Dreirund statt Dreieck

Mehr als 430.000 Vormauerziegel im Normalformat verarbeitet

Hannover (ABZ). – Leicht war die Aufgabe nicht: Das neue Bürogebäude der Deutschen Bahn sollte auf einem dreieckigen Grundstück und inmitten eines prägnanten Stadtteils in Hannover umgesetzt werden. Mit einer Klinkerfassade aus rotnuancierten Wasserstrichziegeln gelang der historisch-moderne Spagat. Das Gesamtkonzept des Gebäudes wurde mit dem DGNB-Zertifikat in Platin ausgezeichnet.
Wienerberger Fassaden
Die Gebäudeform entwickelt sich als Blockrandbebauung aus der dreieckigen Grundstücksform und orientiert sich mit einer eindrucksvollen Ziegelfassade an den zeitlosen Klassikern der Hannoveraner Mauerwerksarchitektur. Foto: HASCHER JEHLE Architektur/Svenja Bockhop

Man könnte es fast schon majestätische Eleganz nennen, mit der sich das Bürogebäude "Lister Dreieck" der Deutschen Bahn in Hannover präsentiert.

Der Neubau wurde 2019 auf dem Gelände des ehemaligen Zentralen Omnibus-Bahnhofs fertiggestellt und vereint die bisher dezentralen DB-Standorte in Hannover unter einem Dach. Nun ragen an diesem stadträumlich prägnanten Platz dunkelrote, T-förmige Klinker-Lisenen abwechselnd mit großzügigen Glasflächen in den Himmel und bilden eine organisch abgerundete Landmarke. Der Entwurf stammt aus der Feder des Berliner Architekturbüros HASCHER JEHLE Architektur, das 2015 den einphasigen, geladenen Wettbewerb für sich entscheiden konnte.

Als Inspiration für die Fassade des 30 500 m² großen Bauwerks dienten historische Gebäude in Hannover. "Die Materialität der Außenhülle orientiert sich an den zeitlosen Klassikern der Hannoveraner Mauerwerksarchitektur", erläutern die Architekten.

"Auf diese Weise fügt es sich harmonisch in den städtischen Kontext ein." Die Gebäudeform entwickelt sich als Blockrandbebauung aus der dreieckigen Grundstücksform der umgebenden Straßen und staffelt sich nach oben zurück. Rückseitig des Hauptbahnhofs, zwischen dem neuen Zentralen Omnibus-Bahnhof, dem auffälligen VW-Turm, einer Fußgängerzone und einer Hauptverkehrsstraße schafft es der Neubau, sich einerseits optisch zu behaupten und andererseits in die Umgebung zu integrieren: durch eine niedrige Gebäudekante, die abgerundeten Ecken und die Staffelung der oberen Geschosse.

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Wienerberger Fassaden
Die Staffelung des Gebäudes erfolgt gemäß dem ganzheitlichen gestalterischen Ansatz in der sich nach oben verdichtenden Struktur der Fassade. Foto: Wienerberger/Jens Krüger

Der eingesetzte Terca Wasserstrichziegel Naran aus dem Wienerberger-Sortiment unterstreicht diese Baukörper-modellierung durch seine unterschiedlichen Farbakzentuierungen, die die Plastizität der Mauerblenden hervorheben. Für die 9000 m² große Klinkerfassade wurden über 430.000 Vormauerziegel im Normalformat (NF) verarbeitet.

In Zusammenarbeit mit dem Wienerberger-Project-Sales-Team und den ausführenden Firmen Hochtief und Steenfelder Betonwerk kamen bei der Ausführung dieses Großobjektes für die konvex gewölbten, horizontalen Sturzübermauerungen sowie die Klinker-Lisenen der Obergeschosse vorgefertigte Ziegelverblendfertigteile mit einem tragenden, statisch definierten Stahlbetonkern zum Einsatz.

Die Gliederung des achtgeschossigen Baukörpers in Sockelbereich, Hauptbaukörper und oberen Abschluss spiegelt sich in der plastischen Bearbeitung der Fassade wider – diese bildet die unterschiedlichen Funktionszonen des Hauses ab.

"Im Sockelbereich stehen die Pfeiler in einem Raster von 6,75 m und ermöglichen damit für die halb öffentlichen Funktionen wie Empfang, Konferenz, Schulung, Café und Casino eine großzügige Transparenz zum Außenraum", erklären die Architekten.

"Der darüber liegende Hauptbaukörper mit den Bürobereichen zeichnet sich in einem Raster von 1,35 m durch die plastischen und kraftvollen Lisenen ab. Der obere Abschluss des Gebäudes, der die Technikbereiche aufnimmt, wird wiederum durch zurückhaltende Lisenen im Halbraster von 0,675 m geprägt. Die Staffelung des Gebäudes erfolgt also nicht nur in der Kubatur, sondern gemäß dem ganzheitlichen gestalterischen Ansatz auch in der sich nach oben verdichtenden Struktur der Fassade."

Eine Wegmarke setzt auch die Innengestaltung des neuen Verwaltungsbaus. Das weitläufige Atrium ist ebenso wie das Foyer offen für attraktive Nutzungen und vielfältige Möglichkeiten der Begegnung und Kommunikation. Ein Folienkissendach überspannt die große Halle und lässt Licht und Luft in den Innenraum. Auf Grundlage des DB-Programms "flex@work" gestaltete die aib GmbH eine Bürostruktur für agile und kollaborative Arbeitsweisen.

Mit einer äußerst variablen Organisation der Büroflächen und einem vielfältig gestalteten Raumangebot vollzieht sich der Wandel von klassischen Arbeitsweisen hin zu New Work.

Die rund 1000 Mitarbeitenden können durch Desk Sharing örtlich und zeitlich flexibel an wechselnden Arbeitsorten im Gebäude oder auch außerhalb arbeiten; für spezielle Nutzungen stehen unterschiedlich ausgestattete Raummodule zur Verfügung. Als erstes "Flex-Haus" der DB biete der Neubau damit optimale Bedingungen zur Optimierung der Arbeitsprozesse und stellt Mobilität, Flexibilität und Kreativität in den Mittelpunkt.

2020 wurde das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) mit dem Zertifikat in Platin ausgezeichnet.

Das Lister Dreieck hat sowohl in der ökonomischen, ökologischen, funktionalen, technischen als auch bei der Prozessqualität sehr gut abgeschnitten. Bei der umweltverträglichen Materialgewinnung erzielte das Projekt einen Höchstwert.

Während des Bauprozesses wurde unter anderem die Umweltfreundlichkeit des Materialeinsatzes ständig überprüft und sichergestellt.

Auch bei dem Thema Drittverwendbarkeit konnte das Lister Dreieck mit flexiblen Grundrissen punkten, denn eine entsprechende Planung gehörte beim Lister Dreieck von Anfang dazu und wurde konsequent umgesetzt.

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