Carsten Stratmann ist neuer Regional Vice President Forming & Shoring Europe bei Hünnebeck

Erfahrungen zum Nutzen der Kunden einsetzen

Schalungsspezialist Hünnebeck hat einen Wechsel in der Führung vollzogen. Der frühere Geschäftsführer Martin Hemberger hat das Unternehmen Ende 2023 verlassen. Die Nachfolge in der operativen Führung des europäischen Schalungsgeschäfts hat Carsten Stratmann als Regional Vice President Forming & Shoring Europe übernommen. Stratmann sprach mit ABZ-Redakteurin Alexandra Westermann über seine Pläne im Unternehmen.
Hünnebeck Digitalisierung
Carsten Stratmann ist neuer Regional Vice President Forming & Shoring Europe. Foto: Hünnebeck

ABZ: Herr Stratmann, Sie haben vor kurzem eine Veränderung in der Geschäftsführung der Hünnebeck Gruppe vollzogen. Wie sieht diese aus und was bedeutet dies für das Unternehmen und seine künftige Ausrichtung?

Stratmann: Diese Veränderung war lange geplant. Mein Vorgänger, der bisherige Geschäftsführer Martin Hemberger, hat das Unternehmen nach vielen Jahren Führungsverantwortung für Hünnebeck Ende 2023 verlassen. Er bleibt uns und unserem Mutterkonzern BrandSafway über sein neu gegründetes Beratungsunternehmen verbunden. Ich habe die operative Führung des europäischen Schalungsgeschäfts übernommen, nachdem ich zuvor seit 2015 in verschiedenen Funktionen für Hünnebeck und BrandSafway tätig war – zuletzt als Chief Financial Officer für die Division International. In ihr sind neben dem Schalungsgeschäft auch Industriedienstleistungen, gewerblicher Gerüstbau und Höhenzugangstechnik wie Arbeitsplattformen und Lifte gebündelt. Für die erfolgreiche Weiterentwicklung von Hünnebeck ist diese Erfahrung ein großer Vorteil, den ich natürlich auch zum Nutzen unserer Kunden einsetzen möchte.

ABZ: Wie hat sich der Markt für die Bereiche Schalung, Gerüst- und Sicherheitstechnik in den letzten ein, zwei Jahren für Hünnebeck entwickelt?

Stratmann: Wie unsere Industrie insgesamt haben wir einen Rückgang in einigen Marktsegmenten gesehen, der aus dem aktuellen Wirtschaftsklima resultiert. Unser breites Produkt- und Serviceangebot hat es uns ermöglicht, in den Segmenten stärker zu wachsen, in denen eine hohe Nachfrage besteht – zum Beispiel im Infrastrukturbau. Wir sind gut aufgestellt, um die Bedarfe unserer Kunden in diesen Segmenten zu bedienen.

ABZ: Und was bedeutet das für Ihre Produkte und Lösungen?

Stratmann: Wir haben während der bauma 2022 ein sehr klares Feedback von unseren Kunden bekommen. Mit unseren Lösungen, die für mehr Effizienz und mehr Sicherheit sorgen, und den Produktausweitungen in Richtung Infrastruktur und auch Hochhausbau haben wir ins Schwarze getroffen. Die Kundenakzeptanz ist hoch und gibt uns das Gefühl, auf dem richtigen Wege zu sein. Daneben rücken neue Marktsegmente im Bereich Industrie und erneuerbare Energien in den Fokus, die wir Hünnebeck-seitig, aber auch im Zusammenspiel mit unserer Schwestergesellschaft Brand Energy & Infrastructure Services adressieren. Eine Akquisition im Norden Deutschlands, die wir 2021 getätigt und in Brand integriert haben, hat unsere Kapazitäten in diesem Bereich zusätzlich gestärkt.

ABZ: Wie haben sich Ihre Geschäftsfelder Infrastruktur- und Hochhausbau entwickelt?

