Ökologisches Pionierpojekt

Neuer Gewerbebau in Holzbauweise als praktizierter Klimaschutz

Windach-Hechenwang (ABZ). – Der Neubau einer Gewerbeimmobilie in Holzbauweise wird zum ökologischen Pionierprojekt in der Region Oberbayern. Dabei werden die Themen Energieeffizienz, CO2-Einsparung und der Einsatz erneuerbarer Energie sowie nachhaltiger Baustoffe in idealer Weise miteinander kombiniert. Gipsfaser-Platten im diffusionsoffenen Wandaufbau werden bei der Beplankung der Außenwände sowohl tragend als auch aussteifend verwendet. Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Faserzementpaneelen sorgt für eine wartungsarme, repräsentative Optik.
Fermacell Hochbau
Beim Bau eines Verkaufs-, Büro- und Werkstattgebäudes in energiesparender Holzbauweise zeigt sich, dass der bisher nur zögerlich im Gewerbebau eingesetzte Holzbau vor allem auch in ökologischer Hinsicht eine Alternative zu massiven Systemen beziehungsweise zu Hallen in Leichtbauweise ist. Foto: James Hardie Europe

Nun baut auch Google in Sunnyvale sein erstes Bürogebäude in massiver Holzbauweise. Das fünfstöckige Bauprojekt soll den Weg für weitere Gebäude des Suchmaschinen-Unternehmens in Holzbauweise ebnen. Wirtschaftliche und ökologische Gründe seien ausschlaggebend gewesen, sich für diese Bauweise zu entscheiden, heißt es aus dem Unternehmen, das sich nach eigener Aussage zu dem Neubau von Europa hat inspirieren lassen. Dies zeigt ganz klar: Der moderne Holzbau ist nunmehr auch international auf Erfolgskurs. Allein in Deutschland stieg 2019 die Zahl der Baugenehmigungen für Wohngebäude in Holzbauweise um 6,6 %. Damit wurden 18,7 % aller genehmigten Wohngebäude in Holzbauweise erstellt. Noch deutlicher ist die Entwicklung bei den Nichtwohngebäuden: 2019 wurden im Vergleich zum Vorjahr 9,1 % mehr Nichtwohngebäude in Holzbauweise genehmigt (alle Zahlen aus dem Lagebericht 2020 von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e. V., Stand: Mai 2020). Ganz offensichtlich setzt sich bei immer mehr Planern und Holzbauunternehmern die Auffassung durch, dass die Vorteile der Holzbauweise auch beim Bau von Verwaltungs- und Gewerbebauten effizient genutzt werden können.

"Wir können alles aus Holz", betont Stefan Fichtl, gemeinsam mit seiner Frau Claudia Fichtl Geschäftsführer der Holzbau Fichtl GmbH in Windach-Hechenwang, "vom energieeffizienten Einfamilienhaus über Mehrfamilienhäuser bis hin zum Bürogebäude mit komfortabler Arbeitsatmosphäre." Derzeit realisiert das Familienunternehmen im Gewerbegebiet einer oberbayrischen Gemeinde am Ammersee den Neubau eines Autohauses in energiesparender Holzbauweise. Vom ersten Tag an stand dabei die Idee im Mittelpunkt, das erste Bio-Autohaus der Region zu realisieren. "Unser Ziel war zu zeigen, dass wir auch beim Gewerbebau so nachhaltig wie möglich bauen und die hohen ökologischen Standards einhalten können, die wir bei unseren Einfamilienhäusern aus Holz erfüllen", erklärt Stefan Fichtl seine Philosophie. Für Bauherrn Heinrich Nadler war die Überzeugung maßgeblich, dass nachhaltiges Bauen ein effektiver Beitrag zur Lösung der Klima- und Ressourcenprobleme ist. Der Bau eines Holzgebäudes sei praktizierter Klimaschutz: "Als Autoverkäufer liegt mir das besonders am Herzen, da Autofahren mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren bekanntlich das Klima schädigt."

