Norddeutsche Klinker für einzigartige Gebäude

Vandersanden optimiert Produktionsprozesse

Glückstadt (ABZ). – Die Integration des norddeutschen Ziegelwerkes Blomesche Wildnis in die Vandersanden-Familie ist abgeschlossen, nun wird die Leistungsfähigkeit der Produktion am Elbstandort Glückstadt nachhaltig gestärkt. Modernisierte technische Prozesse sollen dazu beitragen, dem Einsatz der einzigartigen Strangpress- und Wasserstrichklinker für individuelle Bauvorhaben insbesondere im Objektbereich zusätzlichen Auftrieb zu verschaffen.
Vandersanden Mauerwerksbau
Klinker aus Glückstadt erfreuen sich bei Bauherren und Architekten vor allem im Objektbereich großer Beliebtheit. Beispiel: Die neue Hauptverwaltung der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft in Hamburg. Fotos: Vandersanden

Aufgrund ihrer hohen Qualität und einer einzigartigen Farbgebung haben sich die Produkte des Ziegelwerkes Blomesche Wildnis während der vergangenen Jahrzehnte als feste Größe für anspruchsvolle Bauprojekte etabliert. Überregionale Bekanntheit erlangte der Betrieb mit den Klinker-Sortierungen "Höger" und "Fleet". Höger-Verblender sind von der Grundfarbe her Braun, entfalten durch den Brand im Tunnelofen bei hohen Temperaturen bis hin zur Sinterungsgrenze aber ein nuanciertes Farbenspiel mit zusätzlichen Anteilen von Violett, Grau und Schwarz. Die Namens- und auch die typische Farbgebung ist zugleich eine Würdigung des Architekten Fritz Höger, dessen Klinkerbauten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute das Stadtbild von Hamburg prägen. Und weil Hamburgs Stadtplaner dem Erhalt der Backsteinarchitektur einen hohen Stellenwert einräumen, erfreut sich die Höger-Sortierung auch für Neubauprojekte der Gegenwart bei Architekten und Investoren großer Beliebtheit.

Claus-Peter Hahn, Außendienstmitarbeiter Objektbetreuung Architekten bei Vandersanden erklärt: "Die ausdrucksstarke Wirkung der Höger-Verblender auf der einen Seite, orientiert sich die Farbgebung der Glückstädter Fleet-Klinker an den Fassaden der Kontor- und Lagerhäuser, wie sie entlang der Hamburger Hafenkanäle im 18. Jahrhundert errichtet wurden. Ein kräftiges und markantes Rot als Grundfarbe, entwickelt sich im Brennprozess auch an der Oberfläche der Fleet-Verblender eine abwechslungsreiche Farbgebung, sodass jeder einzelne Stein zum absoluten Unikat wird." Höger- und Fleet-Sortierungen werden im Glückstädter Ziegelwerk von Vandersanden im Strangpressverfahren hergestellt und stehen in einer großen Auswahl an Farben sowie in den Formaten NF und BDF zur Verfügung. "Über unsere beiden bekanntesten Sortierungen Fleet und Höger hinaus, umfasst unser Produktportfolio vier weitere Sorten Strangpressklinker, nämlich Kollmar, Elmshorn, Meldorf und Nordstrand. Zusätzlich bieten wir fünf Sorten Wasserstrichverblender in Klinkerqualität an, diese heißen Sommerland, Wildnis, Stade, Morsum und Steinburg", erklärt Vertriebler Hahn. "Alle Klinker stellen wir aus Marschenton her, der seit Gründung der Ziegelei im Jahre 1896 nach wie vor in der Umgebung des Werkes gewonnen wird. Heute sind wir mit unserem Betrieb die letzte noch verbliebene Ziegelei in Schleswig-Holstein. Und stolz darauf!"

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Die Vormauerziegel der Glückstädter Fleet-Sortierung verleihen diesem Hamburger Apartmenthaus einen lebendigen, individuellen und hochwertigen Charakter.

Herzstück der Produktion im Glückstädter Ziegelwerk ist der 1970 in Betrieb genommene, gasbetriebene Tunnelofen mit einer Produktionskapazität von gut fünf Millionen Vollklinkern im NF-Format 240 x 115 x 71 mm pro Jahr. Weil neben Vollsteinen aber auch Lochklinker mit geringerer Brenndauer den Ofen durchlaufen, liegt der tatsächliche Ausstoß noch um einiges höher. Bis auf eine Pause während der jährlichen Revision ist der Ofen rund um die Uhr in Betrieb, die Brennertechnik wurde über die Jahrzehnte immer wieder auf den Stand der Technik gebracht.

