Bauaussichten 2023

Arbeit an der Baustelle der Zukunft

Von Steffen Günther, Mitglied des Direktoriums der Liebherr-International AG
Liebherr Bauaussichten
Foto: Liebherr

Zu den großen Herausforderungen des vergangenen Jahres zählten die Verfügbarkeit von Fachkräften und Dienstleistungen. Und natürlich sind auch für uns die Material- und Energieversorgung ein Thema. Unser Vorteil ist jedoch unsere hohe Fertigungstiefe. Viele Komponenten stammen aus unserer Firmengruppe. Dank einer vorausschauenden Planung und sehr guter partnerschaftlicher Verbindungen mit unseren nationalen und europäischen Lieferanten haben wir Engpässe bisher häufig abfedern können.

Der Schlüssel für den erfolgreichen Verlauf des Geschäftsjahres waren jedoch einmal mehr unsere inzwischen über 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit. Sie haben mit ihrem Fachwissen, ihrer Leidenschaft und ihrer Kreativität Maßstäbe gesetzt und mit viel Pragmatismus und Flexibilität so manche Rahmenbedingung mehr als wettgemacht.

Die bauma in München hat in diesem Jahr bestätigt: Die Baumaschinenbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. In den Bereichen Digitalisierung und alternative Antriebe geht es in Siebenmeilenstiefeln voran. Gerade für uns als innovationsstarkes Technologieunternehmen sind das faszinierende Zeiten. Zeiten, in denen sich unsere Kunden auf uns verlassen können. Zeiten, in denen wir zum technologischen Fortschritt beitragen können.

Stellvertretend für unsere Innovationsfelder sei hier nur der Bereich Antriebstechnologien genannt. Schon heute können wir Baumaschinen mit allen bisher möglichen Ansätzen betreiben – mit HVO, elektrisch per Batterie oder Netzbetrieb, mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor und sogar mit Brennstoffzelle. Die Einsparung von Energie und Ressourcen treibt uns schon seit Jahren voran. Unsere Maschinen sind beim Energieverbrauch in vielen Klassen führend. Das liegt auch daran, dass wir die Antriebe und Motoren selbst entwickeln. Auch der neue Verbrennungsmotor in unserer Wasserstoffbagger-Technologiestudie R 9XX H2 stammt von Liebherr. Momentan ist noch nicht absehbar, welches Betriebskonzept sich durchsetzen wird. Liebherr hat sich deshalb die technologieoffene Entwicklung auf die Fahnen geschrieben und bietet für jedes Anwendungsfeld die optimal zugeschnittene Lösung.

Im Bereich der kleineren und mittleren Maschinen haben wir in München die ersten batterieelektrischen Radlader und Teleskoplader der Firmengruppe präsentiert. Eine besondere Entwicklung sind außerdem unsere Plug-in Maschinen, ausgestattet mit einem batteriebetriebenen Mobility Kit. Ausstecken, verfahren, einstecken, weiterarbeiten – das ist der Gedanke dahinter. Abgerundet wird die Bandbreite noch durch einen Radlader mit Brennstoffzelle.

Bereits seit einem Jahr sind zudem viele unserer Motoren für HVO-zertifiziert, wodurch sich eine CO2-Reduktion von 90 Prozent im Betrieb erzielen lässt. Parallel dazu haben wir in diesem Jahr mit unserem Hybridkran LTC 1050-3.1E einen 50-Tonnen-Mobilkran vorgestellt, der im Kranbetrieb elektrisch betrieben werden kann und dementsprechend gar keine Emissionen bei Hubvorgängen mehr freisetzt.

Im Bereich Spezialtiefbau haben wir bereits vor drei Jahren den Trend mit dem weltweit ersten batteriebtriebenen Großbohrgerät LB 16 unplugged gesetzt. Die Maschine wurde zum Gamechanger. 2022 haben wir gleich sechs Neuheiten unserer Unplugged-Serie zum Rammen, Bohren und Heben vorgestellt. Auch bei den Fahrmischern stehen sowohl vollelektrische Modelle als auch Maschinen mit elektrischem Trommelantrieb zur Verfügung, die auf der Baustelle leise, sauber und effizient arbeiten.