Das Projekt soll eine Vorbildfunktion für den Gewerbebau übernehmen. "Es besteht nicht wie herkömmliche Gewerbebauten lediglich aus einem Holzgerippe", so Stefan Fichtl, "vielmehr haben wir einen diffusionsoffenen Wandaufbau mit ökologischen Materialien umgesetzt." Dabei kommen neben fermacell Gipsfaser-Platten Naturdämmstoffe aus Holzfaser, Zellulose, Hanf und Jute zum Einsatz. Durch das hohe Sorptionsverhalten der eingesetzten Baustoffe sorgt dieser Wandaufbau ganzjährig für ein ausgeglichenes Raumklima in allen Gebäudeteilen des Autohauses. Die hochwärmedämmende Gebäudehülle trägt gleichzeitig dazu bei, dass der Heizenergieverbrauch deutlich gesenkt und damit der CO2-Ausstoß nachhaltig reduziert werden kann. Eine 100-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage auf der Dachfläche erzeugt ausreichend Strom zur Deckung des gesamten Eigenbedarfs sowie zu Versorgung der eigenen Elektroauto-Flotte. So ausgestattet entspricht der Bau nach Angaben des Unternehmens dem höchsten förderfähigen Effizienzgebäudestandard für gewerblich genutzte Neubauten.

Der Neubau besteht aus zwei flachgedeckten, rechteckigen Baukörpern. Auf einer Fläche von insgesamt 1275 m² sind hier der Verkaufsraum, Büros und die Werkstätten untergebracht. Sämtliche Außenwände sind raumseitig einlagigen mit der fermacell Gipsfaser-Platte Vapor d = 15 mm beplankt. Diese Platte reduziert durch eine spezielle, auf der Plattenrückseite aufgebrachte Kaschierung die Wasserdampfdurchlässigkeit soweit, dass zusätzliche dampfbremsende Schichten in der Außenwandkonstruktion entfallen können. Im Bereich der Verkaufsräume und Büros wird außenseitig zur Dämmung eine 16 mm dicke Holzfaserplatte aufgebracht. Auf der Außenseite der Werkstattwände werden 15 mm dicke fermacell Gipsfaser-Platten mit Fassadenbahn montiert. Die Dämmung sämtlicher Außenwände erfolgt mit Zellulose. Bei den beidseitig mit 12,5 mm fermacell Gipsfaser-Platten beplankten Innenwänden wird eine Naturfaserdämmung eingesetzt. Außen- und Innenwände erfüllen die Brandschutzanforderungen F 30.

"Die fermacell Gipsfaser-Platten", erklärt Stefan Fichtl die Baustoffwahl, "passen gut zu unserem Konzept, weil sie in einem umweltfreundlichen Verfahren ausschließlich auf Basis von natürlichen Materialien (recycelte Papierfasern, Gips und Wasser, Anmerkung der Redaktion) ohne Leimzusätze hergestellt werden. Daher enthalten sie praktisch keine gesundheitsgefährdenden Stoffe und sind nachgewiesenermaßen praktisch emissionsfrei." Zertifizierungen des Instituts für Baubiologie beziehungsweise des Kölner eco-Instituts bestätigen dies. Mit Material- und Verarbeitungseigenschaften, die dem Holz sehr ähnlich sind, sind Gipsfaser-Platten außerdem eine gute Ergänzung zu Holzkonstruktionen. "Dabei sind sie hoch belastbar und sehr stabil", betont der Zimmermeister, "an ihnen können komfortabel und unkompliziert sehr hohe Lasten befestigt werden." Leichte oder mittelschwere Gegenstände lassen sich in vielen Fällen mit Hohlraum-, Hintergreifdübeln oder vergleichbaren Befestigungsmitteln direkt an den Platten befestigen. Je nach Befestigungsmittel sind Konsollasten bis 60 kg direkt an der Platte möglich. Zudem dürfen fermacell Gipsfaser-Platten im Holzbau aufgrund ihrer hohen Stabilität sowohl tragend als auch aussteifend verwendet und zur Beplankung und Bekleidung von Bauteilen eingesetzt werden (Nutzungsklasse 1 und 2 gemäß DIN EN 1995-1, s. DIN EN 1995-1-1:2010-10- Eurocode 5, Bemessung und Konstruktion von Holzbauten; Teil 1-1, Allgemeines) und sind damit nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht ein guter Ersatz zum Beispiel für Holzwerkstoffplatten.

