Construction Equipment Forum 2018

Quo vadis, Baumaschinenindustrie?

von: Robert Bachmann

Hannover. – Am 9. und 10. Oktober trafen sich führende Vertreter der Bau- und Baumaschinenindustrie auf dem Construction Equipment Forum (CEF) 2018 in Hannover. Unter dem Leitthema "Baumaschinen der Zukunft" diskutierten die Teilnehmer die aktuellen Brennpunkt-Themen der Branche. Auch die ABZ war vor Ort und hat sich einen Eindruck verschafft, wie es um die "Innovationsagenda 2025" bestellt ist. Die diesjährige Ausgabe des CEF im Maritim Airport Hotel Hannover war gleichsam die erste. Initiiert wurde das Format von der Wacker Neuson Gruppe, der Ammann Gruppe und der Robert Bosch GmbH. Ausgerichtet wurde die Konferenz von der in Hannover ansässigen IPM AG – Institut für Produktionsmanagement. Rd. 300 Teilnehmer waren zur Premiere des CEF gekommen. Mehr als 30 Referenten widmeten sich in insgesamt 13 Vorträgen, vier Workshops und einer Podiumsdiskussion den aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im Baumaschinenbereich. Im Fokus standen dabei die Themen alternative Antriebe, Automatisierung, Digitalisierung der Baustelle und der zunehmende Wettbewerbsdruck für europäische Bauunternehmen und Baumaschinenhersteller.In seiner Eröffnungsrede stellte Prof. Dr. Johannes Walther, Vorstandsvorsitzender der IPM AG, die wesentlichen und nicht immer widerspruchsfreien Fragestellungen vor, denen sich die Branche gegenüber sieht: Wann stößt der Verbrennungsmotor endgültig an seine Grenzen? Wie weit sind wir tatsächlich noch von autonomen Baumaschinen entfernt? Wann, wo und in welchem Umfang ist Digitalisierung am Bau sinnvoll? Und: Wie schaffen es Unternehmen vor dem Hintergrund des zunehmenden Wettbewerbs auf dem Weltmarkt, gleichzeitig ihr Kerngeschäft zu sichern und neue Märkte zu erschließen?Als Vertreter der Anwenderseite gab Ralf Lüddemann, Vorsitzender des Geräteausschusses im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und kaufmännischer Leiter bei der Leonhard Weiss GmbH & Co. KG, in seinem Eröffnungsvortrag eine ebenso simple wie einleuchtende Antwort auf die Frage nach einer erfolgreichen Digitalisierung. Seine Forderung: "Beginnen wir endlich mit der herstellerübergreifenden Standardisierung . . . sonst ist echte Digitalisierung auf unseren Baustellen unmöglich!" Sowohl bei den Schnittstellen selbst als auch bei den Daten sei die Industrie auf einheitliche Standards angewiesen, so Lüddemann. Eine Basis sei zwar vorhanden, diese gelte es jedoch noch wesentlich auszubauen und letztlich auch anzuwenden. Die Bauindustrie sei bereit, diesen Prozess mitzugestalten.

Kooperation

Wie wichtig einheitliche Standards und Kooperation in einem zunehmend digitalisierten Bauwesen sind, hoben auch Werner Zenz, Geschäftsführer der Porr Equipment Services GmbH, und Frank Dahlhoff, General Manager bei der Sitech Deutschland GmbH, hervor. Um bspw. gemischte Maschinenflotten erfolgreich zu vernetzen, sei ein einheitliches Flottenmanagementsystem, wie es dieses im Nutzfahrzeugsektor seit Jahren gäbe, unbedingt erforderlich, erklärte Zenz. Die digitalisierte Baustelle könne europäischen Firmen unter den richtigen Voraussetzungen klare Wettbewerbsvorteile bieten, zeigte sich auch Dahlhoff überzeugt. Die Digitalisierung erfordere von den Unternehmen jedoch einen Kulturwandel sowie eine gewisse Risikobereitschaft.Ein Thema, das die Industrie aktuell besonders umtreibt, ist die Abkehr vom klassischen Dieselantrieb. Bei der Wacker Neuson Group beschäftigt man sich bereits seit einigen Jahren insbesondere mit der Elektrifizierung des eigenen Produktangebots, erklärte Martin Lehner, CEO, Wacker Neuson SE. Für den Baumaschinenhersteller sei das Konzept aufgegangen: "Elektroantriebe bei Baumaschinen werden längst nicht mehr belächelt", sagte Lehner. Wichtig und eines der Kernkriterien in der Entwicklungsarbeit bei Wacker Neuson sei es, dass eine elektrisch betriebene Maschine für den Kunden mit keinerlei Einbußen verbunden sei – weder in der Leistung, noch in puncto Wirtschaftlichkeit. Das könne man mit dem eigenen Produktportfolio im Kompaktmaschinen- und Gerätesegment einlösen, erklärte Lehner. Gleichsam merkte er an, dass man in den großen Leistungsbereichen noch weit von einer sinnvoll umsetzbaren Elektrifizierung entfernt sei.

Alternative Antriebe

Auch Klaus Graner, Geschäftsführer der Liebherr-Components Biberach GmbH, beschäftigt sich tagtäglich mit alternativen Antriebskonzepten. Auch im Großmaschinenbereich müsse man sich frühzeitig mit der langfristigen Abkehr vom klassischen Verbrennungsmotor auseinandersetzen, erklärte er in seinem Vortrag. Gerade für einen derart breit aufgestellten Baumaschinenhersteller, der Maschinen in nahezu allen Leistungsklassen anbietet, sei die Frage nach der Implementierung alternativer Antriebstechnologien mit weitreichenden Konsequenzen in der Entwicklung und Produktion verbunden. Setzt man nun auf Hybrid oder Vollelektrisch? Welche Komponenten werden dafür gebraucht? Wie lange kann und möchte man parallel noch klassische Motoren produzieren? Rechnet sich eine elektrisch betriebene Maschine eigentlich für den Kunden? Mit all diesen Fragen habe man sich bei Liebherr auseinandergesetzt. Klar sei, dass die Kosten für eine elektrisch betriebene Baumaschine nach wie vor sehr hoch seien. Die Frage der Wirtschaftlichkeit sei jedoch nur sekundär, so Graner. Denn, dass die Wende in der Antriebsfrage komme, stehe fest. Jetzt komme es darauf an, sich rechtzeitig vorzubereiten.

