Fachkräftemangel bleibt Herausforderung

"Wir haben großen Nachholbedarf an Mitarbeitern"

Baumaschinenhändler Schlüter begrüßte vor Kurzem auf dem Firmengelände in Erwitte nach langer Zeit wieder Gäste – das Motto lautete: "Partnerschaft leben". Thomas Schlüter, Geschäftsführer von Schlüter für Baumaschinen verriet ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga, warum damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung ging, und wie das Unternehmen sich weiter entwickeln soll.
Schlüter für Baumaschinen Bagger und Lader
Thomas Schlüter ist Geschäftsführer von Schlüter für Baumaschinen. Foto: Kai-Werner Fajga

ABZ: Herr Schlüter, ihr Unternehmen durfte pandemiebedingt lange Zeit keine Gäste empfangen. Zu den Schlütertagen konnten Sie jetzt an drei Tagen etwa 1500 Gäste und viele langjährige Partner begrüßen. Wie ging es Ihnen vor der großen Veranstaltung?

Schlüter: Sehr gut – sozusagen motiviert bis in die Haarspitzen. Vor allem, weil man die Träume, die man so in seinem Berufsleben hat, Stück für Stück umsetzen konnte.

ABZ: Wie lange ist es her, dass Sie das letzte Mal hier in Erwitte Gäste empfangen konnten?

Schlüter: Das war 2019 im Herbst. Damals hatten wir rund 650 Gäste und das Ziel gefasst, regelmäßig mit allen Mitarbeitern zusammenzukommen. Wir wollten damit die Möglichkeit schaffen, dass sich alle Partner und Mitarbeiter kennenlernen können. Das war im Sinne eines Zusammenkommens und Zusammenhaltens gedacht. Wir hatten viele neue Mitarbeiter aus unterschiedlichen Unternehmen bekommen, die wir vorher übernommen hatten – und da war der Gedanke des Kennenlernens und Netzwerkens enorm wichtig. Durchaus gegen manche kritische Stimme hatten wir dann eine Nikolausfeier organisiert, die sich im Nachhinein als Volltreffer herausgestellt hatte. Dann ging es los mit Corona und wir hatten Glück gehabt, dass wir da noch einmal zusammen kommen konnten.

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Schlüter für Baumaschinen Bagger und Lader
Bereit im Frühjahr 2020 sollte die neue Firmenzentrale in Erwitte eingeweiht werden, was Aufgrund der Pandemie verschoben werden musste. Foto: Kai-Werner Fajga

ABZ: Wann sollte die nächste Veranstaltung stattfinden?

Schlüter: Im Frühjahr 2020 wäre das gewesen, wir wollten zu der Gelegenheit unsere neue Vertriebszentrale hier in Erwitte einweihen. Aber das war dann ja alles schon nicht mehr möglich.

ABZ: Wie lange musste denn die Veranstaltung im Mai 2022 vorbereitet werden?

Schlüter: Ungefähr ein halbes Jahr. Wir haben das Glück, dass wir eine gute Marketingabteilung mit zehn Mitarbeitern haben, die alles in kurzer Zeit vorbereitet haben.

ABZ: Was hatten Sie sich für die Veranstaltung vorgenommen?

Schlüter: Viele Partner zu treffen, die ich lange nicht gesehen habe. Früher war ich sehr stark im Außendienst engagiert. Und das fehlt mir schon zugegebener Weise. Aber da das Unternehmen sich halt so gut entwickelt hat, war ich eben auch mehr mit strategischen Aufgaben beschäftigt.

ABZ: Schlüter hat zum Jahresbeginn 2022 die Geschäftstätigkeiten kräftig ausgeweitet und GP Baumaschinen übernommen. Wie ist es dazu gekommen?

Schlüter: GP Baumaschinen ist Teil der Günter Papenburg Aktiengesellschaft, mit der wir seit 30 Jahren zusammenarbeiten. Allerdings verfolgen unsere Unternehmen unterschiedliche Strategien. Papenburg und damit auch die GP-Baumaschine war durch Bau-Aktivitäten und Baustoffgewinnung zunehmend bundesweit unterwegs, und hat sich letztlich zu einem großen Konzern mit mehreren tausend Mitarbeitern entwickelt. Wir sind nach wie vor reiner Baumaschinenhändler. Aber durch unsere Aktivitäten, die sich auch sehr stark bei Konzernkunden von Papenburg abspielen, konnten wir uns auch kräftig entwickeln. Und das führte dazu, dass sich Teilbereiche zunehmend überlappten und wir zuletzt wenige Synergien erzielen konnten. Deshalb haben wir Mitte des vergangenen Jahres Gespräche aufgenommen, was letztlich im November letzten Jahres zu einer Einigung führte.