Stratmann: Infrastruktur- und regionale Entwicklungsprojekte sind in aller Munde. Die erforderliche Erneuerung der oft maroden Infrastrukturlandschaft muss erfolgen und erfolgt auch, wenngleich die hohe Staatsverschuldung in Europa und langwierige Genehmigungsverfahren Grenzen beim Tempo setzen. Wir sehen viele interessante Projekte und sind zuversichtlich, unseren Baukunden ein kompetenter Partner bei der erfolgreichen Umsetzung zu sein. Der Hochhausbau ist im Zuge der rückläufigen Baukonjunktur etwas zurück gegangen, wird aber mit niedriger werdenden Zinsen und Materialkosten wieder deutlich an Fahrt gewinnen.

ABZ: Wie beurteilen Sie die aktuelle konjunkturelle Entwicklung in der Bauwirtschaft?

Stratmann: Im vergangenen Jahr gab es einen Nachfragerückgang im Wohnungs- und Geschäftsbau. Für 2024 sind die Marktaussichten für diese Segmente nicht viel besser, obwohl der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum hoch bleibt. Die aktuellen Rahmenbedingungen sind nicht vorteilhaft, was sich in der Anzahl der Baugenehmigungen widerspiegelt. In anderen Bereichen gibt es aber weiterhin Wachstum, ich hatte hier bereits die Infrastruktur als Beispiel genannt. Daran können wir partizipieren.

ABZ: Welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf das Marktszenario im Bereich Gerüstbautechnik?

Stratmann: Der Gerüstbau hat den Vorteil, dass er sowohl beim Neubau als auch bei Modernisierungen zum Tragen kommt. Hier sind wir zusammen mit unseren Schwestergesellschaften sehr erfolgreich und können auf langjährige Kompetenz, schnelle und sichere Umsetzung setzen. Wir bieten ein breites Portfolio von Lösungen an, von Schalungen über Gerüste bis hin zu Dienstleistungen, und wir gehören mit BrandSafway zu den weltweiten Marktführern.

ABZ: CO2-Footprint und Nachhaltigkeit sind wichtige Themen – wie stellt sich Hünnebeck bezüglich dieser Themen auf?

Stratmann: Hünnebeck berichtet schon seit 2018 freiwillig über den CO2-Ausstoß im Unternehmen. Als Gründungsmitglied des GSV (Güteschutzverband Europa e. V.) entwickeln wir gemeinsam aktiv Standards für die Schalungsindustrie. Wir sind dabei, unsere Hünnebeck-Nachhaltigkeitsaktivitäten in die globale Konzernstrategie einzubinden und auszubauen. Das Thema ist für uns sehr wichtig!

ABZ: Was sind nach Ihrer Meinung die wichtigsten Trends und Entwicklungen im Gerüstbau?

Stratmann: Sicherheit steht immer an erster Stelle. Alle Entwicklungen unterstehen dem Gedanken, dass die Arbeit mit unseren Systemen sicher ist. Durch die zunehmende Knappheit von Arbeitskräften sind zudem stets solche Entwicklungen im Fokus, die für mehr Produktivität sorgen, so dass mit weniger Zeit- und Krafteinsatz mehr erreicht werden kann. Wir sind in der glücklichen Lage, auf am Markt erfolgreiche Produkte und Lösungen aufsetzen zu können, um diese weiterzuentwickeln und sinnvoll zu ergänzen. Unser Unterstützungssystem ST 60 ist ein gutes Beispiel hierfür. Es ist extrem leicht und damit ergonomisch – kein Teil wiegt mehr als 15 Kilogramm –, der sichere Aufbau ist konstruktiv vorgegeben, und es wird stufenweise um weitere Komponenten wie den neuen Treppenturm ST'Air ergänzt.

ABZ: Was ist Ihre Strategie für das kommende Jahr bezüglich der Produktentwicklung?

Stratmann: Wir werden unsere Produkte konsequent ergänzen, so dass wir unseren Kunden auch weiterhin Mehrwerte liefern und umfassende Lösungen anbieten können. Dabei werden wir das physische Produkt und die digitalen Services miteinander verzahnen. Bei unseren aktuell laufenden Projekten ist die Nachfrage vor allem in der Infrastruktur hoch. Die Produktentwicklung blickt aber natürlich auch bereits auf die Zeit nach der Bauflaute, um den Kunden in den Bereichen Hochhausbau, Wohnungsbau und in den neuen Industrie- und Energiemärkten mit erweiterten Lösungen zur Seite zu stehen. Diese beinhalten Produkte wie auch Services.

