Maßgeschneiderte Umsetzung

Semi-mobile Recyclingtechnik überzeugt bei Bauunternehmen Jost

Weilmünster (ABZ). – Im Zuge der großangelegten Erneuerung seiner Naturstein- und Asphaltsparte entschied sich das mittelhessische Bauunternehmen Wilhelm Jost GmbH & Co. KG für eine versetzbare Recycling-Anlage von SBM Mineral Processing (SBM). Die 200-Tonnen-pro-Stunde-Anlage mit Brech- und Siebstufe liefert zertifizierte End- und Zwischenprodukte und überzeugt durch wartungsfreundlichen und wirtschaftlichen Betrieb, teilt der Hersteller mit.
SBM Sieb- und Brechanlagen Abbruch
Die Vorabsiebung trägt den Feinanteil 0/20 auf Halde oder als Brecher-Bypass aus. Foto: SBM Mineral Processing

Die Ursprünge der Wilhelm Jost GmbH & Co. KG in Weilmünster bei Wetzlar gehen auf den 1904 gegründeten Pflasterbetrieb von Wilhelm Jost zurück. Und noch heute – gut vier Generationen später – ist der Straßen- Tief- und Kanalbau das Haupttätigkeitsfeld des rund 150 Mitarbeiter starken Unternehmens unter der gemeinsamen Geschäftsführung von Werner und Bernd Jost. Mit Inbetriebnahme der ersten Asphaltmischanlage im Diabas-Steinbruch Braunfels-Philippstein Anfang der 60er Jahre und der Übernahme des nahegelegenen Abbaubetriebes Altenkirchen 1973 engagierte sich das Unternehmen auch frühzeitig im Gewinnungsbereich und gewährleistet heute nicht nur die Versorgung der eigenen Baustellen im Radius von rund 60 km mit hochwertigen Roh- und Straßenbaustoffen.

Durch die fortlaufende Modernisierung der Aufbereitungsanlagen und die frühzeitigen Einbindung von Recyclingtechnologien für Betonrestmassen und Ausbauasphalt diversifizierten die Verantwortlichen das Angebot qualifizierter Rohstoffe – so etwa Edelsplitte und Edelsande – und schufen wichtige Kapazitäten für die Stoffkreisläufe in der Region. Heute verarbeitet das Diabas-Werk Altenkirchen nach Angaben des Unternehmens 900.000 bis 1 Millionen Tonnen Gestein pro Jahr – davon aktuell mehr als 50 % Edelsplitt-Anteil. Die Asphaltproduktion erreicht rund 120.000 t pro Jahr, etwa 60 % davon werden durch eigene Teams eingebaut. Die zu gütegeprüften Recycling-Baustoffen verarbeiteten Wertstoff-Mengen liegen bei etwa 70.000 t Betonaufbruch und Bauschutt sowie rund 35.000 t Ausbau-Asphalt pro Jahr. Dieser wird mithilfe von Paralleltrommel-Ausrüstung in hochwertigem Mischgut mit teilweise mehr als 50 % RC-Anteil wiederverwertet.

Auch die vergangenen drei Jahre waren von umfassenden Investitionen in die Anlagentechnik geprägt. Nach einer grundlegenden Modernisierung der Edelsplittlinie im Diabas-Werk Altenkirchen, gefolgt von der qualitativen Aufwertung der Sandproduktion durch Installation einer Brechsand-Entfüllerung, wurde jüngst die Erneuerung des Asphaltmischwerks Philippstein mit einer Kapazitätssteigerung auf nun 320 t/h abgeschlossen. Im Zuge dieser Arbeiten erneuerte Jost 2020 auch seine 1995 errichtete Recyclinganlage zur Aufbereitung von Ausbauasphalt sowie zertifizierter RC-Baustoffe für den Straßen- und Tiefbau.

Wie bereits bei der Siebtechnologie zur Brechsand-Entfüllerung kam auch bei der Modernisierung der ursprünglich auf 150 t/h ausgelegten semi-mobilen Recyclinganlage der österreichische Spezialist SBM zum Zuge.

Zur Aufgabenstellung des SBM-Teams unter Gebietsrepräsentant Martin Schwab zählte ab März 2020 die Produktionssteigerung auf 200 t pro Stunde sowie die qualitätsorientierte Flexibilisierung des Aufbereitungsprozess durch die teil-automatisierte Überwachung und Steuerung aller Brech-, Sieb- und Mischabläufe inklusive der abschließenden sortenreinen Aufhaldung. Die Ersatzanlage war nicht nur am identischen Standort sondern auch innerhalb der laufenden Genehmigung zu erstellen. Zudem umfasste das Lastenheft die Integration bestehender Komponenten wie etwa des schwenkbaren Haldenbandes.

