Entwicklung

Mikrobagger erledigen in Bamberg Ausschachtungsarbeiten für Stahl-Fundament

Caterpillar Bagger und Lader
Cat Mikrobagger schachten den Boden.... Fotos: Caterpillar/Zeppelin

Bamberg (ABZ). – "Wo ist denn der Beton? Habt Ihr den etwa vergessen?" – solche Reaktionen bekommt der Unternehmer Peter Kellner immer wieder auf Baustellen zu hören. Auf diesen Baustoff verzichtet er ganz bewusst. Seine Fundamente kommen ganz ohne aus. Sie sind Eigenentwicklungen und komplett aus Stahl. Auf diese besitzt er mehrere internationale Patente. Unter der Marke SteelRoot werden sie von seiner Firma BFtec GmbH vertrieben. Eingebaut wurden sie kürzlich für acht Flutlichtmaste mit einer Höhe von 16 m. Sie ließ der Sportverein DJK Don Bosco Bamberg 1950 e. V. rund um die neuen Spielfelder installieren, die gebaut werden von der Firma John GmbH Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau an der Rudi-Ziegler-Sportanlage – und das innerhalb von zwei Tagen. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit. Seit mehr als 150 Jahren bestanden Fundamente immer aus bewehrtem Beton. Peter Kellner entwickelte ein neues Fundament ausschließlich aus Stahl, das in den Boden eingebaut wird und welches völlig auf Beton verzichten kann. Als Vorbild diente die Natur in Form einer Baumwurzel – ganz im Sinne der Bionik, die Biologie und Technik mit dem Ziel verbindet, durch Abstraktion und Übertragung von Erkenntnissen, die an biologischen Vorbildern angelehnt sind, technische Fragen zu lösen. Bevor Peter Kellner das Stahlfundament serienreif machen konnte, musste er sich Gedanken machen über dessen Gebrauchstauglichkeit, für welche Anwendungen es besonders geeignet ist und welche Lasten es in den Erdboden einleiten kann. "Das waren grundsätzliche Fragen, die wir im Vorfeld klären mussten. Wir haben lange gebraucht, aber es sollte perfekt ausgereift und so konstruiert sein, dass es Baustellen tauglich ist", führt der Unternehmer aus. Immer wieder stieß er auf Widerstand, Skepsis und Kommentare, wie: "Das geht nicht ohne Beton oder das funktioniert nicht." Doch der Entwickler aus dem hessischen Süß, einer Gemeinde im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, ließ nicht locker und verfolgte seinen Plan. Inzwischen können mehr als 60 m hohe Funktürme, Stahlhallen und nahezu Bauwerke aller Art stabil, sicher ökologisch und wirtschaftlich mit SteelRoots gegründet werden. Damit ist er weltweit der einzige, der ohne Beton gründet und auf diese Weise Funk- und Lichtmaste, Kameramaste für Sport Total TV – zur Übertragung von Fußballspielen – Lärmschutzwände und Stahlhallen stabil und sicher im Erdboden verankern kann. "Wer das Ergebnis sieht, ist hellauf begeistert und kann nicht fassen, dass es eben doch geht", sind die Erfahrungen, die Peter Kellner immer wieder macht. "Wir haben unser System auch schon in kaum tragfähigen Böden wie in Küstenregionen erfolgreich verbaut. Bei solchen Gegebenheiten muss womöglich eine Bodenverbesserung erfolgen", stellt der Entwickler klar. Selbst bei schwierigen Bodenverhältnissen ist SteelRoot allein durch sein geringes Eigengewicht eine Gründungsalternative im direkten Vergleich zum deutlich schwereren Betonfundament.

Den Aushub auf der Baustelle übernimmt BFtec mithilfe zweier Cat Mikrobagger 300.9D. Sie schachten in Bamberg pro Fundament eine Baugrube von 1,4 m Länge, Breite und Tiefe aus, um in diese eines von acht Fundamenten einzubauen. Im Anschluss wird die Baugrube mit dem alten Erdaushub wieder verschlossen und mit einem Rüttler verdichtet. Dann werden die Mastsegmente zusammengesteckt, über ein Klappgelenk mit dem SteelRoot verbunden und hydraulisch aufgerichtet. Unmittelbar nach dem Einbau des Steel- Root kann dann auch schon die Montage des Mastes erfolgen – Aushärtezeiten wie sie bei Beton üblich sind, müssen nicht berücksichtigt werden. Dazu braucht es eine Aufnahme am Mast, an die ein Hydraulikstempel angebaut wird, der mit rd. 150 bar Hebeldruck den Mast aufrichtet. "Dabei wirkt die meiste Kraft", so Kellner. Ist der Mast komplett errichtet und fixiert, werden Stempel inklusive Aufnahme entfernt und die Geländeoberkante wieder plan hergestellt. Aus ästhetischen Gründen verschwindet der Klappmechanismus des Mastes komplett unter der Geländeoberkante. "Unser System kommt ganz ohne Kran aus, der ohne die Hydraulik erforderlich wäre, um die Maste aufzustellen. Außerdem müssen wir keinen Beton anliefern oder Erdaushub wegfahren, sondern können alles, was wir ausheben auch wieder einbauen. Das macht alles sehr ressourcensparend und durchdacht", so Kellner. Sollte der Mast später einmal wieder entfernt werden müssen, bleibt nichts zurück, sondern die Fläche kann wieder in ihren Ursprungszustand versetzt werden. "Der Mast und das Fundament können wiederverwendet oder komplett recycelt werden. Da wir keinen Beton einsetzen, entfällt beim Rückbau das aufwendige Trennen von Stahl und Beton sowie die Entsorgung", so Kellner.


