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Porr-CEO Karl-Heinz Strauss

"Wir setzen auf intelligentes Wachstum in Deutschland"

Karl-Heinz Strauss ist seit 2010 Vorstandsvorsitzender des österreichischen Baukonzerns Porr.

Die Porr AG wächst und wächst. Allein im Geschäftsjahr 2017 hat der österreichische Baukonzern seine Produktionsleistung um 20 % erhöht. Ein immer größerer Teil davon entfällt auf Deutschland, dem zweitgrößten Markt für die Unternehmensgruppe. Im Interview mit ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann sprach Karl-Heinz Strauss, CEO der Porr AG, in München über intelligente Wachstumsstrategien und andere Herausforderungen für die Bauindustrie.

ABZ: Herr Strauss, die europäische Bauwirtschaft befindet sich seit einigen Jahren im kontinuierlichen Aufwärtstrend. Wie beurteilen Sie die aktuelle Geschäftslage für Ihr Unternehmen?

Strauss: Wir bewerten die aktuelle Geschäftslage insgesamt als sehr positiv. Dennoch beobachten wir die Entwicklung sehr wachsam. Wir glauben, dass wir uns aktuell an einem Peak befinden, an dem die Situation etwas überhitzt ist. Insbesondere im Hoch- und Tiefbau sind viele Aufträge vorhanden, es fehlt jedoch an geeignetem Personal – sowohl beim Nachwuchs in den Bauunternehmen selbst als auch bei den Subunternehmen. Dieser Umstand erweist sich aus meiner Sicht aktuell als Bremsklotz für die gesamte Branche.

Anders sieht es im Infrastrukturbau aus. Der Bundesverkehrswegeplan sieht für die kommenden zehn bis 15 Jahre enorme Anstrengungen zur Erneuerung von Straßen, Schiene und Wasserstraßen vor, für die zugleich auch ausreichend Budgetmittel zur Verfügung gestellt werden. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem mehr und mehr ausschreibungsreife Projekte auf den Markt kommen, und diese Phase wird meiner Meinung nach auch unabhängig von der allgemeinen konjunkturellen Abschwächung noch die nächsten Jahre boomen.

Im Hochbau haben wir den Zenit aus meiner Sicht bereits überschritten. Hier wird es eine leichte Abschwächung geben. Das jedoch nicht aufgrund der Nachfrage, sondern weil bezahlbares Wohnen immer schwieriger darstellbar ist. Sollte es hier zusätzlich noch zu einer Zinserhöhung kommen, die aktuell noch nicht absehbar ist, dann wird die Bauleistung in diesem Bereich in der Zukunft wieder sinken.

ABZ: Welche Bedeutung hat der deutsche Markt für den europäischen Infrastrukturspezialisten Porr?

Strauss: Deutschland ist für uns der zweitgrößte Markt. Wir sind in Deutschland bereits in vielen Bereichen tätig: im Hochbau, Ingenieurbau, Verkehrswegebau sowie im Spezialtiefbau und im Sanierungsbereich. Hinzu kommen der Porr Industriebau oder Firmen wie die BBGS, die sich auf bestimmte Nischen im Hochbau, wie das Facility Management, spezialisiert haben. Auf dieser Basis erwirtschaftet die Porr in Deutschland aktuell rd. 1,25 Mrd. Euro Umsatz. Das entspricht unserer ursprünglichen Zielsetzung und auf diesem Niveau werden wir nun konsolidieren. Wir haben darüber hinaus noch einige Bereiche, mit denen wir Schritt für Schritt in Deutschland starten und wir werden auch weiterhin intelligent in diesem Markt wachsen.

ABZ: Die Porr hat ihr Deutschlandgeschäft jüngst grundlegend umgebaut. Welche Maßnahmen wurden vorgenommen und welche Zielsetzung steht dahinter?

