bema feiert 80-jähriges Bestehen

"Herausforderungen sind da, um sie zu meistern"

von: Jennifer Schüller
Voltlage-Weese . – Vom Ein-Mann-Betrieb zum erfolgreichen mittelständischen Unternehmen – bema blickt in diesem Jahr auf eine 80-jährige Geschichte zurück. ABZ-Redakteurin Jennifer Schüller traf Geschäftsführerin Sonja Koopmann am Hauptsitz in Voltlage-Weese und sprach mit ihr über bemas Anfänge und die größten Herausforderungen für die Zukunft.
bema Kommunaltechnik
So sah das bema-Firmengelände in den 70er und 80er-Jahren aus. Foto: bema

"Am 27. Dezember 1939 hat mein Großvater das Gewerbe angemeldet, aber wirklich seine Arbeit aufgenommen hat er dann 1940. Deshalb nehme ich eher dieses Jahr als Anfangspunkt", sagt Sonja Koopmann und blickt auf den Teich hinaus, der direkt hinter dem Verwaltungsgebäude des Unternehmens liegt. bema ist dem Firmenstandort treu geblieben. In all den Jahren hat sich jedoch vieles vor Ort verändert, wie zum Beispiel der Firmenname von "Berens" über "Berens Landmaschinen" zu "bema". Dort wo heute ein großes Verwaltungsgebäude samt mehrerer Produktionshallen und einem Show- und Seminar-Raum steht, hat Heinrich Berens vor 80 Jahren in einer kleinen Werkstatt seine Arbeit begonnen und den Grundstein für das gelegt, zu dem bema heute wachsen konnte. Die Aufgaben, die ihn damals täglich beschäftigten, haben allerdings nur noch wenig mit den Arbeiten zu tun, die heute auf diesem Grund und Boden ausgeführt werden. "Mein Opa hat ganz klassisch mit einer Hufbeschlagschmiede angefangen", erklärt Koopmann.

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Vergangenheit und Gegenwart in einem Bild: Sonja Koopmann vor einer Drehmaschine, die noch aus der Zeit ihre Großvaters stammt. Die Geschäftsführerin hat selbst auch eine Ausbildung zur Industriemechanikerin absolviert.

Heinrich Berens, damals knapp 30 Jahre alt, dient mit seinem Betrieb an der Heimatfront, übernimmt Schweißarbeiten, repariert all das, was in Zeiten des Krieges zu Bruch geht und wieder zusammengesetzt werden muss. "Damals wurde aus Alt Neu gemacht", erzählt Koopmann. Trotz dieser schwierigen und krisengebeutelten Zeit in der deutschen Geschichte, gibt der gelernte Hufschmied nie auf, sondern geht eisern weiter seinen Weg, nimmt Azubis an und lehrt sie das Schmiedehandwerk. Im Rahmen des allgemeinen Wirtschaftswachstums entscheidet sich der Unternehmer schon früh dazu, seinen Betrieb und die Maschinen zu elektrifizieren. In den 50er-Jahren wandeln sich die klassischen Schmiedearbeiten, da Traktoren beginnen, das Pferd in der Landwirtschaft zu ersetzen. Heinrich Berens erkennt früh das Potential und konzentriert sich ab den 50er-Jahren zunehmend auf den Verkauf, den Handel und die Reparatur von Landmaschinen.

Günther Berens, im Jahr 1946 geboren, übernimmt Ende der 60er, Anfang der 70er-Jahre den Betrieb von seinem Vater. "Meine Oma hat ihm damals wohl ziemlich ins Gewissen geredet, die Geschäfte weiterzuführen", sagt Koopmann. "Er hatte zunächst nicht geplant, den Betrieb zu übernehmen." Ihr Vater habe ihr erzählt, dass seine Mutter aber nie locker gelassen hatte – mit Erfolg. Ging es für seinen Vater in der Anfangszeit vor allem darum, seine Familie zu ernähren und ein Dach über dem Kopf bezahlen zu können, war eine der größten Herausforderungen für Günther Berens, das Unternehmen auszubauen.

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Günther Berens tritt Ende der 60er, Anfang der 70er-Jahre ins Unternehmen ein. Er ist es, der die Spezialisierung auf Kehrmaschinen beschließt. Foto: bema

Das gelingt dem gelernten Landmaschinenmechaniker mit einer noch stärkeren Fokussierung auf den Landmaschinenhandel, sowie auf Reparaturen. Folglich wurde aus "Berens" "Berens Landmaschinen". "Als zweites Standbein arbeitete meine Vater zudem als Zulieferer für verschiedene Hersteller", sagt Sonja Koopmann. Im Zuge der Veränderungen innerhalb der Landwirtschaft geht das Geschäft mit den Landmaschinen zurück. Günther Berens wagt eine Neuorientierung – es sollte die sein, die das Unternehmen schließlich zu dem macht, was es heute ist: einer der erfolgreichsten und bekanntesten Hersteller im Bereich Anbau-Kehrmaschinen.

