steinexpo 2023

Großaufgebot in Nieder-Ofleiden

Die steinexpo nahm in der Vergangenheit immer eine Sonderstellung unter deutschen Messen ein, weil sie in einem Steinbruch stattfindet und Baumaschinen direkt am Einsatzort ausprobiert werden können. Dr. Friedhelm Rese, Geschäftsführender Gesellschafter des Veranstalters Geoplan, sprach mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga darüber, was sich seit der letzten steinexpo verändert hat – und worauf sich die Besucher in diesem Jahr freuen können.
ABZ Exklusivinterview Messen und Veranstaltungen
Dr. Friedhelm Rese ist Geschäftsführender Gesellschafter des steinexpo-Veranstalters Geoplan. Foto: Geoplan

ABZ: Herr Doktor Rese, die steinexpo findet erstmals seit 2017 wieder statt. Wie haben Sie als Veranstalter die lange Zeit überbrückt?

Dr. Rese: Mit sehr großen Kopfschmerzen, manchmal sehr großen Bauchschmerzen und zum Teil mit wenig Arbeit. Wir sind durch Corona wirklich vollkommen ausgebremst worden und mussten leider die zwischendurch geplanten Termine verschieben auf das Jahr 2021, in dem schließlich durch die Pandemie bedingt auch keine Messe stattfinden durfte. Wir haben dabei anders als andere Messeveranstalter auch sehr konsequent reagiert, und wo wir Events nicht durchführen konnten, abgesagt und beispielsweise alle Anzahlungen sofort zurück überwiesen. Wir haben durch den Staat eine Kompensation finanzieller Art erhalten, die etwas geholfen hat – aber tatsächlich haben wir bei Geoplan 18 Monate keinen Umsatz machen können.

ABZ: Glauben Sie, dass Sie an den Erfolg der letzten steinexpo 2017 mit der aktuellen Messe anknüpfen können?

Dr. Rese: Absolut. Einerseits haben wir Aussteller-Anmeldungen, die sich von den Zahlen her in der gleichen Größenordnung bewegen, wie 2017. Hinsichtlich der Anzahl der vertretenen Marken gilt dasselbe. Die Flächenbelegung der Messe ist sogar größer geworden und was mich besonders froh stimmt, ist, dass wir alle marktrelevanten Unternehmen aus dem Baumaschinen- und Aufbereitungsbereich tatsächlich vor Ort haben – im Gegensatz zu anderen Messen.

ABZ: Was zeichnet die steinexpo als Messeformat aus?

Dr. Rese: Zwei Dinge. Einerseits findet die Messe in einem der größten aktiven Steinbrüche Europas statt, in dem ungefähr 180.000 Quadratmeter von der Messe belegt werden. Damit verbunden ist auch, dass dort keine von anderen Messegeländen gewohnte Infrastruktur vor Ort vorhanden ist – alles muss herangeschafft und installiert werden. Anderseits zeichnet sich die steinexpo durch ihr Live-Format aus. Sie ist eine Demonstrationsmesse, wo Baumaschinen unter realitätsnahen Bedingungen live vorgeführt werden.

ABZ: Wie haben Sie das Interesse seitens der Aussteller an der Messe wahrgenommen?

Dr. Rese: Im Messewesen bestand nach Corona generell das große Problem, dass eine große Unsicherheit in der Branche spürbar war. Jeder Veranstalter musste sich fragen, ob Aussteller und Besucher wieder wie in der Vergangenheit zu erwarten waren. Auch auf der letzten bauma konnte man beobachten, dass der eine oder andere namhafte Aussteller ferngeblieben ist. Deswegen war es für uns auch schwer abschätzen, ob die steinexpo 23 wieder an die alten Erfolge anknüpfen kann. Aber ich glaube, das kann ich wirklich mit vollem Herzen und absolut bejahen. Wir sind wieder da, wo wir 2017 aufgehört haben. Und wenn ich mir die neuesten Zahlen anschaue, können wir vielleicht sogar noch ein Quäntchen drauflegen.

ABZ: Welche Veränderungen gibt es auf der steinexpo 2023 gegenüber der letzten Messe?

Dr. Rese: Wir haben einerseits inhaltlich ganz massive Veränderungen, die sich aus den aktuellen Entwicklungen der beteiligten Branchen heraus generieren. Das sind drei oder vier Megatrends, die im Moment überall diskutiert werden. Der erste Trend ist das Thema Digitalisierung. Da geht es etwa darum, wie Maschinen vernetzt zusammenarbeiten können, oder wie sie sich gegenseitig selbst regeln und steuern. Der zweite Trend ist das Thema autonome Lösungen. Im Bereich der Baumaschinen nimmt das Interesse an autonomen fahrenden Maschinen stark zu, auch hierzu werden wir auf der Messe Lösungen zeigen können. Das dritte Thema ist der Bereich der alternativen Antriebe, also wie Maschinen elektrisch, mit Wasserstoffzelle oder mit Wasserstoffmotor betrieben werden. Da hat sich in den letzten sechs Jahren unendlich vieles getan, was wir auch auf der Messe abbilden können. Das Thema Nachhaltigkeit spielt eine ebenso große Rolle, auch wenn der Eine oder Andere diesen Begriff nicht mehr hören mag.

