Kleine, aber feine Gleisbau-Boutique

Knape Bahnbau startet mit neuer Cat-Zweiwegetechnik durch

Caterpillar Bagger und Lader
Mit dem Saugbaggerlöffel von Tinbin wird Schotter im Gleisbett laut Herstellerangaben präzise und schnell zwischen den Gleisschwellen oder bei Weichen mit 240 bar und 50 kW abgesaugt.

Dorfen (ABZ). – Ferienzeit heißt Bauzeit: Das gilt insbesondere für die Bahn. Um die Beeinträchtigungen für Fahrgäste in Grenzen zu halten, werden insbesondere in den Sommermonaten Arbeiten am Streckennetz vorangetrieben. So wie vor den Toren Münchens zwischen Trudering und Zorneding. Dort erhält die S-Bahn-Strecke aktuell 20 neue Weichen, auf 7 km Länge neue Gleise mit Schwellen und Schotter sowie auf einer Länge von 1,7 km neue Schienen, während der Zug-Fernverkehr weiterlaufen muss und zwischen Haar und Trudering nur eingleisiger S-Bahn-Verkehr besteht. Bei der Terminbaustelle muss sich der neue Cat-Zweiwegebagger M323F von Knape Bahnbau erstmals im Gleiseinsatz beweisen. Das Unternehmen, das dabei den Generalunternehmer Swietelsky unterstützt, ist diesen Juli durch eine Zusammenlegung der PSI Projektsteuerung für Infrastruktur und Industrie GmbH mit dem gesamten operativen Geschäft der Knape Gleisbau GmbH & Co. KG entstanden und setzt alle bisherigen Tätigkeiten als Knape Bahnbau GmbH fort. Die Knape Gruppe Holding ist weiter als Partner und maßgeblicher Gesellschafter mit an Bord.Eine Abgrenzung zu früher gibt es: Neben dem ganzen Spektrum Gleisbau will sich das frischgegründete Unternehmen, wie dessen neuer Name sagt, auf Arbeiten rund um den Bahnbau konzentrieren und das von Oberbayern aus bundesweit anbieten. Das betrifft nicht nur die Instandhaltung und den Neubau, sondern auch die Logistik und Untergrundsanierung, die mit den Partnerunternehmen der Knape-Gruppe angeboten werden können. Hinzu kommen Arbeiten rund um den Tief- und Oberbau samt den dazu passenden Dienstleistungen wie etwa die Maschinen- und Gerätevermietung. Konkret geht es um Entwässerungsanlagen, den Kabeltiefbau sowie Schotterhalterungen und Randwegen. Was PSI früher gemacht hat, wird beibehalten. Das betrifft das Projektmanagement und die Projektsteuerung, aber auch das Vertrags- und Claimmanagement im Zusammenhang mit Bau- und Industrieprojekten aller Art.

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Caterpillar Bagger und Lader
Neben dem ganzen Spektrum Gleisbau will sich das frisch gegründete Unternehmen eigenen Angaben zufolge auf Arbeiten rund um den Bahnbau konzentrieren.

