Wohnungsbau

Zahl der Fertigstellungen wächst nur langsam

Wiesbaden (dpa). – Die Zahl neu gebauter Wohnungen in Deutschland bleibt trotz eines Anstiegs weiter hinter dem Bedarf zurück. Zwar wurden im vergangenen Jahr 284 800 Wohnungen errichtet, wie das Statistische Bundesamt vor Kurzem in Wiesbaden mitteilte. Das sind 2,6 % mehr als 2016 und so viele wie zu Beginn des Jahrtausends (2002) nicht. Doch um die starke Nachfrage nach Immobilien zu decken, sind nach Ansicht von Politik und Bauwirtschaft weit mehr nötig. "In 2017 haben wir 284 816 Wohnungen gebaut. Das liegt nur knapp unterhalb des von uns erwarteten Niveaus von 300.000 Wohnungen", erklärte dazu Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB. Um deutlich mehr Wohnungen jährlich zu bauen, müsse die Bundesregierung ihr angekündigtes Wohnungsbaupaket schnell auf den Weg bringen. "Denn Investoren warten mit ihren Entscheidungen auf mögliche steuerliche Anreize", so Pakleppa weiter. "Gleichzeitig brauchen wir kostengünstiges Bauland. Auch Länder und Kommunen sind gefordert, mehr in den sozialen Wohnungsbau zu investieren, damit sich die Wohnungsknappheit in den Ballungsgebieten entspannt. Und die Bauvorschriften müssen endlich vereinfacht und von den Ländern einheitlich geregelt werden."

Angesichts der hohen Genehmigungszahlen im gesamten Wohnungsbau von 375 400 in 2016 und 347 900 in 2017 hätten die Fertigstellungen deutlich höher ausfallen müssen, kommentierte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Er sieht eine der Ursachen in der Zunahme von Grundstücksspekulationen. Er appelliert daher an die Politik, gegen die mittlerweile verbreitete Praxis der "Genehmigung zum Weiterverkauf" vorzugehen. Der Bauindustrieverband räumt allerdings ein, dass der Wohnungsbau schneller und effizienter gestaltet werden müsse. Deshalb setze der Verband große Hoffnungen auf einen Durchbruch beim seriellen und modularen Wohnungsbau.

Den Vorwurf aus der Politik, dass die geringen Fertigstellungszahlen auf Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft zurückzuführen seien und dass die Bauunternehmen zurückhaltend auf den Wunsch der Politiker, ihre Kapazitäten aufzubauen, reagieren würden, weist der Bauindustrieverband zumindest für das Bauhauptgewerbe zurück. Die Branche habe innerhalb weniger Jahre ihren Personalbestand aufgestockt: 2017 seien 812000 Personen im Bauhauptgewerbe beschäftigt gewesen, 107.000 mehr als zum Tiefpunkt 2009. Auch in Maschinenkapazitäten werde investiert.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) fordert deutlich mehr Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen, um den Wohnungsbau voranzubringen. Der IG Bau-Bundesvorsitzende Robert Feiger sagte: "Die Zahlen zeigen, dass die Regierung ihre selbstgesteckten Ziele deutlich verfehlt. Grund dafür ist eine zögerliche Politik, die dem Problem der wachsenden Wohnungsnot nicht gerecht wird. Statt kleiner zu werden, wächst die Lücke. Die Mangelversorgung mit bezahlbaren Mietwohnungen und Sozialwohnungen ist sozialer Sprengstoff für unsere Gesellschaft. Die Verantwortlichen in Bund und v. a. in den Ländern fordern wir auf, endlich die notwendigen Weichenstellungen für mehr sozial geförderte und bezahlbare Wohnungen zu treffen."

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