Koopmann erinnert sich: "Ende der 80er-Jahre trat ein Landwirt mit der Bitte an meinen Vater heran, eine Kehrmaschine für ihn aufzutreiben. Nachdem er sich mit der Thematik beschäftigt hat, ist er zu dem Schluss gekommen, dass er das was es in diesem Bereich bereits gibt, noch besser machen kann. Mein Vater war ein richtiger Tüftler und machte sich sofort daran, eine eigene Kehrmaschine zu entwickeln." Nach kurzer Anlaufzeit erweist sich diese finale Neuausrichtung als die richtige und vor allem erfolgsbringende Entscheidung. Das Unternehmen – nun "Berens GmbH & Co. KG Maschinenfabrik", kurz bema genannt – floriert, das Produktprogramm wächst, Hallen werden gebaut und in einen Maschinenpark wird investiert.

1999 steigt Sonja Koopmann mit ins Geschäft ein. 2012 übernimmt sie nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters die alleinige Leitung. "Das war keine einfache Zeit", erinnert sie sich zurück. Plötzlich alle Entscheidungen zu treffen – das war schon ein ziemlicher Sprung", so Koopmann. Zudem steht auf der einen Seite die ganz private Trauer, auf der anderen ein Unternehmen – mit mittlerweile mehr als 50 Mitarbeitern – für das sie die Verantwortung trägt.

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Ein Blick ins Fotoalbum: Firmengründer Heinrich Berens mit seiner Frau Elisabeth und Günther auf dem Arm im Jahr 1947. Foto: bema

Koopmann meistert den Schicksalsschlag, arbeitet sich weiter ein und beweist, dass sie den Betrieb leiten kann. Mit ihr ist mittlerweile die dritte Generation im Unternehmen angekommen. Sie hält die Zügel sicher in der Hand. Auch wenn sich einiges deutlich verändert hat. "Ich bin zwar die Chefin und muss am Ende die Entscheidungen treffen, aber ich arbeite gerne im Team. Ich kann nicht in allen Bereichen alles wissen, deshalb sind mir Expertenmeinungen unglaublich wichtig", erklärt sie. Und nicht nur in dieser Hinsicht unterscheidet sich Koopmann im Leiten der Geschicke von ihrem Vater und Großvater. Auch die Herausforderungen mit denen sich die studierte Wirtschaftsingenieurin konfrontiert sieht, entsprechen der Zeit und haben nur wenig mit denen gemein, die die vorherigen Geschäftsführer umtrieb.

"Die Digitalisierung ist aktuell eines der wichtigsten Themen und größten Herausforderungen für uns", sagt Koopmann. In diesem Zuge werde sich in der nächsten Zeit vieles verändern. "Auch künstliche Intelligenz ist ein Thema", so die Geschäftsführerin. In den vergangenen fünf Jahren wurden bereits viele Investitionen getätigt. So wurde unter anderem eine moderne Lackieranlage und eine Plasmaschneidemaschine angeschafft. Weitere Investitionen stehen für das laufende Jahr an. Die Geschäftsführerin verspricht sich, dadurch noch flexibler und unabhängiger auf Bedarfe reagieren zu können. Chancen sieht Koopmann in der Globalisierung. Rund 50 Prozent des Umsatzes generiert bema aus dem Export. Dabei wächst die Nachfrage sowohl in den angrenzenden europäischen Ländern als auch in Drittländern.

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So sah das bema-Firmengelände in den 70er und 80er-Jahren aus. Foto: bema

Nach wie vor ist der Fachkräftemangel eine große Herausforderung, so Koopmann. bema versucht deshalb, sich die Experten von morgen selbst heranzuziehen. Das Unternehmen bildet in technischen und kaufmännischen Berufen aus, bietet Praktika in allen Unternehmensbereichen an und sorgt dafür, dass die Fachkräfte entsprechend neuer Anforderungen weitergebildet werden.

Trotz aller Herausforderungen freut sich bema auf die Zukunft. "Herausforderungen sind da, um sie zu meistern", sagt Koopmann. "Nach dem Motto 'Geht nicht, gibt´s nicht!' arbeiten wir an praktikablen Lösungen, sind offen für neue Ideen und blicken über den Tellerrand hinaus. Dies gilt insbesondere auch für die individuellen Anforderungen unserer Kunden." bema nutzt gezielt Leitmessen wie die GaLaBau-Messe in Nürnberg für die Präsentation von Produktneuheiten. So wird der Maschinenbauspezialist im September wieder einige Neu- und Weiterentwicklungen vorstellen. Genaueres möchte Geschäftsführerin Sonja Koopmann an dieser Stelle jedoch noch nicht verraten.

Betrachtet man das bema-Betriebsgelände im Jahr 2020, das sich über knapp 6 Hektar erstreckt und in etwa eine überdachte Fläche von 17 000 Quadratmetern umfasst, fällt es schwer sich vorzustellen, dass genau an dieser Stelle vor 80 Jahren alles in einer kleinen Werkstatt begann.

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