Die bauma 2022 im Blick

Wir sind für unsere Kunden da

Layher-Geschäftsführer Wolf Christian Behrbohm erklärt im Interview mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga, wie sich die Pandemie, Lieferkettenprobleme und die Ukraine-Krise auf die Geschäftstätigkeit von Layher ausgewirkt haben.
Layher Gerüstbau
Layher-Geschäftsführer Wolf Christian Behrbohm. Foto: Layher

ABZ: Herr Behrbohm, inwieweit hat die Pandemie das Geschäft von Layher im letzten Jahr beeinflusst?

Behrbohm: Hier müssen wir die die Situation etwas differenzierter betrachten, da unsere Gerüste in verschiedensten Branchen zum Einsatz kommen. Einerseits auf Baustellen und anderseits im industriellen Gerüstbau sowie in der Veranstaltungsbranche. Im Bereich Hochbau gab es durch die Corona-Pandemie so gut wie keine Nachfrageeinbrüche. Die Baustellen liefen weiter und die Nachfrage bei Layher war weiterhin auf hohem Niveau. Im industriellen Gerüstbau, also etwa im Energiesektor oder in der chemischen Industrie, gab es im März zu Beginn der Pandemie eine Verzögerung, weil Investitions- und Wartungsvorhaben zunächst einmal konsequent auf Eis gelegt worden sind. Das hatte dann natürlich Auswirkungen auf Kunden, die in diesem Bereich tätig waren. Da aber Anlagen regelmäßig gewartet werden müssen, erholte sich dieses Segment schnell wieder. Starke Rückgänge gab es nur im Bereich der Kunden in der Veranstaltungsbranche. Das war für viele dort tätige Unternehmen eine sehr, sehr schwierige Zeit, aber da sehen wir jetzt auch Nachholeffekte.

ABZ: Globale Lieferkettenprobleme machen Herstellern zu schaffen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs beeinflussen neue Faktoren das Marktgeschehen. Für viele Unternehmen ist entscheidend, ob Abhängigkeiten zu Lieferanten aus den Krisenregionen bestehen. Inwieweit betrifft das die Produktion bei Layher?

Behrbohm: Der Krieg in der Ukraine geht natürlich nicht spurlos an uns vorbei. Das hat Auswirkungen auf die Lieferketten. Da das Thema Lieferfähigkeit für unsere Kunden und damit auch für uns zu den Kernkompetenzen gehört, gehen wir beim Rohstoffeinkauf schon immer sehr strategisch und vorausschauend vor. So arbeiten wir beispielsweise bei uns wichtigen Produktgruppen mit mehreren Lieferanten zusammen, mit denen wir über viele Jahre sehr partnerschaftlich verbunden sind – das hilft in einer solchen Situation. Wir setzen in unserer Beschaffung im Wesentlichen auf Erzeuger in Deutschland und Europa – und sind dementsprechend weniger von globalen Lieferkettenproblemen betroffen. Trotzdem gibt es natürlich Herausforderungen bei Transportkapazitäten aufgrund des Fahrermangels in der Branche. Sicherlich fehlen im Markt auch einfach Mengen an Stahl und das hat möglicherweise später als Kettenreaktion Auswirkungen. Stand heute kann ich aber sagen, dass wir gut versorgt sind und bedarfsgerecht produzieren können. Was wir jedoch deutlich spüren, sind die starken Preissteigerungen bei Rohstoffen.

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Layher Gerüstbau
Prof. Dr. Jörg Steinbach (Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, l.) und Cemex-CEO Fernando A. González weihen feierlich die Carbon Neutral Alliance im Cemex-Zementwerk in Rüdersdorf bei Berlin ein. Foto: Cemex Deutschland/Roland Horn

ABZ: Bedeutet das, dass Ihr Unternehmen in einem oder zwei Jahren von Zulieferproblemen betroffen sein könnte?

Behrbohm: Nein, das würde ich so nicht sagen. Wenn Probleme in der Beschaffung auftreten könnten, wäre das schon passiert – und wir hätten längst reagiert. Stand heute haben wir unsere Beschaffung so organisiert, dass alles gut funktioniert. Wir sind mit Rohmaterialien gut ausgestattet und halten zudem hohe Lagerbestände an Fertigprodukten für unsere Kunden vor. Schon allein aus der Notwendigkeit heraus, bei Aufträgen sofort reagieren zu können – für unsere Kunden ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

ABZ: Sie müssen die Preiserhöhungen in der Beschaffung aber an Ihre Kunden weitergeben?

Behrbohm: Wir versuchen da sehr moderat mit der Herausforderung umzugehen und nur das Notwendigste umzusetzen. Aber wir sprechen hier in der Beschaffungsseite nicht über ein paar Prozent mehr oder weniger, sondern von Verdoppelungen oder gar Vervielfachungen vom Preisniveau bei Rohstoffen im Vergleich zu zwei Jahren vorher. Und das müssen wir mit in unsere Preise einarbeiten. Bei unseren Kunden stößt es bisher in der Regel auf Verständnis, dass sich die Preisentwicklung der Rohstoffe auch auf die Gerüstbeschaffung auswirkt. Wir wissen aber auch, dass Großkunden und deren Kunden häufig längerfristig preislich gebunden sind und dass es in Einzelfällen schwierig ist, erhöhte Preise durchzusetzen. Hier hilft es aber vielen Kunden, dass sie über hohe Materialbestände verfügen und nur Ergänzungen für Projekte vorgenommen werden müssen. Insofern lassen sich Preiserhöhungen etwas abfedern.