ABZ: Die gesamte Branche klagt über Fachkräftemangel. Ist auch Hünnebeck davon betroffen?

Stratmann: Rein quantitativ sind weniger Kandidaten vorhanden, gerade im technischen Bereich. Unsere Internationalität, offene Unternehmenskultur und unsere langfristige Personalplanung helfen uns dabei, alternative Wege in der Gewinnung und Bindung von Fach- und Führungskräften zu gehen. Davon profitiert übrigens nicht nur Hünnebeck selbst. Durch Dienstleistungen im Gerüstbau, in der Vormontage und im Auf- und Abbau von Unterstützungssystemen auf der Baustelle helfen wir gleichzeitig den Bauunternehmen, Personalengpässe zu überbrücken und ihre Produktivität zu erhöhen.

ABZ: Was tun Sie, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten?

Stratmann: Mitarbeiterbindung ist eine Frage der gelebten Unternehmenskultur. Unsere Personalbereiche sind konzernweit verbunden, so dass wir international rekrutieren können. Lokal sind wir stets darauf bedacht unseren Mitarbeitern ein attraktives Angebot von modern ausgestatteten Arbeitsplätzen, Vergütung, Arbeitszeit- und -ortmodellen inklusive Mobile Work anzubieten. Des Weiteren bieten wir attraktive Entwicklungsmöglichkeiten für eine Fachkarriere mit moderner Hard- und Software, Mediaportalen und digitalen Plattformen sowie Leitungskarrieren in unseren erfolgreichen Teams bei Hünnebeck oder in anderen Konzerngesellschaften.

ABZ: Wie werden das Kundenportal myHünnebeck und BIM von den Kunden angenommen und welche Entwicklungen sind in diesem Bereich für die Zukunft geplant?

Stratmann: Unser Kundenportal wird weit über unsere anfänglichen Erwartungen hinaus angenommen. Wir gehen davon aus, dass wir in der Zukunft den wesentlichen Anteil der dokumentierten Kommunikation über das Kundenportal zugänglich machen, um es den Anwendern noch leichter zu machen, alles für das Schalungsgeschäft Notwendige an einer Stelle zu finden. Bei BIM sehen wir bisher keine so hohen Anforderungen, da auch viele unserer Kunden noch nicht mit BIM arbeiten oder es für temporäre Systeme auf Baustellen nicht gefordert ist. Wir sind vorbereitet und schulen unsere Mitarbeiter in diesem Bereich ständig weiter.

ABZ: Wie ist das Verhältnis von Kauf und Miete im Deutschlandgeschäft von Hünnebeck?

Stratmann: In der aktuellen Marktlage stellen wir fest, dass die Investitionsbereitschaft abgenommen hat und mehr gemietet wird. Allerdings glauben wir auch, dass mit der erwarteten Zinswende wieder mehr in Schalungen und Gerüste investiert wird.

ABZ: Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

Stratmann: Klar ist, dass die Anforderungen an Nachhaltigkeit in der Bauindustrie weiter steigen werden. Das bedeutet eine verstärkte Verwendung von energieeffizienten Baumaterialien und Recyclingtechniken. KI, Augmented Reality und BIM werden die Planung, Durchführung und Administration von Bauprojekten verändern. Darauf müssen wir uns einstellen bei der Aus- und Fortbildung der ohnehin knappen Arbeitskräfte. Es kann aber auch eine Chance sein, den Bauberuf gerade für Jüngere wieder attraktiver zu machen. Wir werden ein weiteres Wachstum der Städte sehen, was eine ständige Entwicklung und Modernisierung der Infrastruktur erfordert und große Herausforderungen in Bezug auf Planung, Genehmigung, Finanzierung und Ausführung mit sich bringt. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert Innovation, Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren und die Anpassung an neue Technologien und Praktiken. Die Herausforderungen sind groß – genau deshalb ist der Fokus auf die wesentlichen Themen so entscheidend. Ich sehe Hünnebeck auch für die Zukunft gut aufgestellt als Partner für unsere Kunden.

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