BigMove-Zugmaschinentest 2015

Mit 120 Tonnen auf und ab im Schwarzwald

BigMove Nutzfahrzeuge
Test-Kandidaten waren diesmal BigMove-eigene Zugmaschinen sowie Werksfahrzeuge der Hersteller Mercedes, MAN, Volvo und Scania. Foto: BigMove

SCHRAMBERG/GARCHING (ABZ). - Der Begriff vom 'integrated approach', vom integrierten Ansatz macht bei den Herstellern schwerer Zugmaschinen derzeit vermehrt die Runde. Im Klartext heißt das, Fahrzeugverbesserungen hinsichtlich Kraftstoffverbrauch und Gesamteffizienz sind nur noch integriert, also zusammen mit den Praxis-Profis, den Betreibern zu erreichen.Praxis und Theorie müssen hinsichtlich erfolgreicher Zukunftsbewältigung stärker zusammenarbeiten. Hersteller und Fuhrpark-Betreiber sind aufeinander angewiesen, um Entwicklungen und Ergebnisse weiter verbessern zu können.Zum dritten Mal seit 2007 und 2010 trafen sich daher BigMover und Hersteller zum Schwerlastzugmaschinentest im idyllischen, aber kurvenreichen Schramberg im Schwarzwald. Für die europäische Schwertransport-Kooperation BigMove ging es dabei um Praxiserkenntnisse über die neuen Generationen von Schwerlastzugmaschinen, aber auch um Optimierungs-Potenziale im Fahrbetrieb unter Extrembedingungen. Für die Hersteller bedeutete der Schritt hinaus aus ihren Testumgebungen und hinein in die Praxis ebenfalls wertvolle Erkenntnisse. Insgesamt neun 8x4-Zugmaschinen mit Antriebsleistungen von 510 bis 750 PS absolvierten das sportliche Messprogramm. Verbrauch, Dauerbremsleistung, Transportgeschwindigkeit und Triebstranganalyse spielten bei dem freundschaftlichen Vergleich die Hauptrollen. Am Start waren ausschließlich Euro-6-Fahrzeuge. Gefahren wurde auf der bekannten Teststrecke in Schramberg, die sich mit ihren Haarnadelkurven und 8 % Steigung schon bei den beiden vorausgegangenen Tests als geeignet erwiesen hatte, um derartige Extremsituationen abzubilden.Test-Kandidaten waren diesmal BigMove-eigene Zugmaschinen sowie Werksfahrzeuge der Hersteller Mercedes, MAN, Volvo und Scania. Die Zugmaschinen wurden jeweils mit einem identisch beladenen Flottenauflieger auf die Testrecke geschickt. Die Spedition Gutmann aus Schutterwald hatte hierfür das Chamäleon, den BigMove-Flottenauflieger von Nicolas/Scheuerle sowie das Begleitfahrzeug bereitgestellt. Die 80-t-Konter-Gewichte zur Beladung kamen vom Kran-Spezialist MSG aus Kehl. Insgesamt ergab sich ein Gesamtzuggewicht von rund 120 t. Leichte Abweichungen resultierten lediglich aus den unterschiedlichen Zugmaschinen-Eigengewichten. Testleiter Frank Zeitzen war bei jeder einzelnen Fahrt an Bord, um Messpunkte und Mess-Protokoll eigenhändig zu überwachen. Zusätzlich wurden Zugmaschinen- und Fahrerverhalten elektronisch protokolliert. Jede Zugmaschine war zu diesem Zweck vorab mit einem entsprechenden Computer-Messgerät der Firma Modern Drive verkabelt worden, um Verbrauch, Drehzahlen, Gänge und Fahrzeiten elektronisch zu dokumentieren.Am Test-Samstag trafen sich die Teams der 8x4-Gladiatoren kurz nach Sonnenaufgang am oberen Ende der Teststrecke. Die Scania-Werkstatt Schramberg hatte hierfür auf ihrem Betriebsgelände ein Fahrer- und Materiallager eingerichtet. Bei sommerlichen 30 °C Außentemperatur ging von dort aus ein Gigant nach dem anderen auf die Strecke. Umgesattelt wurde jeweils unter der Aufsicht des talentierten BigMove-Rookies Maurice Bardick von der Geser-Spedition, der mit seinen 19 Jahren bereits ausgiebige Schwertransporterfahrung vorzuweisen hat. Die technische Gesamtleitung des Tests lag bei Georg Tietz, Geschäftsführer der Hegmann Transit sowie Technik-Vorstand der BigMove AG.Die 120 t auf elf Achsen begannen jeweils mit der 4,4 km langen Talfahrt. Gewendet wurde unten im Ort, um im direkten Anschluss dieselbe Strecke bergauf zu bewältigen. Zwischen Berg und Tal liegen dabei runde 300 Höhenmeter Unterschied, aus denen auch das knapp 4 km lange Teilstück mit 8 % Steigung resultiert.Die Test-Ergebnisse lassen auf individuelle Stärken der Zugmaschinen in unterschiedlichen Praxis-Bereichen schließen. Anders formuliert: Zu den unterschiedlichen Brems- und Kupplungstechniken in Kombination mit neuen Motoren zwischen 510 und 750 PS Leistung passen jeweils unterschiedliche Transport- und Unternehmens-Anforderungen.Die kleineren Motoren mit 510 PS ziehen ein wenig schwächer, sind jedoch ebenfalls deutlich effizienter geworden und verbrauchen proportional weniger Treibstoff als ihre großen Brüder. Auf Leerfahrtsituationen hat der geringere Verbrauch daher sehr positive Auswirkungen. Im Mittel rund 5 km/h langsamer stiegen die kleinen Motorisierungen die Testrecke bergauf. Bei 120-t-Lastfahrten in anspruchsvollem Gelände sind den hohen PS-Leistungen die Vorteile jedoch kaum abzusprechen. Hinsichtlich der Fahrleistungen bergauf ergeben sich eindeutige Zeitvorteile bei den starken Motoren. Rund 6 min beträgt bspw. die Zeitdifferenz zwischen gut 500 und gut 700 PS auf dem 4,4 km langen Anstieg. Die Spanne bei der entsprechenden Talfahrt fiel mit nur 2 min deutlich kleiner aus, da alle Fahrzeuge mit vergleichbar starken Zusatzbremsen, Motorbremse und Retarder, ausgerüstet waren.Im Vergleich zum ersten Test vor fast zehn Jahren bewiesen sämtliche Motoren eine höhere Kraftstoff-Effizienz. Bei höheren Geschwindigkeiten und topografisch bedingt hoher Schaltfrequenz wird heutzutage weniger Sprit verbraucht.Insgesamt kristallisierten sich folgende praxis-relevante Erkenntnisse heraus:

