die gleiche Sprache sprechen. Dafür brauchen wir dringend Standards. Um dieses Thema voranzubringen, engagieren wir uns in verschiedenen Kooperationen, etwa mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und dem VDMA. In verschiedenen Arbeitskreisen nehmen wir uns gezielt des Themas Telematik an. Darüber hinaus haben wir einen weiteren Arbeitskreis gebildet, in dem wir uns speziell mit der Systemarchitektur beschäftigen, also den Formaten, in denen wir miteinander sprechen. Zusätzlich beschäftigen wir uns auch mit dem Thema Datenrechte.

Lübberding: Einen ganz wichtigen Schritt haben wir vor zwei Jahren bereits gemacht, indem wir zusammen mit der TU München und den Vertretern der Herstellerindustrie die ISO 15143-3 für den Datentransfer bei Telematiksystemen geschaffen haben. Das hat im vergangenen Jahr auch der VDMA als Standard für sich anerkannt und will darauf aufbauen. Ich denke, wir sind damit auf einem guten Weg, dass Maschinen zukünftig dieselbe Sprache sprechen. Vielleicht nicht heute oder morgen, ganz sicher aber in absehbarer Zukunft.

ABZ: Finden das auch die Hersteller gut?

Schnittjer: Wir sehen diesbezüglich eine sehr erfreuliche Tendenz, dass die Hersteller sich immer mehr öffnen und aufeinander zugehen. Der Markt hat sich diesbezüglich auch verändert. Die Anwender geben immer häufiger dem Hersteller Anforderungsprofile der Maschinen- und Gerätetechnik vor. Dieses liegt im Wesentlichen darin begründet, dass immer mehr Auftraggeber Bauprozesse digital gestalten und Bauplaner diese Abläufe in der Auftragsvergabe sowie dem Controlling verwenden.

ABZ-Stellenmarkt

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