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Milliarden-Einsparungen werden liegen gelassen

Baubranche setzt laut Experten zu zögerlich auf BIM

München (dpa). – Das Thema BIM (Building Information Modeling) wird seit Jahren in der Bau- und Immobilienbranche heiß diskutiert. Das Tempo der Umsetzung der Bauinformationsmodellierung lasse allerdings zu wünschen übrig, meinen Fachleute. "Die Baubranche ist leider eine der verschwendungsreichsten überhaupt", sagt Axel Hoffmann, Vorstandssprecher der Münchner Nemetschek-Gruppe, ein Softwareanbieter für die Baubranche. "Geschätzt 90 Prozent aller Bauprojekte reißen die ursprüngliche geplante Zeitlinie. Es gibt Ineffizienzen in der Kommunikation, in der Planung und in der Zusammenarbeit."

Nemetschek hat als Softwarekonzern ein Eigeninteresse an der Digitalisierung des Bauwesens, doch steht Hoffmann mit seiner Einschätzung keineswegs allein da. "Man geht davon aus, dass sich mit Hilfe von BIM bis zu einem Viertel der Bauzeit einsparen lässt, und damit natürlich auch die Kosten sinken", sagt Rebekka Berbner, Fachfrau für das Bauen bei der Unternehmensberatung PwC. Allerdings ist das bislang nur eine Schätzung: "Da es sich hierbei um den Einsatz neuer Technologien handelt, gibt es noch keine verlässlichen Erfahrungswerte", ergänzt Berbner.

Der Hauptverband der Bauindustrie würde gern höheres Tempo bei den Baudigitalisierungsplänen des Bundes sehen: "Es geht schleppend voran", sagt Sprecherin Inga Stein-Barthelmes. "Wir würden uns gerne mehr Pilotprojekte wünschen, um das Thema gemeinsam voranzubringen. Wir sollten endlich mal ins Tun kommen und nicht immer nur reden." Die Vorteile der Digitalisierung im Bauwesen lägen auf der Hand: "Schon in der Planungsphase sind mehrere Parteien involviert: Architekt, Statiker, Bauingenieur, Landschaftsplaner", sagt Nemetschek-Vorstandssprecher Hoffmann. "Deswegen brauchen wir im Planungs- und Designbereich immer besser aufeinander abgestimmte Software. Das erfordert offene Standards und Schnittstellen."

Schon bei einem vergleichsweise kleinen Vorhaben könne viel schief gehen. Je größer ein Projekt, desto größer das Pannenpotenzial. "Wenn dem Bauherrn zu Beginn der Bauphase auffällt, dass er noch einen barrierefreien Zugang braucht, muss umgeplant werden", sagt Hoffmann. "Dann kann es passieren, dass die ganze Baustelle ruht. Solche Verzögerungen führen dazu, dass Bauprojekte aus dem Ruder laufen, was Kosten, zeitliche Planung und Genauigkeit betrifft." Wird sofort digital geplant, kann anhand der gleichen Daten gebaut und später das fertige Bauwerk betrieben werden.

Dessen sei sich auch die Bundesregierung bewusst. Der frühere Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat 2015 einen BIM-Stufenplan veröffentlicht, demzufolge die digitale Baumethode 2020 bei öffentlichen Verkehrsbauprojekten Standard werden sollte. Doch ebenso wie viele Bauprojekte hat sich auch der BIM-Plan verzögert. Schuld daran sei nicht nur die Politik. In der Baubranche gebe es ebenso Nachholbedarf. "Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem Potenzial der Digitalisierung, das die Unternehmen sehen, und dem, was sich bisher tatsächlich getan hat", sagt PwC-Fachfrau Berbner. "Im direkten Vergleich sind die Planer weiter in der Digitalisierung als die Bauunternehmen." Zu den Planern zählen vor allem Architekten, Statiker und Bauingenieure.

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