Effizient und ressourcenschonend bezieht sich bei uns jedoch nicht nur auf den Antrieb. Mit drei neuen großen Turmdrehkranen haben wir unser Angebot an Kranen mit deutlich leichterem, aber hochfestem Faserseil massiv gesteigert. Und auch im Bereich der Digitalisierung gibt es zahlreiche Neuerungen, wie zum Beispiel unser Kundenportal MyLiebherr, unsere digitalen Lösungen MyJobsite und Site Monitoring, neue Remote Services oder Assistenzsysteme in vielen unserer Maschinen. Die Vernetzung ermöglicht die optimale Integration und durchgängige Digitalisierung der Maschinen und verbessert damit ihre Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit. Ein Prototyp der Zukunft ist zudem die Teleoperation. Mit ihr werden künftig Maschinen von einem Arbeitsplatz aus bedienbar, was die Zusammenarbeit aller Beteiligten weiter verbessern und die Baustelle zu einem effizienteren und sichereren Ort machen wird.

Die Arbeit an der Baustelle der Zukunft treibt uns bei Liebherr an. So faszinierend diese Aufgabe ist, so herausfordernd gestaltet sich die unmittelbare Gegenwart. Der Boom im Bereich Wohnungsbau ist inzwischen abgeklungen. Dafür stehen weltweit große Infrastrukturprojekte an, etwa in der Energieversorgung, im Schienenverkehr, bei größeren Bauwerken oder im Straßenbau. Gerade in diesen Bereichen ergeben sich Marktchancen für Liebherr, weil die Kunden hier verstärkt auf die technologische Fortschrittlichkeit der Maschinen und auf Service- und Beratungsqualität achten. Vor dem Hintergrund knapper Rohstoffe werden außerdem Recycling und Aufbereitung immer wichtiger. Die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsrisiken werden uns im Jahr 2023 sicherlich weiter begleiten. Für uns sind sie aber ein Antrieb, neue Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln und weiter zum technologischen Fortschritt beizutragen. Dank hoher Fertigungstiefe, hoher Eigenkapitalquote, breiter Diversifizierung und extrem viel Know-how und Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blicken wir verhalten optimistisch ins neue Geschäftsjahr.

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Verbände und Experten

Ausblick – Baujahr 2023

Nachdem das Jahr 2021 die Branche mit der Pandemie und Lieferkettenproblemen bereits vor Herausforderungen gestellt hatte, bedeutete der Beginne des Ukraine- Kriegs im Februar 2022 eine Zäsur, die bis heute fortwirkt. Energieknappheit, Preisexplosionen, Klimaschutzvorgeben und ein Rückgang der Nachfrage im Wohnungsbau stellten neue Aufgaben und verunsicherten Unternehmen und Manager.

Der erfolgreiche Verlauf und der bauma 2022 zum Jahresabschluss konnte dagegen den positiven Akzent setzen, auf den viele gehofft hatten und der sich zuvor angedeutet hatte – Baumaschinenhersteller berichteten durch die Bank von übervollen Auftragsbüchern. In den nun folgenden Bauaussichten 2023 spiegelt sich die Ambivalenz der aktuellen Entwicklungen wider: Verbände und Experten sind sich einig, dass die Entwicklung der Bauwirtschaft in diesem Jahr eine Delle verzeichnen wird, Hersteller sehen die Herausforderungen des Marktes und nehmen sie tatkräftig an. Trotz aller Widrigkeiten, zu denen auch der permanente Fachkräftemangel zählt, überwiegt eine positive Grundhaltung und die Gewissheit, dass die Baubranche die vor ihr liegenden Aufgaben als wichtigste Stütze der Wirtschaft schon stemmen wird.

Das Signal, das alle Teilnehmenden der Bauaussichten 2023 in den Markt senden, wird dominiert von Stärke und Kontinuität. Dieser gemeinsame Nenner wirkt wie ein Schulterschluss, der die Branche auszeichnet und der anderen als Vorbild dienen kann.

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