Schlüter für Baumaschinen Bagger und Lader
Zur Feier in Erwitte hatte eine Delegation von Komatsu ein ganz besonderes Geschenk vorbereitet: ein Modell der neuen Schlüter-Zentrale in Erwitte. Foto: Kai-Werner Fajga

ABZ: Das Vertriebsgebiet von Schlüter Baumaschinen wurde damit erheblich erweitert. Wie viele Mitarbeiter sind jetzt neu dazugekommen?

Schlüter: 175 sind dazugekommen. Insgesamt haben wir nun 977 Mitarbeiter.

ABZ: Soll die Tausender-Grenze demnächst geknackt werden?

Schlüter: Genau. Das ist aber weniger, weil das so eine berühmte, magische Zahl ist. Sondern weil uns einfach viele Mitarbeiter fehlen. Besonders in den neuen Unternehmensteilen haben wir da großen Nachholbedarf.

ABZ: Fachkräftemangel ist generell in der Branche ein Problem. Was tun Sie, um dem zu begegnen?

Schlüter: Hauptsächlich bieten wir eine eigene Berufsausbildung, die dezentral verläuft. Hier verfügen wir über drei eigene Ausbilder für die Bereiche Land- und Baumaschinenmechatroniker. Aktuell haben wir knapp 100 Azubis. Tendenziell fehlen uns aber Auszubildende und so wird Lobbyarbeit für unser Handwerk immer wichtiger. Wir wollen junge Leute von dem, was wir hier tun, begeistern. Ein Vorteil unseres Berufsfelds ist, dass etwa Monteure, die für uns arbeiten, ihr eigener Boss sind und jeder Auftrag anders ausfällt. Aber der Beruf des Land- und Baumaschinenmechatronikers bietet auch viele Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, wie zum Beispiel zum Baumaschinen-Vertriebsmitarbeiter, Produktspezialisten, oder zum Meister. Unseren Azubis stehen auch Karrieremöglichkeiten bis hin zu Leitungspositionen oder zur Geschäftsführung offen. Meine eigene Ausbildung hat auch mal so begonnen und ich möchte das nicht missen, denn am Ende geht es immer noch um eine Baumaschine – egal wie stark die Oberfläche digitalisiert wurde. Das wird uns auch noch lange so erhalten bleiben.

ABZ: Herr Schlüter, Lieferschwierigkeiten plagen die ganze Branche und seit kurzem auch der Krieg in der Ukraine. Inwieweit hat sich das bisher auf Ihre Geschäftstätigkeiten ausgewirkt?

Schlüter: Ich wollte fast sagen, das hat sich noch gar nicht ausgewirkt, aber das stimmt natürlich nicht. Wir haben bis zur Stunde keine gravierenden Lieferprobleme, sondern nur Verzögerungen, die aber noch im Rahmen bleiben. Was auch damit zu tun hat, dass sich unsere Kunden bereits daran gewöhnen mussten, dass Lieferzeiten länger werden. Aber von Totalausfällen blieben wir bisher verschont. Was Ausfälle durch die Lieferung von Komponenten angeht, lassen sich da Ausfälle in Zukunft nicht ausschließen. Denn etwa Stahl-Lieferungen aus der Ukraine werden wir hier in Deutschland nicht kompensieren können.

ABZ: Was sind die Ziele nach der Übernahme von GP Baumaschinen für das aktuelle Jahr?

Schlüter: Also erst mal geht es darum, dass wir die gemeinsame Marktbearbeitung aufnehmen und Synergien heben. Die größte und wichtigste Synergie in der Zusammenarbeit zwischen den Unternehmensteilen ist, dass wir im Service bei den Monteuren in Baustelleneinsätzen durch gemeinsame Koordinierung Ressourcen schonen können. Das ist das Allerwichtigste. Die zweite ist, dass wir gemeinsame Kundenbesuche vornehmen können, weil wir Konzernkunden ansprechen, die überregional tätig sind. Und bei denen wir nun die Steuerung besser koordinieren können. Und letztlich setzen wir aktuell eine gemeinsame ERP-Unternehmenssoftware um, die uns die Möglichkeit gibt, miteinander zu arbeiten und zu kommunizieren, was das Warenwirtschafts-Tagesgeschäft angeht.

ABZ: Was sind ihre Planungen zur bauma im Herbst?

Schlüter: Wir werden mit voller Präsenz da sein. Auch schon allein deshalb, weil wir mit Komatsu, Sennebogen, NPK, Topcon und G-Tec mit deren Lieferanten DJI und Propeller mit Partnern auftreten, was eine gegenseitige Motivation für uns bedeutet. Und wir wollen diese bauma auch gern dazu nutzen, junge Leute anzusprechen, um sie für eine Ausbildung zu begeistern. Wir haben uns entschieden teilzunehmen, trotz der enormen Erhöhung der Kosten, die dieses Jahr zwischen 30 und 50 Prozent höher liegen werden. Es ist für uns eine Verpflichtung und Ehrensache, diese Messe voll zu unterstützen.

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