Getrennte Wege

Eisenbahnüberführung lässt Stadtverkehr ungehindert fließen

Sarstedt (ABZ). – Die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße in Sarstedt braucht dringend Entlastung. Sie kreuzt die Bahnstrecke Hannover Hbf – Kassel Hbf. Für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer heißt das, dass an dieser Stelle 70 % des Tages nichts geht. So oft ist der Bahnübergang nämlich für den Straßenverkehr gesperrt. Die Folgen sind Rückstau und Behinderungen bis zur Kreuzung Nordring/Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße und verkehrstechnische Belastungen für das gesamte Stadtgebiet.
Straßenbautechnik
In Sarstedt wird eine Straße "tiefer" gelegt. Foto: Echterhoff

Durch eine planfreie Querung sollen diese Belastungen aufgehoben und ein zügiger Verkehrsfluss gewährleisten werden. Oder anders formuliert: Mit Hilfe eines Trogbauwerks wird die Straße einfach eine Etage tiefer gelegt, unter die Bahnstrecke. Positiver Nebeneffekt: Durch die Verstetigung des Verkehrs sinkt die Emissionsbelastung.

Einfach eine Straße tiefer legen kann natürlich nur, wer Experte auf diesem Gebiet ist. Untergraben wird die Bahnstrecke deshalb von der ARGE aus den Unternehmen Echterhoff und Kemna, die den Zuschlag für den Auftrag bekamen.

Er umfasst den Bau eines Straßentrogs, eines teilweise gemeinsam mit dem Straßentrog geführten Geh- und Radwegtrogs, eine Eisenbahnüberführung und die Überführung der Ziegeleistraße. Ein paar Schwierigkeiten – das Bauwerk liegt vollständig im Grundwasser, weshalb eine ständige Grundwasserhaltung durchzuführen ist. Und auch ein paar Bedingungen: Während der gesamten Bauzeit war und ist die Befahrbarkeit der Bahnstrecke Hannover – Kassel so wenig wie möglich einzuschränken. Aufgrund der hohen Frequentierung der Strecke standen der ARGE kurze, vorher festgelegte Sperrpausen im März und April 2021 zur Verfügung, um Arbeiten im oder am Gleis durchzuführen.

Einen Endtermin gibt es auch: Bis zur nächsten Sperrpause Anfang November müssen bestimmte Arbeiten fertig gestellt sein, sodass die Deutsche Bahn die neue Brücke in Betrieb nehmen kann.

In den Sperrpausen im März und April dieses Jahres wurde eine Hilfsbrückenkette installiert. Zum einen, damit der Verkehr während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten werden konnte. Zum anderen, um anschließend auch die Arbeiten unter dem Gleis durchführen zu können. Trick war, die Sperrpausen dicht nacheinander zu legen und jeweils ein Gleis für den Zugverkehr freizuhalten. Also in der ersten Pause Durchfahrt auf Gleis 2, nicht auf Gleis 1, in der zweiten Pause dann umgekehrt.

Vom 26. bis 29. März und vom 3. bis 5. April dieses Jahres wurde rund um die Uhr gearbeitet, die Sperrzeiten waren auf jeweils 55 Stunden festgelegt. In denen dann einiges passieren musste: Zunächst wurde die Oberleitung verschwenkt, damit der stromführende Fahrdraht nicht gefährlich wurde. Das Gleis inklusive Gleisschotter mussten ausgebaut, der Boden unterhalb des Gleises ausgekoffert werden. Beim Einbau von vier Rohrsteifen zur Aussteifung der Bohrpfahlwände half ein Autokran. Anders hätte die 35 m langen Rohrsteifen mit einem Gewicht von jeweils 18 t und einem Durchmesser von 1,21 m wohl nicht bewegt werden können. Im Anschluss erfolgte die Herstellung der Hilfsbrückenauflagerbalken, Voraussetzung für den Einbau der Hilfsbrücken. Hier war wieder ein Autokran behilflich, denn jede Brücke hat ein Gewicht von 50 t. Danach noch das Gleis wiederherstellen, die Oberleitung umschwenken, und der Zugverkehr hatte wieder freie Fahrt. Aktuell werden die Trogblöcke 7–11 hergestellt, wofür insgesamt rund 2000 m³ Beton und 384 t Betonstahl verbaut werden. Den Anfang macht Block 11, der dann als Zufahrtsweg für die Blöcke 9 und 10 dient. Sie liegen unter den Hilfsbrücken und können nicht mit einem Kran bedient werden. In Block 8 wird zusätzlich noch ein Pumpenhaus errichtet.

In Nebenlage werden die Eisenbahnüberführung und Straßenüberführung der Ziegeleistraße als sogenannte WIB-Überbauten vorgefertigt. WIB – Walzträger im Beton – ist eine Verbundbauweise im Brückenbau. Die Überbauten werden eingehoben, sobald alle Unterbauten des Troges fertig sind.

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