Um sich maschinentechnisch neu auszurichten und zu verstärken, wurde nun in neue Zweiwegetechnik investiert. "Zeppelin und die Niederlassung München sind uns hier entgegengekommen, was hilfreich für ein Unternehmen ist, das sich gerade neu formiert hat", äußert Martin Kempf. Aktuell steht der zweite Cat M323F in der Zeppelin Niederlassung München kurz vor der Auslieferung an Knape Bahnbau. Bei Montagearbeiten hatten sich demnach die Vorzüge der Zweiwegebaggertechnik herauskristallisiert, als der Bagger erstmals über Zeppelin Rental angemietet wurde, um Ankerbohrarbeiten zur Hangsicherung entlang von Bahnstrecken zu realisieren. Knape Bahnbau hat gemeinsam mit der HTB aus Kufstein ein gleisgebundenes Gründungsverfahren angewandt, das Arbeiten bei Betrieb im Nachbargleis und nur 3,5 m Gleisabstand ermöglichte. "Es zeigte sich, dass wir mit dem Cat-Gleisbagger die Bohrlafette vom Gleis aus weit genug auslegen und die Anker setzen konnten", stellt Martin Kempf dar. Denn je weiter der Baggerausleger samt Arm und Bohrlafette neben dem Gleis hinausreichte, desto größer waren die Flächen, auf denen der Bagger sein Werk verrichten konnte und desto schneller ging es voran, wodurch das Unternehmen mit Wirtschaftlichkeit bei dem Auftrag punkten konnten. Die Baumaschine überzeugte dabei eigenen Angaben zufolge im Hinblick auf ihre Standsicherheit und Reichweite.Eigenschaften wie diese bestätigt auch Jörg Sack, der seit 20 Jahren als Zweiwegebaggerfahrer arbeitet und für die Unternehmensgruppe Knape seit acht Jahren in der Sparte Gleisbau tätig ist. Der Maschinist durfte vor dem ersten Baustelleneinsatz sein neues Arbeitsgerät testen – auch seine anderen vier Kollegen wurden an die neue Technik herangeführt und wie Jörg Sack dann letztlich eingewiesen. Sein Fazit: "Der Bagger steht da wie eine Eins. Da schaukelt und kippt nichts." Auch dass Jörg Sack profilfrei arbeiten kann, ist ein weiteres Argument, was für den M323F von Cat spricht. Denn immer wieder stehen Arbeiten an zweigleisigen Streckenabschnitten an, dann kann der Schienenverkehr auf dem Nachbargleis dank des Heckschwenkradius von 1566 mm problemlos weiterlaufen.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Zweiwegebaggers von Cat ist sein hydrostatischer Schienenradantrieb an beiden Gleisachsen, teilt der Hersteller mit. Dieser treibt über hydraulisch betriebene Motoren die Schienenführungsräder direkt an. Somit kann Jörg Sack problemlos über Gleisschaltmittel hinwegrollen und dabei die Geschwindigkeit von 20 km/h beibehalten. Der Fahrer muss die Räder des Baggers nicht jedes Mal vor den Schalteinrichtungen im Gleisbett anheben und danach wieder absenken – das vermeidet Schäden an Sicherheitseinrichtungen im Gleisbett, wie etwa den Indusi-Magneten. Das wäre sonst mit hohen Kosten im Zuge der Erneuerung verbunden. "Man fährt damit nichts mehr kaputt und kann leichter bremsen", lautet das Urteil des Fahrers.Jörg Sack wechselt auf der Bahnstrecke Haar-Trudering auf der wegen der Bauarbeiten gesperrten S-Bahn-Strecke immer wieder mal zwischen Zug- und Rangierfahrt hin und her, wenn er die Gleissperre verlässt, um etwa einen Lagerplatz anzufahren. Bedienen können muss der Fahrer mit seinem Bagger einen Magneten, um Kleineisen zu sammeln und zu verladen. Aber auch einen Saugbaggerlöffel von Tinbin setzt Jörg Sack ein. Damit kann er Schotter im Gleisbett präzise und schnell zwischen den Gleisschwellen oder bei Weichen mit 240 bar und 50 kW absaugen. So muss keiner der Kollegen aus der Kolonne zur Schippe greifen, um das Ausschachten von Hand zu übernehmen. Mithilfe eines Schwellenwechslers an dem Cat M323F nimmt Jörg Sack Schotter auf, baut Schwellen aus, setzt neue Schwellen ein und verfüllt sie wieder mit Schotter. "An der Entwicklung des Schwellenwechslers war ich mitbeteiligt. Er läuft auf Rollen, die über die Schienen gleiten. Früher sind wir immer mal auch hängen geblieben und die Schwelle ging dann kaputt. Das passiert nun nicht mehr", meint Jörg Sack.Die Idee hat er zusammen mit einem Kollegen Peter Zehden vorgetragen, der zusammen mit Martin Kempf die Geschäftsführung innehat. "Er steht hinter uns, wenn wir mit Vorschlägen kommen", so der Fahrer. So entwickelt sich das Geschäft rund um Schiene, Schwelle und Schotter immer weiter. Erst vor wenigen Wochen wurden von dem neu gegründeten Bahnbauspezialisten moderne Büros in Dorfen in Reichweite zum Bahnhof bezogen. "Wir wollen was bewegen, aber stabil wachsen. Das haben auch schon andere aus der Branche mitbekommen, dass bei uns ein frischer Wind weht. Seit unserem Firmenneustart habe ich schon einige Bewerbungen von Zweiwegebaggerfahrern erhalten, die aufmerksam wurden, dass wir investieren und sich bei uns was tut", so Martin Kempf. Einen Slogan, andere Fachkräfte zu gewinnen, gibt es auch schon: "Bock auf Bahn", mit dem Knape Bahnbau das Geschäft aufrollen will.

Der neue Arbeitsplatz von Zweiwegebaggerfahrer Jörg Sack. Fotos: Caterpillar/Zeppelin
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