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Kommentar

Kettenprobleme

Kai-Werner Fajga

Fast scheint es so, als sei durch die Blockade des Suez-Kanals im Mai das Weltgefüge des Handels aus den Angeln geraten. Dabei hatte das auf Grund gelaufene Containerschiff "Ever Given" gerade einmal sechs Tage die freie Durchfahrt auf der Wasserstraße behindert. Diese Zeit reichte zwar aus, um hunderte Schiffe in einen Stau zu zwingen und den Warenaustausch massiv ins Stocken geraten zu lassen. Tatsächlich bedingten mehrere Faktoren die immer noch anhaltenden Lieferkettenprobleme. So erzeugte die Corona-Pandemie eine stark anschwellende Nachfrage an Konsumgütern, mit welcher der Seehandel nicht Schritt halten konnte. Noch immer sind zu wenige Container verfügbar, was die Transportpreise zusätzlich verteuert.

Die weltweit anziehende Konjunktur und der Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten sind weitere Gründe, die für steigende Preise sorgen – oder gar für Produktionsausfälle. Mit einer Entspannung rechnen Ökonomen erst, wenn die Corona-Maßnahmen beendet werden und der Warenkonsum abnimmt. Danach sieht es momentan aber nicht aus – im Gegenteil: Nach einer aktuellen Umfrage des DIHK unter deutschen Unternehmen, die im Ausland aktiv sind, berichten 40 Prozent über Probleme bei Lieferketten und Logistik. Die Schwierigkeiten seien so gravierend, dass rund die Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) nach neuen oder zusätzlichen Lieferanten suchen. Mehr als zwei Drittel der Betriebe planen demnach ihre Lieferketten zu ändern, 11 Prozent wollen gar die Produktion "in verlässliche Standorte in Europa" verlagern oder in den eigenen Betrieb.

In der Baubranche hatten laut ifo-Institut 38 Prozent der befragten Bauunternehmen für August angegeben, durch Materialknappheit behindert zu sein. Die Fertigstellung einzelner Projekte könne sich verzögern, resümierte der Verband HDB und konstatierte einen realen Umsatzrückgang von 2,9 Prozent. "Für den September sind wir ähnlich skeptisch", sagte HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Zwar wagen die Verbände aktuell keine Prognosen, die weiter in die Zukunft reichen, dennoch wirkt die Stimmung in der Branche keineswegs hektisch oder pessimistisch, sondern eher gelassen. Das könnte auch daran liegen, dass die Nachfrage nach Bauleistungen weiter wächst, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Auftragseingang im August 8,2 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 45/2021.

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