Digitalisierung von Baumaschinen

Intelligentes Wartungsmanagement mit Telematik

Fulda (ABZ). – Die Digitalisierung der Baubranche stockt, wie der Telematik-Anbieter Proemion berichtet. Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC würden 60 % der deutschen Bauunternehmen den Stand ihrer Digitalisierung für noch unzureichend halten.
Hydrema Telematik
Neben exakten Fehlerdiagnosen kann Hydrema laut eigener Aussage mittels Telematik auch die Kalibrierung sowie die Betriebssoftware seiner Maschinen aus der Ferne (over-the-air) nachjustieren und auf den neuesten Stand setzen. Foto: Hydrema

Während etwa Planung, Administration und Personalwesen bereits als zufriedenstellend digitalisiert angesehen würden, gehe es auf der Baustelle selbst jedoch weitgehend analog zu.

Dabei ist das Digitalisierungspotenzial auf dem Bau Proemion zufolge enorm: die Branche kämpft mit steigenden Kosten, hohem Energiebedarf und dem Mangel an Fachpersonal. Mit zunehmendem Bewusstsein über den Klimawandel kommt als großer Komplex noch das Thema Nachhaltigkeit hinzu, das laut PwC-Studie für inzwischen über 80 % der Bauwirtschaft eine wichtige Rolle spielt.

Fokus liegt auf mechanischen Leistungsträgern

Eine der großen Herausforderungen der Branche ist also die Steigerung der Effizienz, die Einsparung von Ressourcen, und das gleich in mehrerlei Hinsicht: Einsparung von Zeit, Personalaufwand, Maschinenstillstand, CO2, vermeidbarer Mehrarbeit – und damit letztlich das Einsparen von Kosten. Eine Herausforderung, auf die technische Errungenschaften bereits vielfältige Lösungsmöglichkeiten bieten. Da sich das Handwerk der Arbeitskräfte auf der Baustelle selbst kaum digitalisieren, höchstens digital unterstützen lässt, liegt der Fokus klar auf den mechanischen Leistungsträgern der Baubranche: den Baumaschinen.

Während die Baumaschine vorrangig Arbeit erledigt, stellt sie ihre Hersteller und Nutzer jedoch gleichermaßen vor Aufgaben: Wartung, Fehlerdiagnose und Reparatur sind nur wenige Beispiele für offensichtliche Maßnahmen, die der Betrieb einer Baumaschine regelmäßig erfordert. Dazu kommen auf den zweiten Blick Stichpunkte wie Herstellerservice, Flottenmanagement oder Einsatzeffizienz. Es sind Aufgaben, die rein digital nicht gelöst, aber digital unterstützt werden können: bislang behebt etwa kein Schaufelbagger ein Elektrikproblem per App von alleine, jedoch kann mithilfe des Digitalen das Problem präzise diagnostiziert, eine Lösung vorgeschlagen und in ihrer Umsetzung begleitet werden.

Telematik wichtiges Instrument

Ein wichtiger Hebel ist dabei die Telematik, wie Proemion betont. Um sie in verständlichen Worten zu erklären: Die Telematik ist ein Hybrid aus Telekommunikation und Informatik – verknüpfte Maschinen kommunizieren miteinander, indem sie Daten austauschen. Das klassische Beispiel ist hier das Flottenmanagement: meine Bauwalze teilt mir mit, wo sie gerade im Einsatz ist, wie schnell sie sich bewegt, wie warm ihr Motor dabei wird und wie viel Sprit sie verbraucht. Daten also, die besonders für den Maschinenbetreiber nützlich sind.

Für Hersteller von Baumaschinen reicht das Potenzial von Telematik noch weiter: sie können Daten über die Nutzungsarten, die Funktion neuer Komponenten, häufiger auftretende Fehlfunktionen oder den Wartungsstand ihrer weltweit eingesetzten Flotte sammeln und auf Basis dieser Informationen ihre Maschinen weiterentwickeln. Sie können den Service für ihre Nutzer ausweiten, bei Problemdiagnose und -behebung unterstützen, elektronische Maschinenteile aus der Ferne aktualisieren – mit minimalem Ressourcenaufwand. Der dänische Baumaschinenhersteller Hydrema legt bei seinen Maschinen laut eigener Aussage großen Wert auf technische Fortschrittlichkeit. So unterliegen sie ab Werk jeweils einem festen Wartungsplan, der für jede von ihnen sicherstellen soll, dass sie in idealem Zustand ist und es auch bleibt.