  • Die höheren Motorleistungen sind bei Leerfahrten und einfachem Gelände unterfordert.
  • Euro 6 kühlt Retarder besser, daher sind diese belastbarer geworden.
  • Unter 600 PS finden sich bei Berg- und Talfahrten im 16-Gang-Getriebe wirtschaftlichere Gänge als in einem 12-Gang-Getriebe. Dauerbremsleistungen lassen sich damit ebenfalls effizienter bewirken.
  • Für die Gesamteffizienz ist bei anspruchsvollen Schwertransportrouten das professionelle Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine weiterhin der wirkungsstärkste Bereich.

BigMove wird folglich sowohl die Leerfahrtanteile wie auch die Topographie der hauptsächlich gefahrenen Routen noch stärker berücksichtigen, wenn es um die Wirtschaftlichkeit von neuen oder Ersatz-Investitionen geht. Die Hersteller nahmen entsprechend die Erkenntnis mit nach Hause, dass Fahrzeug-Modelle und deren Ausführungen individueller auf bestimmte Einsatzbereiche zugeschneidert werden sollten.Scania-Werkstattleiter Ewald Kurz war es zu verdanken, dass sich auch abseits der Teststrecke Mitarbeiter der unterschiedlichen Fahrzeug-Marken und BigMover in gemütlicher Atmosphäre fachlich hervorragend austauschen konnten. Ein integrierter Praxis-Ansatz also, eine gemeinschaftliche Situation, die in ihrer Vielfältigkeit ansonsten eher Seltenheitswert hat – die aber auf Wunsch aller Beteiligten sicher wiederholt werden wird.

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