Strauss: Für uns gilt ganz klar: Ertrag vor Umsatz. Durch unser schnelles Wachstum haben wir in der Vergangenheit nicht immer zu den glücklichsten Baustellen gegriffen. Zudem haben wir die Größe Deutschlands zu Beginn ein wenig unterschätzt. Wir mussten u. a. lernen, dass man bspw. nicht so einfach jederzeit von München nach Hamburg fahren kann, wie wir uns das vorgestellt haben. Darauf haben wir jedoch 2017 richtig reagiert, indem wir unsere ganzen Hochbauaktivitäten in regionale Einheiten gegliedert haben. D. h.: regionales Management, regionale Kunden, regionale Subunternehmer – sprich: ein gutes Netzwerk!

Im Ergebnis haben wir jetzt eine Region Süd, eine Region Ost sowie eine Region Nord mit Sitz in Hamburg. Unsere Hochbauaktivitäten in Frankfurt und Düsseldorf haben wir zudem in unser Tochterunternehmen Oevermann eingebracht, das neben seinen Hochbauaktivitäten im Raum Münster-Osnabrück nun auch das Rhein-Main-Gebiet abdeckt.

Im Verkehrswegebau agieren wir im bayerischen Raum aus Österreich, genauer gesagt aus Salzburg und Tirol, heraus. Hier werden wir uns in Zukunft noch weiter verstärken. Im Norden und in Mitteldeutschland agieren wir ebenfalls unter der Marke Oevermann. Mit den Firmen Franki und Stump sind wir zudem in ganz Deutschland im Spezialtiefbau ebenso mit unserem Industriebau.

Alles in allem setzen wir voll und ganz auf regionale Netzwerke und Strukturen.

Ein weiteres Bauvorhaben, an dem Porr derzeit in Deutschland arbeitet, sind die "Bavaria Towers", ein neuer Hochhauskomplex in München, der aus drei Bürotürmen und einem Hotelturm bestehen wird.

ABZ: Sie sprachen vom Fachkräftemangel als Bremsklotz der Bauindustrie. Wie wirkt sich dieser auf Ihr Unternehmen aus und wie geht die Porr damit um?

Strauss: Der Fachkräftemangel erschwert für Unternehmen wie die Porr zunehmend die Zusammenarbeit mit Subunternehmern. Dass wir dem vielleicht etwas gelassener gegenüber stehen, liegt daran, dass wir als Baufirma großen Wert darauf legen, möglichst viel selbst zu bauen. Durch unser breites Dienstleistungsportfolio können wir viele Maßnahmen aus einer Hand abdecken. Da, wo wir das nicht können, setzen wir wiederum auf langfristige Kooperationspartner.

Andererseits müssen wir uns natürlich fragen, wo wir heute und in Zukunft geschulte Mitarbeiter herbekommen. Aus diesem Grund haben wir schon vor langer Zeit eine Porr Akademie aufgebaut, wo wir vom Lehrling bis zum Bauleiter selber schulen. Aktuell investieren wir über 5 Mio. Euro in einen Ausbildungscampus in Wien, wo wir gewerbliches Personal jeden Alters zusätzlich zur normalen Ausbildung noch einmal in Spezialbereichen – neue Techniken, EDV etc. – schulen können. Ein vergleichbares Programm gibt es ebenfalls bereits in Polen. Demnächst werden wir die Porr Akademie zudem nach Rumänien und schließlich auch nach Deutschland ausrollen.

In unserer Akademie in Polen haben wir bereits über 500 Menschen ausgebildet, die heute in Deutschland arbeiten. Durch Ansätze wie diese können wir etwas besser mit den derzeitigen Personalengpässen umgehen. Das alles ändert jedoch nichts an der generellen Problematik, die für die Bauindustrie zunehmend schwerer wiegt.

ABZ: Was sind die Gründe für diesen Mangel?

Strauss: Zum einen glaube ich, dass die Ausbildung bzw. das Studium im Bauwesen nicht einfach ist und zudem stark Männer-dominiert. Zum anderen bringt die Arbeit auf dem Bau ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich: wechselnde Einsatzorte, körperlich anspruchsvolle Arbeiten in der Regel unter freiem Himmel etc. Hier spielt eine Vielzahl an Faktoren hinein.

