VDBUM zur bauma 2022

Weiterentwicklung und Digitalisierung im Fokus

Wolfgang Lübberding, Prokurist beim VDBUM und Dieter Schnittjer, Geschäftsführer des VDBUM, erklärten ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga, was den Verband und seine Mitglieder derzeit beschäftigt und wie man sich auf die bauma vorbereitet hat.
Messen und Veranstaltungen
Dieter Schnittjer ist Geschäftsführer des VDBUM. Foto: VDBUM

ABZ: Herr Schnittjer, wo wird denn der VDBUM in diesem Jahr auf dem bauma-Messegelände zu finden sein?

Schnittjer: Wie in den vergangenen Jahren werden wir wieder einen Stand direkt im Eingangsbereich Ost haben. Ein sehr schöner, zentraler Punkt, wo wir mit vielen Menschen ins Gespräch kommen wollen. Und das ist uns in erster Linie wichtig auf dieser bauma. Der VDBUM wird in München erstmals eine neue APP präsentieren, die eine Informationsplattform für die Baubranche einteilt nach allen möglichen technischen Schwerpunkten. Arbeitskreise können hier aktiv ihre Daten ablegen, Mitgliedern ist es möglich, direkt mit einzelnen Kollegen oder auch ganzen Gruppen zu chatten und damit auf das VDBUM-Netzwerk zugreifen. Weiterhin werden am Stand die Digitalen Prüfprotokolle präsentiert, die bei den Fachleuten der Branche sehr gut ankommen.

ABZ: Nach dreieinhalb Jahren Pause und einer terminlichen Neupositionierung. Was sind die Erwartungen des VDBUM an die Messe?

Schnittjer: Unsere Erwartungen gehen in zweierlei Richtungen. Einerseits betreffen sie den technischen Bereich und anderseits die bauma als Medium. Wir möchten die Messe natürlich nutzen, um ein Stimmungsbild in der Branche insgesamt zu erfassen. Bei Bauunternehmen mit massivem Maschineneinsatz kann jeder für sich sehen, dass die Auftragslage auch in den nächsten Jahren vorhanden sein wird, denn die Infrastruktur ist besonders in Deutschland in einem schlechten Zustand. Es muss viel nachgearbeitet werden – und in allen Bereichen, ob bei der Bahn, bei Autobahnen oder im kommunalen Bereich. Daraus resultiert ein sehr hoher Klärungsbedarf, wie das finanziell dargestellt werden soll. Die bauma ist auch ein gutes Medium, um mit der Politik ins Gespräch zu kommen und zu sehen, wie diese letztendlich die Wichtigkeit dieser Branche darstellen wird. Wir hoffen, dass die aktuelle Gemengelage dazu führt, dass die Bedeutung der Branche in der Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung angemessener dargestellt wird.

Lübberding: Im technischen Bereich, beziehungsweise in der technischen Welt wird ja seit vielen Jahren über Antriebstechnologien der Zukunft gesprochen. Über neue Motoren, Aggregate und Antriebssysteme. Und wir wissen von vielen Herstellern, dass sie Wasserstoff-Varianten vorstellen werden, ebenso wie Akku-Technologien. Letztere sind schon so weit ausgefeilt, dass man mit vernünftigen Standzeiten auch bei kompakteren Hochleistungsmaschinen rechnen kann. Da sind wir auch selbst gespannt, was es Neues geben wird. Hersteller sind durchweg sehr innovativ unterwegs, stellen sich den Herausforderungen der Zukunft. Neben den technischen Entwicklungen spielt natürlich der Fachkräftemangel eine große Rolle. Die VDBUM-Mitgliedbetriebe kümmern sich alle um hausinterne Weiterbildung, oder stellen entsprechende Projekte vor. Ich denke, das wird für jeden Besucher ein spannendes Unterfangen, sich mit den ausstellenden Firmen intensiv auseinanderzusetzen, um dort auch vielleicht Chancen für die eigene Zukunft zu erkennen.

Schnittjer: Unsere Erwartungshaltung ist auch, dass auf dieser sehr technisch orientierten Messe für das unsägliche Diskussionsthema "der Verbrennermotor muss weg" eine andere Sensibilität geschaffen wird. Wir ergeben uns ja aktuell geradezu dem Umstand, dass überall, ob in Umweltverbänden, im privaten Bereich oder in der öffentlichen Meinung, über das Aus des Verbrenners gesprochen wird. Das ist eigentlich von der Aussage her, wie wir es empfinden, falsch. Denn letztlich wollen wir alle eine saubere Luft und das kann ja auch mit Verbrennungsmotoren erreicht werden. Ferner besteht die Möglichkeit, Verbrennungsmotoren auch in der Zukunft mit Wasserstoff, beziehungsweise e-Fuel einzusetzen. Vor allem stellt sich die Frage, ob neue Antriebskonzepte dann auch wirtschaftlich sind? Wir diskutieren aktuell in Politik, Verwaltung und in der Öffentlichkeit, dass künftig alles elektrisch, mit Brennstoffzelle in Wasserstoff betrieben werden muss. Das ist zwar alles nachvollziehbar, aber wir sind überzeugt, dass wir auf den Verbrenner in unserer Branche nicht in den nächsten Jahren verzichten können.

