Kommentar

Katze aus dem Sack

Eigentlich war es ja schon längst allen klar: Das Ziel des Bauministeriums, jedes Jahr 400.000 Wohnungen neu bauen zu wollen ist nicht erreichbar. Schon vor dem letzten Wohnungsbaugipfel, der im April in Berlin stattfand, muss allen Beteiligten klar gewesen sein, dass diese Zahl eine Utopie darstellt.

Angesichts der Folgen des Ukraine-Kriegs und anhaltender Lieferkettenprobleme mahnte etwa HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller, dass nicht nur das Wohnungsbauziel der Bundesregierung in Gefahr sei, sondern auch ein Rückgang der Baukonjunktur insgesamt möglich wäre. Trotzdem hielt Bauministerin Geywitz an dem Ziel der 400.000 auch nach dem Gipfel fest. Mittlerweile revidierten beide Verbände, HDB und ZDB, ihre Erwartungen deutlich nach unten: Der HDB prognostizierte eine Umsatzentwicklung von null bis minus zwei Prozent im laufenden Jahr, das Wohnungsbauziel sei auch im kommenden Jahr nicht erreichbar. "Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr um die 320.000 Wohnungen schaffen werden", sagte Müller nun in Berlin.

Der ZDB räumte nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zu 2021 ein, dass der Verband mit rund 293 400 fertig gestellten neuen Wohnungen im vergangenen Jahr deutlich hinter der Erwartung und der Prognose geblieben sei. "Wir müssen leider davon ausgehen, dass es in diesem Jahr auch nicht mehr werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Felix Pakleppa. Laut Bundesamt wurden im vergangenen Jahr zudem 4,2 Prozent weniger Wohnungen gebaut, als im Vorjahr. "Ich gehe davon aus, dass die Zahlen höher wären", gab sich Geywitz anlässlich des Tages der Bauindustrie, der am 19. Mai in Berlin stattfand, weiter kämpferisch.

"Die Haltung darf nicht sein, wir schaffen das nicht", sagte sie. Auf die extrem schwierigen Bedingungen habe der deutsche Staat kaum Einfluss, zugleich zeige ein sehr hoher Bauüberhang, "dass in den nächsten Jahren ausreichend Wohnraum in Deutschland gebaut werden kann, wenn sich die Bedingungen verbessern." Und sie erneuerte ihre Ankündigung, Behördenprozesse beschleunigen und Länderverordnungen harmonisieren zu wollen. Letztlich sei das Bauministerium ja auch ein Startup – da gehe vieles schneller. Es wird sich zeigen, ob der Enthusiasmus ausreicht, eine Lücke von rund 100.000 Wohnungen zu schließen.

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