Die Fassade des Autohauses wurde als vorgehängte hinterlüftete Konstruktion ausgeführt. Auf Anraten des Holzbauunternehmers Fichtl entschied sich Bauherr Heinrich Nadler gegen die ursprünglich geplante Holzfassade und für eine Beplankung mit Hardie Plank Fassadenbekleidungen aus Faserzement. Aus der Farbpalette wählte er die Farbe Nebelgrau in Holztextur aus. Diese Platten sehen Holz täuschend ähnlich und sind auch ebenso leicht, bieten jedoch eine Fülle von Vorteilen, die für eine hohe Überlegenheit gegenüber Fassadensystemen aus Holz sorgen. Hergestellt werden Hardie Plank Fassadenbekleidungen in einem nachhaltigen Produktionsprozess und mit geringem Energiebedarf auf Basis von hochwertigem Portland-Zement, Sand und Zellulosefasern. Eine spezielle Formel sorgt dabei für die besonderen Materialeigenschaften: Stabilität und Stoßfestigkeit sowie hohe Witterungsbeständigkeit.

Was aber veranlasst ein Holzbauunternehmen, dem Bauherrn gegenüber Paneele aus Faserzement statt aus Holz zu priorisieren? "Es sind die Kosten", sagt Stefan Fichtl und meint damit gar nicht einmal die Material- und Arbeitskosten, sondern vor allem die langfristig immer wiederkehrenden Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, mit denen Eigentümer von Gebäuden mit Holzfassaden konfrontiert sind.

"Wind und Wetter hinterlassen ihre Spuren auf einer Holzfassade. Die Paneele werden grau, der Anstrich verblasst. Das kann man praktisch nicht verhindern", erklärt der Unternehmer und verweist darauf, dass die von seinem Vater Ende der 60er Jahre gegründete Firma bereits in den 1970er Jahren umweltfreundlich und komplett ohne chemischen Holzschutz gearbeitet hat. Eine natürlich vergraute Fassade habe auch einen besonderen Charme, so der Holzbauer weiter. "Wer aber wie das Autohaus sich nicht zu sehr der ökologischen Optik von verwitterten Fassade aussetzen möchte, für denjenigen sind die wartungsarmen Hardie Plank Fassadenbekleidungen das Richtige." Nur wenn eine Holzfassade regelmäßig und mit hohem Aufwand gepflegt werde, könnten die Spuren von Witterungseinflüssen behoben werden. "Der Vorteil von Hardie Plank Fassadenbekleidungen gegenüber Holzprofilen", so Fichtl, "liegt bei der deckenden Beschichtung. Hier kann man wirklich Wartungskosten sparen."

Erreicht werden diese Produkteigenschaften durch eine klimaspezifische Faserzementtechnologie. Diese sogenannte Hardie Zone Technologie sorgt dafür, dass die Hardie Plank Fassadenbekleidungen jedem Wetter standhalten. Basis ist dabei die Kombination von individuellen klimatischen Variablen, mit denen die langfristige Leistung der Außenwandbekleidungen auf die verschiedenen Klimazonen der Welt angepasst werden kann. So sind etwa die Platten für den deutschen und europäischen Markt mit der HZ5TM-Technologie ausgestattet, die speziell auf das europäische Klima mit seinen Frost-Tau-Zyklen, extremen jahreszeitlichen Temperaturschwankungen sowie dem Regen/Sonne-Wechsel im Sommer abgestimmt wurde.

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