ABZ: Was sind aus Ihrer Sicht die Highlights oder Themen der Messe, die auch beim VDBUM eine große Rolle spielen?

Lübberding: Ein generelles Thema ist die Weiterentwicklung der Digitalisierung. Jeder Hersteller kümmert sich darum, das in seinem Portfolio zu integrieren. Das heißt, mit der entsprechenden Steuerungstechnik wird dafür gesorgt, dass Verbindungen zu Anwendungen von Drittherstellern hergestellt werden können. So kann die Möglichkeit geschaffen werden, seine Maschinen an kommerzielle Software anzubinden und dort entsprechende Auswertungen zu erhalten. Dem geneigten User wird so die Möglichkeit an die Hand gegeben, abends zu erfahren, was die Maschine geleistet hat, welchen Kraftstoffverbrauch sie hatte, oder wie viele Stunden sie im Einsatz war. So lässt sich die Effizienz der Maschine möglichst zeitnah feststellen

Schnittjer: Das ist ein ganz wichtiges Thema. Uns geht es ja nicht darum, Einzellösungen zu kreieren, sondern vernetzte Lösung zu erzielen. Und da ist es eigentlich egal, ob das Softwarehaus A und B oder C mit von der Partie ist, sondern wir brauchen eine einheitliche Sprache zwischen den einzelnen Akteuren. Das ist unser Thema beim VDBUM. Und es ist unsere Hoffnung, dass wir diesen Schritt bald hinbekommen. Wir unterstützen die gute Arbeit des VDMA in seinem Arbeitskreis MIC 4.0, um die von VDBUM mit weltweit vernetzten Verbänden geschaffene ISO-Norm 15143-3 und Ergänzungsnormen als einheitliche Standards im Markt zu etablieren und damit allgemein zugängliche Schnittstellen zu schaffen. Den Umsetzungswillen, offene Tools anzubieten, um miteinander sprechen zu können, das können nur die Hersteller gewährleisten.

Wichtig für uns ist in der Zukunft, dass alle mitspielen und diese Öffnung erlauben. Und dass wir die Möglichkeit schaffen, diese Vernetzung herzustellen, weil einzelne vernetzte Maschinen weniger Unternehmen reichen auf der Baustelle nicht für den großen Wurf in der Digitalisierung.

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Wolfgang Lübberding ist Prokurist beim VDBUM. Foto: VDBUM

Lübberding: Wir haben ja seinerzeit die Schnittstelle ISO 15143-3 geschaffen. Die wird ja im Moment direkt überarbeitet. Und ein Ziel war, dass die großen Telematikanbieter sich auf eine einheitliche Schnittstelle geeinigt haben, damit, ein einheitliches Datenformat auf der Baustelle gelebt wird. Der Straßenbau ist dort am weitesten. Dort sind auch verschiedene Anbieter am Start, die sich damit dem Gesamtmarkt öffnen. Und egal ob Rot Grün, Blau Gelb alle Firmen können sich dann auf einer Baustelle miteinander verbinden.

Schnittjer: Hierbei geht es aber nicht nur um die Telematik-Entwicklungen, sondern auch um Arbeitsdaten, etwa wie die Verdichtung läuft, oder welche Mengen Erdaushub wurden in welchem Baustellenbereich abgearbeitet oder zu welchem Zeitpunkt muss das Tankfahrzeug an welcher Maschine stehen.

Deswegen ist es so wichtig, den 15143-3-Standard zu haben, wobei es hier immer noch darum geht, die letzten feinen Nuancen zu klären. Daher ist es so wichtig, dass wir zukünftig die Vernetzung von Maschinen- und Leistungsdaten zur Effizienzsteigerung nutzen können. Denn wir müssen ja mit weniger Personal mehr schaffen und da wird die Digitalisierung ein Stückweit das zentrale Thema sein.

Unsere Mitglieder als Anwender und deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erhalten bereits aktuell und in den nächsten Jahren verstärkt, digitale Anfragen und digitale Aufträge der Auftraggeberseite. Hier gilt es sich darauf einzustellen und nicht Insellösungen anzuschaffen, sondern den Gesamtprozess zu berücksichtigen. Und wir müssen einfach als VDBUM daran arbeiten, dass das Verständnis auch auf allen Seiten wächst. Das ist unsere Verbandsaufgabe und deswegen ist die bauma ein innovatives Forum für uns, auf dem wir immer wieder über solche Themen sprechen können.