Informationen in Echtzeit sammeln

Jedoch fehlte es Hydrema an einer Möglichkeit, die Einhaltung der Wartungspläne seitens der Maschinennutzer zu überprüfen; die Nutzer selbst konnten zudem nicht wissen, dass eine Wartung nötig ist, bis ihnen das Display der Maschine entsprechend Meldung machte. Dazu kam: Die Wartungsmeldungen wurden regelmäßig ignoriert. Dass routinemäßige Wartungen übersprungen worden waren und es deshalb irgendwann zu Fehlfunktionen oder gar Ausfällen kam, war für Hydrema erst feststellbar, als die Maschine in autorisierten Werkstätten untersucht wurde. Hydrema suchte folglich nach einer Möglichkeit, Wartungsinformationen ihrer gesamten Flotte in Echtzeit zu sammeln und aufzuzeichnen – so sollte volle Transparenz über den Service-Status ihrer Maschinen ermöglicht werden.

Auch der Nutzer hat jederzeit vollen Zugriff auf den Service-Status seiner Maschinen und kann so einsehen, welche von ihnen bald eine Wartung benötigen oder sogar bereits überfällig sind. Ob er die Wartung selbst vornehmen kann oder die Kompetenz einer autorisierten Werkstatt benötigt, wird ihm ebenfalls angezeigt.

Dokumentiert werden über die Global OEM Telematics Solution zudem Daten zur Maschinenproduktivität oder zum Kraftstoffverbrauch: Wie viele Fahrten unternimmt meine Maschine pro Stunde, wie viel Material bewegt sie, habe ich viele Leerlaufstunden, arbeitet die Maschine bei hoher Drehzahl? Erkenntnisse, die Aufschluss darüber geben, wie effektiv und effizient die Maschinen arbeiten.

Verringerte Ausfallzeiten

Mittels Telematik und damit durch die Digitalisierung ihres Wartungsmanagements konnte Hydrema beachtliche Erfolge erzielen: Durch die Transparenz des Service-Status der Maschinen ging die Zahl überfälliger Wartungen um 40% zurück. Aktuelle und präzise Maschineninformationen ermöglichen den Service-Mechanikern von Hydrema schon eine genaue Kenntnis der Maschine, bevor sie in der Werkstatt eintrifft: 500 bis 700 DTC-Meldungen (Diagnostic Trouble Code) nach aktuellem und hochpräzisem SAE-J1939-73 Standard können die Hydrema-Techniker abrufen und sich so ein exaktes Bild vom Zustand der Maschine machen. Das beschleunigt die Reparatur, spart damit Kosten und auch die Ausfallzeit der Maschine: Im konkreten Fall von Hydrema um 50%.

Neben exakten Fehlerdiagnosen kann Hydrema mittels Telematik auch die Kalibrierung sowie die Betriebssoftware seiner Maschinen aus der Ferne (over-the-air) nachjustieren und auf den neuesten Stand setzen. Auch die Effizienz des Einsatzes von mobilen Servicetechnikern konnte durch die Nutzung fortgeschrittener Telematik gesteigert werden: Das Wartungssystem zeigt den Technikern alle Maschinen einer bestimmten Region an, bei denen zeitnah eine Wartung fällig wird — diese Maschinen können dann auf derselben Tour gewartet werden, was Hydrema Reisekosten spart und die Produktivität ihrer Techniker steigert.

Lars B. Kristensen, Projektleiter Großmaschinen bei Hydrema, zusammenfassend über den Einsatz fortgeschrittener Telematik in seinen Maschinen: “Durch die Analyse der gesammelten Daten können Eigentümer und Betreiber sowohl die betriebliche als auch die finanzielle Kontrolle der Maschine optimieren. Darüber hinaus kann das Hydrema-Telematiksystem helfen, den Service effizient zu planen und Probleme durch die Anzeige von Alarmcodes zu diagnostizieren. Andere wichtige Daten der Maschine werden auf dem Online-Portal angezeigt, sodass das Hydrema-Serviceteam Fehler schnell und präzise diagnostizieren kann.”

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