Um den Produktionsprozess auf allen Ebenen zu optimieren und wo immer möglich Abläufe zu automatisieren, hat Vandersanden inzwischen auch das Trocknen der Rohlinge den neuesten Standards angepasst. "In der Vergangenheit haben wir den Trocknungsprozess manuell gesteuert und uns an Erfahrungswerten orientiert, die wir im Laufe der Zeit gesammelt haben", berichtet Bettina Falkenberg, Produktionsleiterin des Ziegelwerks in Glückstadt. "Nun wird der Prozess per Software gesteuert, indem Sensoren die Feuchtigkeit in der Trocknungsanlage ermitteln und die Heißluftzufuhr fortlaufend automatisch angepasst wird. Im Ergebnis wird der Energiebedarf auf das absolut notwendige Minimum reduziert, womit wir dann auch einen Beitrag zur CO2-Reduktion leisten."

Damit nicht genug, braucht das Personal nicht länger die Instrumente im Blick zu behalten und immer wieder per Hand nachzusteuern, vielmehr kann die Anlage jetzt auch autark betrieben werden. Statt wie früher sieben Tage die Woche präsent sein zu müssen, geht die Belegschaft im Ziegelwerk Glückstadt nun freitags "ganz normal" ins Wochenende. Vorher werden aber noch zusätzliche Transportwagen mit Rohlingen bestückt, die dann automatisiert den Produktionsprozess durchlaufen. Das klingt einfacher als es ist: Je nachdem, wie groß die Anteile an Vollsteinen und Lochziegeln jeweils ausfallen, muss die Menge an bestückten Ofenwagen den unterschiedlichen Durchlaufzeiten präzise angepasst werden, damit es am Ende nicht zum Leerlauf kommt. "Am Montag haben wir dann immer ordentlich damit zu tun, den großen Berg der am Wochenende gebrannten Ziegel abzuarbeiten", so Produktionsleiterin Bettina Falkenberg.

Von der Optimierung und Modernisierung der Produktionsprozesse abgesehen, werden die im Ziegelwerk Blomesche Wildnis etablierten Herstellungsverfahren auch unter Regie von Vandersanden ohne Abstriche fortgeführt. Im Vordergrund steht das Strangpressverfahren, bei dem aus der Tonmischung mit einer Vakuumpresse ein durchgehender Tonstrang in rechteckiger Form erzeugt und anschließend den gewünschten Maßen entsprechend geschnitten wird. Strangpress-Klinker zeichnen sich durch eine gleichmäßige Form und eine glatte Oberfläche aus. Im Unterschied dazu wird der Ton zur Herstellung von Wasserstrich-Verblendern in vorgefertigte Formen, die oben und unten offen sind gefüllt, die der vorgesehenen Steingröße entsprechen, und anschließend mit Metallstempeln ausgestanzt wieder herausgelöst. Feinste Wasserstrahlen sorgen dafür, dass der Ton nicht an den Formen kleben bleibt. Dabei entsteht eine einzigartige und fein geriffelte Oberflächenstruktur, die dem Produkt ein exklusives und individuelles Erscheinungsbild verleiht. Die Herstellung von Wasserstrich-Klinkern erfordert allerdings einen höheren manuellen und damit auch personellen Aufwand als die überwiegend automatisierte Fertigung von Strangpress-Verblendern.

Rund 80 % der Gesamtproduktion an Glückstädter Klinkern entfallen auf das Strangpressverfahren. Angesichts höherer Preise werden die im Wasserstrichverfahren hergestellten Verblender vor allem von Architekten für besondere Projekte im Objektbereich oder von privaten Bauherren für exklusive Einfamilienhäuser eingesetzt.

Die Nachfrage fällt entsprechend geringer aus, was sich nach Einschätzung von Bettina Falkenberg aber durchaus ändern kann: "Unserer Erfahrung nach ist vielen Architekten und Planern gar nicht bewusst, welche gestalterischen Möglichkeiten sich mit der Verwendung von Wasserstrich-Klinkern eröffnen", so die Keramik-Ingenieurin. "Wenn wir hier von Architekten besucht werden und unsere Produkte vorstellen, erleben wir als Reaktion immer wieder eine Mischung aus Staunen und Begeisterung."

Mit dem Auf- und Ausbau von Informationsangeboten will Bettina Falkenberg dem offensichtlichen Wissensdefizit auch am Vandersanden-Standort Glückstadt begegnen. Damit Besucher sich auf dem rund fünf Hektar großen Gelände der Ziegelei sicher bewegen können, wurden bereits Fußgängerbrücken zum Überqueren von Schienenwegen angelegt. Geeignete Räumlichkeiten für Präsentationen und eine kleine Musterausstellung stehen ebenfalls bereit.

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