Das Holz wird knapp

Streit über den Umgang mit Rohstoff-Engpässen entbrannt

Düsseldorf/Berlin (dpa). – Der Umgang mit der Rohstoffknappheit für Industrie und Bauwirtschaft bleibt in Bund und Ländern umstritten. Die Wirtschaftsminister aus Thüringen und dem Saarland, Wolfgang Tiefensee und Anke Rehlinger (beide SPD), plädieren für zeitweilige Exportbeschränkungen als letztes Mittel, um das Problem in den Griff zu bekommen und Engpässe bei Unternehmen zu beheben.

Unter anderen lehne auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einen zeitweiligen Exportstopp ab, wie Teilnehmende einer Videokonferenz der Wirtschaftsminister der Länder am berichteten. Dies sei aus seiner Sicht nicht das geeignete Mittel, um Knappheiten zu beheben. Altmaier soll sich den Angaben zufolge für einen "Runden Tisch" zu dem Thema ausgesprochen haben. Hintergrund der Debatte ist auch der Boom bei Ausfuhren von Bauholz, unter anderem in die USA und nach China. Dadurch werden steigende Baupreise sowie Engpässe und Verzögerungen hierzulande befürchtet.

"Die Preise für Holz und andere Rohstoffe steigen rasant, das wird zur Gefahr für Handwerk und Bauwirtschaft", begründete Saarlands Ministerin Rehlinger ihre Haltung. "Lösungen für die Rohstoffknappheit fallen einzelnen Bundesländern schwer, es handelt sich unter anderem um ein Problem auf dem Weltmarkt", so Rehlinger. Ihr Thüringer Ressortkollege Tiefensee hatte sich ähnlich geäußert. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hatte eine Exportregulierung oder Preisbeschränkungen zuletzt abgelehnt.

Der Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz, Andreas Pinkwart (FDP) aus Nordrhein-Westfalen, sagte, die Lieferengpässe und Preisausschläge unter anderem bei Halbleitern und auf dem Holzmarkt würden die Länder sehr ernst nehmen. Auf dem Holzmarkt seien möglicherweise auch staatliche Eingriffe in den vergangenen Jahren zur Bevorzugung von Schadholz, Zölle und monopolartige Strukturen bei den Sägewerken ursächlich für Marktverzerrungen, die Handwerksbetriebe belasteten. Bis zum nächsten Treffen im Juni wollen die Länder die Analyse der wichtigsten Ursachen abschließen und wirksame Lösungen voranbringen. "Dabei brauchen wir voraussichtlich nicht mehr, sondern weniger staatliche Eingriffe, um die Märkte wieder in die Balance zu bringen", betonte Pinkwart.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland die Rekordmenge von 12,7 Millionen Kubikmetern Rohholz exportiert, wie das Statistische Bundesamt jüngst berichtete. Über die Hälfte davon ging in die Volksrepublik China, wo der Bauboom nach überwundener Corona-Krise noch einmal angezogen hat. Auch in den USA herrscht eine hohe Nachfrage, weil der traditionelle Nachschub aus Kanada nach Bränden und Trump-Strafzöllen stockt. Das für Holz zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium verwies auf mehrere Effekte, die derzeit zu einer besonders hohen Nachfrage führen, darunter eine Sonderkonjunktur im Holzbau und ein "Do-It-Yourself-Boom" in Corona-Zeiten. Diese Effekte hätten "insgesamt bei allen Baustoffen zu Preissteigerungen und teilweise Lieferengpässen führen", so eine Ministeriumssprecherin. "Grundsätzlich sind die Möglichkeiten des Exportes wie Importes von (Roh-)Holz und Holzprodukten für die Forst- und Holzwirtschaft - wie auch für andere Wirtschaftsbereiche - eine wichtige Handlungsoption", so die Sprecherin.

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