Längere Standzeiten durch Verzögerungen von Bauprojekten

Der Gerüstbau und die Corona-Krise

Jettingen (ABZ). – Im März 2020 kam es zu den ersten Corona-Maßnahmen mit erheblichen Einschränkungen im privaten Sektor und auch in der gesamten Wirtschaft. Aufgrund der saisonalen Einflüsse auf die Verbreitung des Virus wurden bereits im Mai viele Vorschriften wieder gelockert oder ganz aufgehoben, was sich auch positiv auf das Baugewerbe auswirkte. Über den Sommer 2020 setzte sich die Erholung fort.
Gerüstbau
Im Gerüstbau entwickelten sich die Umsätze im Jahr 2021 nur wenig. Sogar während der Lockdown-Phasen erwiesen sich die Betriebe als widerstandsfähig. Foto: Blizzard Gerüstsysteme

Nach den Sommerferien nahmen die Covid-19-Erkrankungen wieder zu, und ab September galten deshalb wieder neue Einschränkungen. Die Maßnahmen verschärften sich im November, aber zur Weihnachtszeit wurden einige im Verlauf des Dezembers erneut abgeschwächt oder teilweise aufgehoben. Parallel zur Entwicklung der gesamten Bauwirtschaft ergab sich nach den Daten von Eurostat für die Tätigkeiten im Gebäude-Sektor für den Dezember 2020 im Vergleich mit dem April 2020 ein Zuwachs von 2,1 %. Von Februar bis April gingen die Aktivitäten um 4,5 % zurück, um sich im Dezember gegenüber dem Februar wegen der zwischenzeitlichen Lockerungen extrem zu verbessern, und zwar um 97,5 %.

Das Bauhauptgewerbe war insgesamt von den Entwicklungen rund um Corona nicht so betroffen wie andere Branchen und verzeichnete durch Lockerungen und Nachholeffekte zeitweise sogar enorme Steigerungsraten. Der Umsatz sank im Mai 2020 – vor den Lockerungen - zwar um 3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat, die Zahl der Beschäftigten stieg im selben Zeitraum hingegen um 0,7 %. Allerdings lohnt ein zusätzlicher Blick auf die einzelnen Sparten: Nach den vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamts (Destatis) sanken im Vergleich zum Mai 2019 die Umsätze 2020 im Hochbau um 4 %.

Der Rückgang war noch stärker bei den "Sonstigen spezialisierten Bautätigkeiten", zu denen auch der Gerüstbau gehört. Hier war bei den Aufträgen sogar ein Minus von 6,5 % zu verzeichnen. Einzelne Sektoren der Branche wurden also von der allgemeinen wirtschaftlichen Abwärtsentwicklung besonders getroffen.

Im Gerüstbau entwickelten sich die Umsätze im Jahr 2021 nur wenig. Sogar während der Lockdown-Phasen erwiesen sich die Betriebe als widerstandsfähig, trotz vieler Einschränkungen erfüllten sie weiter die Erwartungen der Kundschaft. Die Bauwirtschaft fragte die Leistungen in gewohnter Weise nach, nur der Industriegerüstbau entwickelte sich schwächer.

Eine zunächst prognostizierte Steigerung der Umsätze ergab sich nicht, weil die Impfstoffe das Corona-Geschehen nicht im erwarteten Maße zurückdrängen konnten. So blieb es, wie schon im Jahr zuvor, bei stagnierenden Betriebs-Ergebnissen. Gleiches galt für die Zahl der Beschäftigten. In einer vom Bauverband durchgeführten Befragung zeigten sich die Betriebe mit der aktuellen Lage dennoch zufrieden.

Nach Auffassung der Bundesinnung Gerüstbau sind die Mitgliedsunternehmen auch im Jahr 2022 gut durch die Krise gekommen. Die Auslastung kann in dieser Zeit als hoch bezeichnet werden, leider fehlten weiterhin Fachkräfte. Einzelne Auftragsrückgänge und Stornierungen waren allerdings zu verzeichnen. Insgesamt ging das Volumen im Gerüstbau 2022 zwar leicht zurück, verblieb jedoch auf hohem Niveau.