ABZ: Verbände sprechen wegen anhaltender Lieferkettenprobleme und Preiserhöhungen von möglicher Investitionszurückhaltung oder sogar Auftragsstopps auf Kundenseite. Wie äußert sich das bei Ihren Kunden?

Behrbohm: Also da ist bisher die ganze Bandbreite möglicher Reaktionen abzulesen. Die Mehrzahl der Projekte läuft weiter, unsere Kunden sind gut ausgelastet. Was ihnen Probleme bereitet, sind aber weniger die gestiegenen Materialkosten, sondern Faktoren wie Personalkosten und die Verfügbarkeit von Personal und Material. Das sind die wesentlichen Themen, wo Unternehmen jetzt der Schuh drückt. Wenn Baustellen beispielsweise nun verschoben werden oder länger laufen als geplant, dann ist auch das Gerüstmaterial auf dieser Baustelle länger gebunden als von unserem Kunden im Voraus eingeplant. Und dann fehlt es möglicherweise auf der nächsten Baustelle und es muss in neues Material investiert werden. Bei neuen Projekten tun sich unsere Kunden zudem schwer, Preise zu kalkulieren und Preise abzugeben. Denn die aktuellen Preissteigerungen und -schwankungen lassen sich längerfristig nur schwer verlässlich kalkulieren.

ABZ: Die neue Regierung misst dem Klimaschutz sehr hohe Bedeutung bei. Wie geht Ihr Unternehmen mit den Themen Dekarbonisierung und Emissionsminderung um?

Behrbohm: Als Familienunternehmen achten wir schon seit jeher auf den sparsamen Umgang mit Arbeitsmitteln. Ressourcenschonendes Wirtschaften ist Teil unserer Unternehmensphilosophie und wir tun einiges – nicht nur aufgrund aktueller politischer Entwicklungen. Sondern einfach, weil wir schon immer ressourcenschonend arbeiten, wo es möglich ist. Nachhaltigkeit in seiner ganzen Bedeutung wird bei Layher gelebt und wir haben viele Beispiele für Umsetzungen in diesem Bereich. Etwa durch Einführung eines Energiemanagement-Systems – aber auch durch unsere Lightweight-Philosophie mit leichten Bauteilen, mit denen unsere Kunden Transportkapazitäten besser ausnützen können. Bis zu 15 Prozent weniger Transportgewicht sorgen direkt für eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes – bei jedem Auftrag. Ein wesentlicher Faktor ist auch der Ansatz des integrierten Systems im Rahmen unserer Produktpolitik – mit dem Ergebnis, dass unsere Systeme eine lange Lebensdauer besitzen und zum Schluss einfach wieder im Recyclingkreislauf enden können. Das sind aber kontinuierliche Prozesse, die wir immer wieder mit Maßnahmen ergänzen.

ABZ: Ein Blick zur bauma im Herbst. Was sind aus der Sicht von Layher die wichtigsten Themen der bauma 2022?

Behrbohm: Zuerst einmal möchte ich sagen, dass wir uns schon sehr auf die bauma und das Wiedersehen mit unseren Kunden freuen. Die bauma bietet uns alle drei Jahre die Chance für einen intensiven Austausch mit Kunden aus verschiedenen Branchen und verschiedenen Regionen. Gleichzeitig möchten sich unsere Kunden auf der bauma von der Innovationsstärke von Layher überzeugen. Das betrifft Produkt und Service gleichermaßen. Eines unserer Highlights haben wir kürzlich – wie zum ursprünglichen bauma-Termin geplant – schon vorgestellt: den TwixBeam. Es handelt sich dabei um einen hochtragfähigen Aluminium-Träger, der sich für die verschiedensten Anforderungen wirtschaftlich einsetzen lässt. Egal ob im klassischen Gerüstbau, zum Beispiel als Abfangträger, oder als Systemjochträger im Traggerüstbau. Und die Resonanz ist bislang überaus positiv – ein schlauer Träger eben. Kunden und Interessenten dürfen auf jeden Fall gespannt sein.

ABZ: Noch ein kurzer Rückblick. In der zurückliegenden Zeit war es ja kaum möglich, Veranstaltungen abzuhalten. Layher hat deshalb das neue Online-Veranstaltungsformat Layher.Live eingeführt. Wie wurde das Format angenommen?

Behrbohm: Die Branchenplattform Layher.Live verbindet bewährte Bausteine wie Vorträge zu Branchenthemen und den Austausch mit Branchenkollegen mit neuen Wegen der Informationsvermittlung. Unsere Zuschauer zeigten sich begeistert, was die Referenten und Podiumsteilnehmer anbelangt. Und obwohl es eine reine Online-Veranstaltung war, boten wir sehr viel Raum für Interaktivität mit den Zuschauern. Sie konnten Fragen stellen und in die Diskussion eingreifen. Das wurde auch rege genutzt. Wir haben die Branchenplattform Layher.Live als eigenständige Veranstaltung konzipiert, nicht aus der Not der Corona-Situation heraus, sondern als Ergänzung zu unserem Angebot für Unternehmer, Geschäftsführer und Entscheider. Wir wollen dort Branchenthemen aufgreifen, die wirklich wichtig sind für unsere Kunden. Das Thema Veränderungen, Veränderungsbereitschaft, Umsetzung von Veränderungen ist auch ein solches essentielles Thema, das jeder Unternehmer in seinem Unternehmen jeden Tag mehr oder weniger stark ausgeprägt als Aufgabe vorfindet.

Und da wollen wir einfach Impulse setzen und dazu beitragen, dass man sich Zeit nimmt, sich mit diesen Themen zu befassen. Weil sie einfach wichtig sind für den Erfolg eines jeden Unternehmens.

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