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... für die Stahlfundamente aus.

Früher benannte er seine Eigenkreationen mit dem Oberbegriff Mammut Fundamente. "Damit wollte ich was Großes und Stabiles assoziieren. Doch ein Werbefachmann von der Firma Ultraviolett aus Bad Hersfeld riet mir, den Namen SteelRoot in den Vordergrund zu stellen", so der Firmenchef. Unter diesem Namen seien die Fundamente international so leichter zu vermarkten. Das kann er demnächst überprüfen, wenn er in den Oman fliegt. Dort gibt es Interesse an seinem System, das selbst für den Wüstensand geeignet ist. Seine Idee will der Unternehmer nicht anderen überlassen, sondern selbst auf den Markt bringen. Inzwischen wurden Steel-Roots bereits mehr als 1000 Mal verbaut – und das ohne staatliche Förderung für die Entwicklung in Anspruch genommen zu haben. "Mein Produkt spricht für sich. In der Entwicklung steckt viel Herzblut drin", gesteht Kellner. Daher legt er Wert darauf, dass der Einbau stets fachgerecht unter Anleitung seiner geschulten Mitarbeiter und Subunternehmer erfolgt. "Wir überlassen nichts dem Zufall, sondern denken auch an kleineste Details", meint er.

Das fängt bereits bei dem Transport von Baumaschinen und Werkzeug an. Ein Fahrzeug ist alleine der Werkstatt und ihrem Equipment vorbehalten. In den anderen beiden sind die Cat Mikrobagger 300.9D untergebracht. Für sie wurden zwei Transporter umgerüstet. Aufgrund ihrer kompakten Abmessungen können die 900 kg schweren Geräte im Inneren befördert werden. Eine Spezialfirma baute dafür Ösen und einen Querriegel ein, um die Ladung zu sichern und zu stabilisieren. "Die Geräte müssen zu hundert Prozent sicher verstaut sein. Bei einem Auffahrunfall dürfen sie nicht verrutschen. Auslegt wurden die Transporter mit Gummimatten, damit nichts verrutschen kann. Auch eine LED-Beleuchtung wurde im Laderaum angebracht, denn wenn die Mitarbeiter die Baumaschinen aus den Fahrzeugen über mobile Rampen herausfahren, soll das Umfeld hell ausgeleuchtet sein. "Das macht bei unseren Auftraggebern gleich einen guten Eindruck und das ist schon die halbe Miete. Für mich war es keine Frage, dass wir den Aushub für die Fundamente wieder mit den Cat Baggern machen würden. Seit fünf Jahren setzen wir einen Cat Radlader 907H ein, der auf unserem Betriebsgelände Stahlteile verlädt und auch schon Zugversuche gemacht hat. Da hat sich die Baumaschine sehr bewährt. Aber es liegt auch an den Menschen bei Zeppelin, wie Verkäufer Daniel Siegfried und Serviceberater Thomas Aust der Niederlassung Kassel, dass wir mit solchen Geräten arbeiten. Ich würde sie sofort wieder kaufen. Das sage ich aus absoluter Überzeugung", so Kellner.

Mitarbeiter und Subunternehmer, die den Einbau der Fundamente übernehmen und die Masten ausrichten, werden von BFtec ausgebildet und angeleitet. In Bamberg stemmen vier Mitarbeiter alle Arbeiten rund um die Installation. Subunternehmer Patrick Hugo der Firma PHMontagen und Projektentwicklung GmbH aus Nentershausen, "hat dabei den Hut auf." Als Subunternehmer begleitet er den Einbau und ist der erste Ansprechpartner auf der Baustelle. Schließlich muss für den Entwickler der SteelRoots auch der Gesamteindruck stimmen. "Die Baufelder sind immer sauber und ordentlich zu hinterlassen", meint Kellner. Auch in Sachen Qualität gilt für den Erfinder der SteelRoots Sorgfalt: Zulieferer aus ganz Europa sind in die Produktion miteingebunden und liefern die Teile. Sie sind alle zertifiziert und unterliegen strengen Kontrollen.

Die Maste fertigt die Firma Pfeiffer Stahlrohrmaste GmbH aus Ortenberg. Peter Kellner versteht sich als Konstrukteur und hat schon viele Entwicklungen marktreif gemacht und zum Patent angemeldet. Als nach der Wiedervereinigung unzählige Plattenbauten im Osten der Republik mit Vollwärmeschutz auszustatten waren, konzipierte er den Keri-Anker. So war es möglich, das zusätzliche Gewicht der Außenfassade über die tragenden Betonteile der Gebäude abzufangen. Auch in Westdeutschland sind etliche Bauwerke in der sog. Sandwichbauweise konstruiert und konnten dank seiner Idee energetisch saniert werden. Weitere Entwicklungen, die auf seine Kappe gehen, sind eine wärmebrückenfreie hinterlüftete Außenfassade oder das Fußbodensystem Terra-Clic. Nicht alles, was er sich ausgedacht hat, wurde auch umgesetzt. "Unter zehn Ideen ist eine dabei, die zum marktreifen Produkt wird", räumt er ein.

Bis eine seiner Entwicklung in den Markt eingeführt werden konnte, gingen immer unzählige Praxistests voraus, die von Universitäten und Forschungseinrichtungen begleitet wurden – so auch bei dem Stahlfundament. "Die Fachwelt wollte uns nicht glauben, dass das Fundament bombenfest sitzt. Wir mussten unzählige dokumentierte Tests und Zugversuche durchführen, um das Gegenteil zu beweisen. Dabei kam immer wieder das gleiche Ergebnis heraus: es funktioniert. Das hat bis jetzt jeden verblüfft."

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