ABZ: Sie werben mit dem Slogan, die steinexpo sei "Praxisnah, Leistungsstark, Ungeschminkt". Was steckt dahinter?

Dr. Rese: Praxisnah bezieht sich natürlich auf den Standort. Es gibt keine Messe, wo Maschinen unter so praxisnahen Bedingungen erlebt werden können. Wo auch unterschiedliche Fabrikate am Einsatzort miteinander arbeiten werden. Den Begriff leistungsstark beziehe ich auf verschiedene Bereiche. Natürlich auf die Maschinen selbst, die zweifelsohne leistungsstark sind. Aber auch auf die Messe, ihre Organisation und ihr Angebot, wo ich jetzt einfach mal behaupte, dass das sehr leistungsstark ist. Wir decken thematisch nur eine kleine Branche ab, aber wenn man sich ansieht, dass hier 500 Millionen Tonnen pro Jahr bewegt werden, dann ist das nicht nur leistungsstark, sondern auch ungeschminkt. Ganz ehrlich, wir stehen mit der steinexpo mitten im Steinbruch – mit viel oder weniger Staub. Dazwischen gibt es nichts.

ABZ: Was können die Teilnehmer in diesem Jahr von der Live-Demo erwarten?

Dr. Rese: Sie können dreizehn Groß-Hydraulikbagger, sieben Groß-Radlader und acht Muldenkipper erwarten, die in 87 Live-Demos an vier Tagen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen werden. Das ganze findet in einer Art Arena statt, wo sich die Leute die Live-Demos auch auf Leinwänden anschauen können. Das, was vorne vor Ort erzählt wird, bringen wir sozusagen fokussiert nochmal auf eine große Projektionsfläche. Ein besonderes Augenmerk möchte ich auch auf die Aufbereitungstechnik legen. Wenn sie dort sehen können, was für Maschinen-Riesen auf einigen Ständen ausgestellt werden, und wie diese zum Teil 800 Tonnen Stundenleistungen erbringen, dann ist das schon etwas ganz Besonderes. Ich möchte hier ausdrücklich das Engagement der Hersteller loben, die die großen Maschinen dort aufbieten. Da werden nagelneue Maschinen ankommen, die dann als Gebrauchtmaschinen nach der Messe wieder die Heimreise antreten. Das ist schon allein eine tolle Geschichte. Im Aufbereitungs-Sektor werden wir auch ein kleines mobiles Schotterwerk live sehen, das im Prinzip alle wesentlichen Produkte herstellt.

ABZ: Was sollen sich Besucher unter dem Programmpunkt "Quarry Vision" vorstellen?

Dr. Rese: Die Zukunft der Rohstoff- und Baustoffindustrie. Wir wollen den Blick nach vorn werfen auf die wirkliche Zukunftsstrategie der Rohstoffgewinnung in den kommenden Jahren. Wir führen dazu beispielsweise zur Eröffnungsveranstaltung eine Podiumsdiskussion durch, in der sich alle beteiligten Verbände dazu positionieren werden. Wir wollen dort unter anderem auch die Frage diskutieren, ob und in welchem Umfang das Baustoff-Recycling von morgen tatsächlich eine mineralische Rohstoffgewinnung reduziert oder welche der propagierten Zahlen völlig an der Realität vorbeigehen. Beim Begriff Zukunft denken Viele natürlich sofort an moderne Baumaschinen. Dazu haben wir ein spezielles Areal direkt hinter dem Eingang entworfen, wo solche Zukunfts-Maschinen ausgestellt werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit bekommen wir auch die erste mobile Wasserstofftankstelle in diesem Bereich auf die Messe. Oder ein Command-System eines Hydraulikbaggers, wo gezeigt wird, wie ein Fahrer einen Bagger aus der Ferne steuert. Der Bereich der autonomen Aufbereitung wird natürlich auch dort stattfinden.

ABZ: Für die steinexpo wird eigens eine App angeboten. Was dürfen denn die Smartphone-User da erwarten?

Dr. Rese: In der neuen App versuchen wir alle Informationen zusammenzufassen, die Besucher der steinexpo benötigen. Also einerseits natürlich Alles zur Messe, zu Ausstellern und Produkten, Aber es sollen auch Just in time-Infos einfließen, wie etwa wenn eine Maschine bei den Live-Demos ausfallen sollte, wenn das Wetter nicht mitspielt und ein Parkplatz gesperrt werden muss, oder ähnliches. Auch die Polizei wird hier Verkehrsinfos mit einfließen lassen. Die App ist seit Anfang August verfügbar.

ABZ: Was sind die größten Herausforderungen in der Messeplanung für Sie und Ihr Team?

Dr. Rese: Die größte Herausforderung ist zweifelsohne immer wieder, dass wir bei der steinexpo sehr flexibel, auch noch bis fünf Minuten vor Toresschluss auf Geschehnisse vor Ort reagieren müssen, auf die wir wenig Einfluss haben.

Dabei haben wir allerdings in der Vergangenheit immer wieder gute, pragmatische Lösung finden können.

Aber das ist zweifelsfrei die größte Herausforderung.

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