Zugleich war es für die Porr noch nie so leicht, Mitarbeitende zu finden. Leicht deshalb, weil die Porr eine sehr gute Arbeitgeberin ist. Wir haben u. a. eigene Versicherungen für unsere Mitarbeitenden, Gesundheitsvorsorge, wir sorgen für eine spezielle Förderung des Nachwuchses, wir haben zahlreiche Frauenförderprogramme und nicht zuletzt kümmern wir uns stark um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Ein Thema, dass uns ebenfalls hilft, ist die Digitalisierung. Durch sie wird das Arbeitsfeld Bau wieder zunehmend attraktiv für junge Menschen. Bei der Porr wird mittlerweile alles im BIM-Standard geplant. Hierfür halten wir eigene Planungskapazitäten vor, die sich von der Statik und Architektur über die Ausführungsplanung bis hin zur Haustechnik um alles kümmern, was geplant werden muss.Vieles findet heute in einer digitalen Welt statt. Auf der anderen Seite steht die reale Welt, in der man am Bau sehr genau sehen kann, was man tut. Daraus lässt sich wiederum eine große Befriedigung erzielen. Bauen ist und bleibt ein lokales Geschäft, für das der Mensch auch in Zukunft unerlässlich ist.

Unsere ganzen Digitalisierungsschritte finden deshalb nicht losgelöst, sondern um den Mitarbeiter herum statt. Hier geht es v. a. darum, Menschen miteinander zu vernetzen; Informationen in Echtzeit miteinander zu teilen und so richtige Entscheidungen zu treffen.

Ein aktuelles Großprojekt von Porr in Deutschland ist der Bau des neuen Zalando Headquarter in Berlin.

ABZ: Die Digitalisierung wird nicht überall mit offenen Armen begrüßt. Vor allem kleinere Unternehmen scheinen sich schwer damit zu tun, in potenziell noch nicht ausgereifte Tools und Technologien zu investieren. Wie gut ist die Bauindustrie aus Ihrer Sicht auf BIM und Co. eingestellt?

Strauss: Ich glaube, hier hat sich zuletzt viel getan. Entscheidend für die Bereitschaft zur Digitalisierung ist aus meiner Sicht auch nicht die Größe eines Unternehmens. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob ich als Unternehmen zu den Pionieren gehören möchte und dabei auch die eine oder andere Fehlentwicklung mitnehme. Bei der Porr beschäftigen wir uns schon seit 2011 sehr intensiv mit Themen wie BIM. Unsere Porr Design und Engineering plant mittlerweile ausschließlich im BIM Standard. Allerdings: BIM ist kein Allheilmittel. Vom Konzept her ist BIM vielmehr ein gemeinsamer Standard, der quer über die Baubranche hinweg ein System bietet, indem dieselben Informationen für alle Beteiligten jederzeit verfügbar sind. Das ist aus unserer Sicht eine sehr lohnenswerte Sache, bei der wir als größeres Bauunternehmen gerne ganz vorne dabei sein möchten. Dabei nehmen wir auch Rückschläge in Kauf. Wenn wir alles zu Tode diskutieren, kommt am Ende nichts dabei heraus.

Im Hochbau sind wir bereits sehr weit. Hier arbeiten wir bereits an 5D-Standard, bei dem auch die Terminplanung und die Ausführungsqualität im BIM-Modell erfasst werden. Bei allem anderen ist für uns der 3D-Standard das Minimum.

Ein großer Vorteil in Deutschland ist, dass die öffentliche Hand beschlossen hat, alle Ausschreibungen in Zukunft im BIM-Standard zu halten. Das halte ich für einen richtigen Schritt. Nur so kann man letztlich erzwingen, dass aus BIM ein Standard wird, der für alle gilt. In Österreich ist das nicht der Fall. Folglich sparen Auftraggeber beim Thema BIM noch oft.

Ein Vorteil in Österreich ist hingegen die Asfinag – eine zentrale Behörde, die das Hochleistungsstraßennetz im Land zentral verwaltet und für einheitliche Standards in den Ländern sorgt. Derartiges gibt es in Deutschland bislang nur in Ansätzen, wäre jedoch im großen Maßstab wünschenswert.

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