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Für Dr. Markus Schwaderlapp, Leiter des Forschungs- und Entwicklungsbereichs der Deutz AG, steht fest: "Für uns gibt es kein Entweder-oder, sondern nur ein Sowohl-als-auch." Bei dem Motorenhersteller ist man sich sicher, dass der Weg in eine CO2-freie Zukunft nur über einen pluralistischen Antriebsmix führe. Dabei sei der Elektroantrieb nicht die einzige Alternative zum klassischen Verbrennungsmotor. Auch die Entwicklung von Gas- und Wasserstoffantrieben müsse konsequent weiterverfolgt werden. Wichtig sei, "jeden möglichen Hebel zu betätigen, um CO2 zu vermeiden", so Schwaderlapp.Wesentlich kritischer zeigten sich die Konferenzteilnehmer bei der Frage nach der Automatisierung der Baustelle. Oft werde dabei auf die Automobilindustrie oder die Landwirtschaft verwiesen, jedoch könnten diese Vorbilder nicht ohne Weiteres auf die Baustelle übertragen werden, wie u.a. Anton Demarmels, Head of Technology Management bei Ammann, erklärte. Unbestritten habe die Autonomisierung von Arbeitsmaschinen klare Vorteile. Die Baustelle bringe im Gegensatz bspw. zur Straße jedoch deutlich komplexere Rahmenbedingungen mit sich, welche die Automatisierung erheblich erschweren. Allein die Beherrschung der anfallenden Datenmengen – Stichwort Big Data – sei ein nicht zu verachtendes Problem, ergänzte Roberto Ferrari, Director Service, Operations, Sales & Marketing bei TTControl Hydac International. Auch er geht nicht von einer baldigen Autonomisierung der Baustelle aus, sieht jedoch in der Vernetzung großes Potenzial. Voraussetzung dafür seien Kollaboration und Kommunikation in Echtzeit. Hierfür gelte es, die entsprechende Infrastruktur zu schaffen.Eine Frage, die laut Demarmels eine autonome Maschine in keinem Fall beantworten kann, sei die nach dem Preis, den der Kunde am Ende bereit ist, dafür zu bezahlen. "Autonomie ist ein fernes Ziel", so Demarmels. Die unmittelbare Zukunft liegt ihm zufolge in intelligenten, vernetzten sowie teilautomatisierten Maschinen. Neben allen Zukunftstechnologien sieht sich die Branche auch einem zunehmenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Insbesondere aus Asien drängen neue Wettbewerber mit Tiefpreis-Angeboten auf den Markt, wie Robert Schullan, CSO bei Hawe Hydraulik, in seinem Vortrag ausführte. Aus Sicht von Schullan liegen die richtigen Antworten darauf in einer max. Kundennähe, dem besseren Verständnis der lokalen Märkte, aber auch einer Flexibilisierung des eigenen Angebots. Insbesondere in Deutschland herrsche ein "High-End-Mindset", dass es zu verlassen gelte. Low-Cost alleine entspreche nicht den Marktanforderungen, so Schullan. Jedoch müssten Unternehmen ihren Kunden auch im mittleren Preis-Segment etwas anbieten. Auch René Gudjons, Geschäftsführer Produktion, Bauer Maschinen GmbH, wusste zu berichten, dass es kein allgemeingültiges Rezept gebe, um in dem sich verändernden Wettbewerb zu bestehen. Das Umfeld biete jedoch nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Gudjons: "Produkte, Märkte und Organisationen müssen gestaltet werden." Dafür brauche es jedoch eine Bereitschaft für Veränderung und eine Organisation, die diese ganzheitlich und geschlossen angehe.Mit der Premiere des CEF in Hannover können die Veranstalter durchaus zufrieden sein. Sowohl die inhaltliche Ausrichtung als auch der gelungene Teilnehmermix stießen bei den anwesenden Branchenexperten auf große Zustimmung. "Den Organisatoren des Events ist es gelungen, Vertreter der gesamten Wertschöpfungskette nach Hannover zu bringen. Wir haben die Bauunternehmen, OEMs und unsere Zulieferer vor Ort - und das gibt es bisher nicht", sagte Anton Demarmels, Corporate Technology Manager, Ammann Group AG. Auch Martin Lehner betonte: "In der neuen digitalen Welt ist Kooperation ein ganz wichtiger Punkt. Dafür bietet das Event die richtige Basis, um sich mit Lieferanten und Kunden zu vernetzen und ein gemeinsames digitales Ökosystem zu entwickeln." Dem konnte sich auch Dr. Markus Schwaderlapp, Senior Vice President Entwicklung, Deutz AG, vorbehaltlos anschließen: "Die Teilnehmerliste des Events beinhaltet sehr viele wichtige Player des Marktes. Ich halte den Austausch über die angesprochenen Zukunftsthemen für extrem wichtig. Wir werden diese im kleinen Kreis nach dem Event fortführen."Bereits im kommenden Jahr geht das Construction Equipment Forum in die nächste Runde. Am 26. und 27. November 2019 wird die Konferenz dann in der Messe Mannheim zu Gast sein.

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