Infolge der Corona-Maßnahmen entfielen viele Veranstaltungen, was zu einem Anstieg digitaler Formate führte, die nicht jeder Kunde akzeptierte. Zudem sind viele Betriebe von Problemen mit den Lieferketten betroffen und den damit verbundenen Anhebungen der Preise. Das gilt besonders für den Gerüstbau, die Materialpreise sind aufgrund der höheren Forderungen im Stahlsektor erheblich angestiegen.

Außerdem ergeben sich durch die gestörten Lieferketten oftmals Planverschiebungen und Verzögerungen von Bauprojekten, somit kommt es zu verlängerten Standzeiten von Gerüsten. Das Volumen im Gerüstbau ist um etwa 1 % in 2022 zurückgegangen, der Umsatz hingegen um etwa 3 % gestiegen. Die Differenz erklärt sich mit den weitergegebenen Kostensteigerungen sowie den längeren Standzeiten der Konstruktionen.

Für die Zukunft und unter der Voraussetzung einer überstandenen Pandemie geraten nun Wohnungsbauziele und Klimawende ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Wachstum von 3 % erscheint für 2023 aufgrund der neuen Aufgaben im Herbst 2022 nicht unmöglich. Seit der Aufhebung aller Maßnahmen im Frühjahr 2023 kann mit einer Belebung der Bautätigkeit gerechnet werden. Es zeigen sich aber neue bremsende Faktoren wie die immer noch zu hohe Inflation.Der Bundesverband Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) warnt deshalb bereits vor einem Stillstand bei den kommunalen Baummaßnahmen. Darüber hinaus geben die Rahmenbedingungen wenig Anlass zur Hoffnung. Hohe Materialpreise, steigende Hypothekenzinsen und mäßige Konjunktur-Prognosen dämpfen die Erwartungen auch in der Bauwirtschaft, die allerdings einen historischen Auftragsbestand zunächst abarbeiten wird.Zudem entwickelt sich der Wohnungsbau nur zögerlich. 400.000 Wohnungen, die das Bundesbauministerium als Ziel ausgegeben hatte, sind kaum zu erreichen. Experten gehen stattdessen von 250.000 Wohneinheiten aus, die von der Bauindustrie in diesem Jahr fertiggestellt werden können.

Deutlich verbessert hat sich hingegen die Versorgung mit Baumaterial. Im Mai 2022 klagten noch 52 % der Unternehmen über Materialknappheit, im Dezember aber sahen nur noch 20 % ihre Maßnahmen durch einen Mangel an Baustoffen eingeschränkt. Zudem sind die Preise seit dem Juni 2022 rückläufig.

Sorge bereitet die Entwicklung bei den Stornierungen. Im Dezember meldeten 12 % der Betriebe Behinderungen durch Absagen, einen Auftragsmangel gab es bei 23 % der Unternehmen.

Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe stieg während des ersten Quartals 2022 um 4,1 %, während des Ukraine-Kriegs kam es vom Januar bis zum Oktober zu einem Rückgang um 7,9 %.Umso dringlicher die Forderungen des BVMB an die Kommunen, ihre Baumaßnahmen angesichts sinkender Einnahmen aus der Gewerbesteuer nicht auch noch zusammenzustreichen. Für den Gerüstbau erwartet die Bauwirtschaft 2023 einen Umsatzrückgang von 1,6 %. Zum Vergleich: In den letzten fünf Jahren verzeichnete die Branche jeweils einen Anstieg von 1,5 % pro Jahr.

ABZ-Stellenmarkt

Relevante Stellenangebote
Ingenieur/-in für den Garten- und Landschaftsbau /..., Berlin  ansehen
Stoffstrommanager (m/w/d) im Bereich Mineralik, Lehrte  ansehen
Technische Leitung (w/m/d) , Mönchengladbach  ansehen
Alle Stellenangebote ansehen

Ausgewählte Unternehmen
LLVZ - Leistungs- und Lieferverzeichnis

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de

ABZ-Redaktions-Newsletter

Freitags die aktuellen Baunachrichten direkt aus der Redaktion.

Jetzt bestellen