ABZ: Beim VDMA wird das Thema unter dem Stichwort MiC vorangetrieben. Inwieweit greifen da ihre Arbeiten ineinander?

Schnittjer: Die MiC 4.0 sorgt für eine Weiterentwicklung der Vorlage, also dieser einheitlichen ISO-Norm. Und es ist genau richtig, was der VDMA da angeschoben hat, auch mit der Kraft der Verbandsstärke des VDMA und dessen Möglichkeiten. Die Anwender hatten sich auch positioniert und kundgetan, dass das benötigt wird. Jetzt sind die Hersteller dran. Und dabei ist es egal, ob der Schlüssel für Leerlauf noch ein bisschen drinsteckt oder ein bisschen gedreht wurde. Es muss einfach nur einheitlich sein. Dem Anwender ist es völlig egal, in welchem Moment alles gleich ist.

ABZ: Welche Themen brennen Ihnen zur bauma noch unter den Fingernägeln?

Schnittjer: Nun ja Dauerthema ist der Fachkräftebereich. Fachkräfte sind für die Baubranche insgesamt ein wichtiger Punkt. Also auch die Fachkräfte-Weiterentwicklung und nicht nur der generelle Mangel. Wir müssen das ganz stark im Fokus behalten, und die Weiterbildung für die Bindung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nutzen. Geschultes Fachpersonal fühlt sich nicht nur sicherer und kompetenter bei der Arbeitsumsetzung, sondern auch wertgeschätzt.

Des Weiteren können mit neuen technischen und digitalen Anwendungen Arbeitsabläufe verschlankt und mit weniger Baustellenpersonal durchgeführt werden. Der VDBUM ist ein Weiterbildungsverband und kein Ausbildungsverband.

Mit unseren Programmen, dem Baumaschinen-Erlebnistag, dem Azubi Cup, und Patenschaften für Studierende und Meisterschüler haben wir da schon einiges angeschoben. Und letztendlich bieten wir auch auf Führungsebene in unseren Gremien den sogenannten Zukunftszirkel für junge Führungskräfte, die eben nicht parallel, aber ergänzend zu unserer Gremienarbeit, Themen anpacken, die vielleicht bei dem einen oder anderen Arbeitskreis stecken bleiben. Also frei denken, in die Zukunft denken, das ist es, wo wir einen Pflock einschlagen wollen.

ABZ: Welches Bild wird die bauma aus Ihrer Sicht in diesem Jahr zeichnen in Bezug auf den Besucheransturm?

Schnittjer: Also ich glaube, viele Menschen werden gern kommen und sich bei uns auf dem Stand mit uns unterhalten oder sich informieren – so wie sie es sonst auch getan haben. Und das einzig spannende, was sich zeigen wird ist, wie dieser Herbsttermin letztendlich ankommt. Aber die bauma hat natürlich einen ganz hohen Stellenwert und wird den auch behalten.

ABZ: Wollen Sie es wagen eine Prognose zu den Besucherzahlen abzugeben?

Schnittjer: Wir fokussieren unser Tun auf den deutschen Markt. Insofern wäre es jetzt ein bisschen unfair, eine Prognose zur Gesamtzahl der Besucher abzugeben. Denn der deutsche Markt ist sicherlich ein ganz entscheidender Markt. Also, das können wir nicht einschätzen. Was wir aber durchaus wahrnehmen ist, dass unsere Mitgliedsunternehmen die bauma als wichtig ansehen, für alle ist die bauma eine Reise wert, aber viele werden das trotzdem sehr kurzfristig entscheiden.

ABZ: Auch die VDBUM-Mitgliedsunternehmen unterliegen derzeit verschiedenen Einflüssen, beispielsweise gestiegenen Energiekosten oder Lieferkettenproblemen. Was macht den Unternehmen zurzeit am meisten zu schaffen?

Schnittjer: Was ganz vornan steht, ist das Thema Treibstoff. Wir haben bei allen Unternehmen energieintensive Baumaschinen, die ihre Leistungen bringen müssen. Und wir haben schon im Mai 2022 – vor einem halben Jahr die Verdopplung der Diesel- und Betriebskosten festgestellt.

Und das hat sich ja noch mal verändert. Und wenn ein mittelständisches Bauunternehmen statt einer Million Euro nun das Mehrfache an Betriebskosten bezahlen muss, dann muss das auch irgendwo herkommen. Und das ist eben die Problematik. Mittlerweile gibt es ja durchaus kalkulierbare Größen, da die Politik ja auch mit der Einführung der Preisgleitklausel bei öffentlichen Aufträgen reagiert hat. An zweiter Stelle steht weiterhin das Thema Fachkräftemangel.

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