Das Festhalten am semi-mobilen Konzept gegenüber einer möglichen raupenmobilen Brech-/Sieb-Kombination begründet Geschäftsführer Bernd Jost insbesondere mit der besseren Zugänglichkeit in der Wartung und Reinigung der Anlagenkomponenten beim Wechsel des Aufgabematerials von Asphalt über bewehrten Beton-Aufbruch bis hin zu kleineren Naturstein-Chargen. Das angrenzende Zwischenlager, von dem aus die RC-Anlage per Radlader beschickt wird, fasst rund 40.000 t Altasphalt, Betonaufbruch und Bauschutt. "Mit unseren kurzen Wegen und ohne wechselnde Baustellen-Einsätze ist eine versetzbare und bei Bedarf leicht erweiterbare Anlage einfach die bessere Lösung. Wir konnten gemeinsam mit SBM die Anlage exakt auf unsere langfristigen Bedürfnisse hin konfigurieren und der vollelektrische, emissionsfreie Betrieb erfüllt alle Ansprüche in Sachen Wirtschaftlichkeit und umweltfreundlicher Nachhaltigkeit", resümiert Bernd Jost. Vom Bagger auf maximal 1000 mm große Aufgabestückgröße vorsortiert, gelangt das Material in den Acht-Kubikmeter-Bunker mit integrierter 4000-Millimeter-Aufgaberine.

Ein angeschlossener aktiver Vorabscheide-Rost in schwerer Zweideck-Ausführung (Spaltweite OD: 30/60 mm/UD: 14-Millimeter-Fingersiebe) entzerrt das Material und trägt den Feinanteil 0/20 auf Freihalde beziehungsweise als Brecher-Bypass aus. Die Zerkleinerung des Aufgabematerials – je nach Rezeptur auch des rückgeführten Siebüberkorns – übernimmt der SBM-Prallbrecher des Typs RCI 130-130. Angetrieben von einem 200 kW starken Elektromotor gewährleistet der rund 16 t schwere Brecher mit 1300x300-Millimeter-Rotor (B x Ø) gemeinsam mit der lastabhängigen Materialaufgabe einen störungsfreien Betrieb. Darüber hinaus bietet er einen sehr guten Zerkleinerungsgrad – sowohl im Asphalt als auch im harten Betonaufbruch oder Naturstein, versichert SBM. Die Anpassung der Brechergeschwindigkeit ermöglicht zudem eine exakte Abstimmung der Brechcharakteristik.

An der Übergabe vom Brecherabzugsband (Breite: 1200 mm) zum 800 mm breiten, überdachten Zuführband der Siebmaschine entfernt ein leistungsfähiger Magnetabscheider Eisen-Kleinanteile und große Armierungen in Materialfluss-Richtung, bevor das Brechgut auf das Doppeldeck-Kreisschwingersieb des Typs KS 18/50-2 gelangt. Die große Siebfläche von 1800 x 5000 mm in Ober- und Unterdeck sowie leicht zu wechselnde PU-Steckbeläge gewährleisten eine hohe Siebleistung, hohe Standzeiten und eine große Verfügbarkeit der Anlagentechnik selbst bei siebschwierigen feinen oder bindigen Materialien. Dafür sorgt auch die pulsierende Gummi-Auskleidung am Siebauslauf, die Anbackungen verhindert.

Eine elektrisch betätigte Verteilerklappe im Auslauf des Unterdecks ermöglicht den Austrag der Mittelfraktion in das Endprodukt beziehungsweise deren Rückführung mit dem Überkorn zum Brecher. Die so gemischten Endprodukte gelangen abschließend auf das automatisch gesteuerte Schwenkband mit einer Haldenkapazität von 2 x 1400 t.

Zu den Standard-Produkten der neuen Anlage zählen auf Asphaltseite die Körnung 0/11 für die Kaltzugabe sowie 0/16, 0/22, 0/32 für die Heißzugabe über die Paralleltrommel. Der angelieferte Beton-Aufbruch und Bauschutt wird je nach Ausgangsqualität zu Frostschutz 0/32 beziehungsweise 0/45, Verfüllmaterial 0/32 und 0/45 sowie zu den ebenfalls im eigenen Labor gütegeprüften RC-Baustoffen 0/11, 11/25 und 25/45 verarbeitet.

"Wie bereits beim Einbau der Entfüllerung in Altenkirchen, hat SBM auch jetzt wieder zuverlässig geliefert", urteilt Bernd Jost zufrieden über das Projekt, das der österreichische Anlagenbauer als Generalunternehmer realisierte. Nach der Auftragsvergabe folgten der Rückbau der Altanlage, die Erstellung der neuen Fundamente sowie die Montage. Die rund zwei Monate bis zur Abnahme und Inbetriebsetzung der neuen Technik überbrückte Jost vor Ort mit einer mobilen Brech- und Siebkombination. "Nach der üblichen Einstellungsphase haben wir bis jetzt in knapp acht Monaten Vollbetrieb rund 70.000 Tonnen Material verarbeitet. Neben den anderen Investitionen an unseren Standorten sehen wir auch die RC-Technologie von SBM als wichtigen Baustein für die zukunftsfähige Struktur und Ausrichtung unserer Aktivitäten."

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