Hydrema zur bauma 2022

Exklusive Neuvorstellungen zur bauma

Martin Werthenbach, Vertriebsleiter Marketing Deutschland und Mario Haun, Serviceleiter Deutschland, erklären ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga, welche Themen dem Hersteller zur bauma unter den Fingernägeln brennen.
Hydrema Bagger und Lader
Martin Werthenbach (l.) ist Vertriebsleiter Marketing Deutschland und Österreich bei Hydrema, Mario Haun ist Serviceleiter Deutschland. Foto: Kai-Werner Fajga

ABZ: Wie präsentiert sich Hydrema auf der diesjährigen bauma?

Werthenbach: Also wir freuen uns, dass wir durch die eine oder andere Absage einiger Teilnehmer dieses Jahr einen sehr schönen Platz bekommen haben, schön auf dem Freigelände Mitte vertreten sind. Das Gelände insgesamt ist sogar etwas größer geworden, immerhin 85 Quadratmeter mehr als letztes Jahr. Wir werden, im Vergleich zum letzten Jahr ein Exponat mehr zeigen, ansonsten wird unser Stand aber wieder erkennbar sein. Mario Haun und ich haben Messen zusammen mit der Konzernleitung in den Jahren 2016 und 2019 organisiert, und wir setzen da schon auf eine gewisse Kontinuität und einen Wiedererkennungswert.

ABZ: Was gibt es denn an Neuheiten zu vermelden von Hydrema?

Werthenbach: Wir werden ein paar Neuheiten zur bauma vorstellen, die wir allerdings erst exklusiv auf der bauma lüften dürfen. So viel darf ich aber sagen – es wird etwas sein, das unseren City-Bagger noch mal enorm aufwertet. Mit einem komplett neuen Display, das aus einem zehn Zoll großen Bildschirm besteht, werden wir die Steuerung der Maschine insgesamt deutlich vereinfachen. Selbst das Kamerabild, das je nach Option auch eine 360-Grad-Ansicht zeigt und mit neuen Hochleistungskameras dargestellt wird, ist gestochen scharf. Die Menüs sind absolut bedienerfreundlich und in der Darstellung sehr hochwertig, was auch schon Händler bestätigt haben, denen wir das zur Vorbereitung auf die Messe in einem exklusiven bauma-Seminar gezeigt haben.

Außerdem werden wir von LEICA eine Maschinensteuerung anbieten, die von uns ab Werk in drei Ausstattungsstufen angeboten wird. 2D und 3D-Ready. In dieser Ausführung entscheidet der Kunde, ob er ausschließlich mit 2D arbeiten will, oder ober er hin und wieder die 3D-Steuerung nutzen möchte. Bis hier hin ist kein zusätzlicher Bildschirm erforderlich, da diese Steuerung auch über das neue Display abgebildet wird. Mit der 3D-Steuerung, der dritten Ausstattungsstufe wird jedoch noch ein weiteres Control-Display erforderlich. Zu sehen sein wird das neue Display in einem MX20G, den wir über eine komfortable Leiter "begehbar" gemacht haben, sowie auch über eine Demo-Konsole, die in unserem Stand ausgestellt sein wird. Selbstverständlich sind auch das Compact Beast, der überarbeitete MX14G, oder der MX17G auf dem Stand mit diesem Display ausgestattet.

Und natürlich beschäftigen wir uns wie alle anderen auch mit alternativen Antriebstechnologien. Auch da werden wir etwas Neues präsentieren. Unsere Ingenieure haben in Zusammenarbeit mit ZF eine vollelektrische Betriebseinheit für unseren neuen elektrischen Dumper, den DT6, entwickelt. Diese Maschine wird alle tollen Eigenschaften eines Hydrema-Dumpers behalten, die da sind extreme Geländetauglichkeit, Kompaktheit, Knicklenkung, Hervorragende Sicht, niedriger Einstieg, niedriger Bodendruck und Multi-Tip Steuerung für die Drehmulde. Dank dem vollelektrischen ZF-e-trac-Antriebsstrang ist der Geräuschpegel sehr niedrig. Die 90-Volt-Lithium-Ionen-Batterie sorgt für eine Einsatzzeit von acht Stunden, wobei in der Pause kurz nachgeladen wird. Die Batterielebensdauer wird mit acht bis zehn Jahre angegeben. Die Maschine ist auch rein optisch sehr attraktiv und spiegelt ihre Kraft wieder, die sie im Gelände entwickeln soll. Immerhin 5,5 Tonnen Nutzlast, hervorragende 50 Prozent Steigungsfähigkeit und 3,5 Kubikmeter Ladevolumen sprechen für diese nur 2,56 Meter hohe und 2,18 Meter breite Maschine. Wie diese Maschine aussehen wird, kann man auf der bauma bewundern.

ABZ: Also wird sich da Hydrema bezüglich dem Thema alternative Antriebstechnologien auf der bauma positionieren?

Werthenbach: Das ist ein Thema, was wir natürlich auch beantworten werden. Ich bewundere den Mut, den viele haben, und die bereits sehr in bestimmte Richtungen vorpreschen. Wenn ich sehe, wie weit die Technologien sind, dann ist da vieles noch längst nicht so, als dass es Kunden wirklich fachgerecht anwenden könnten. Unsere Konstrukteure machen sich da sehr, sehr viele Gedanken und wir werden eine Lösung zeigen, von der wir glauben, dass Hydrema da eine wirklich gute Antwort bieten kann. Aber auch der DT6 ist zunächst nur eine Konzeptstudie.

ABZ: Welche Erwartungen stellen Sie an die bauma in diesem Jahr?

Werthenbach: Die bauma steht in diesem Jahr durch Corona und die Krisen in der Welt unter einem etwas schlechten Licht. Auch was die Verschiebung des Messezeitpunkts von April auf Oktober angeht, ergibt das eine Herausforderung für uns als Aussteller. Wir haben uns jedenfalls vorbereitet auf die kalten Witterungsverhältnisse Ende Oktober. Wir waren aber auch auf vielen anderen Messen in Deutschland vertreten, unter anderem auf der TiefbauLive, auf der NordBau und auf der GaLaBau zumindest als Besucher. Aufgrund des Feedbacks, dass wir dort gesammelt haben sind wir uns sicher, dass die Besucher auch zur bauma kommen werden. Wir teilen nicht die Sorge mancher, dass die Messe weniger stark besucht wird, sie wird gut gefüllt sein. Und insofern wollen wir natürlich sehr viele Kunden bei uns am Stand begrüßen und ihnen unsere Neuheiten zeigen.

ABZ: Möchte Hydrema die Messe eher zur Kontaktpflege nutzen, oder um neue Interessenten anzusprechen?

Werthenbach: Sowohl als auch. Natürlich geht es auch darum, Kontakte zu pflegen. Sehr viele Kunden wollen uns auf der bauma besuchen. Aber natürlich wollen wir auch viele neue Kunden gewinnen.

ABZ: Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind Leitthemen der Messe. Wie stellt sich Hydrema zu diesen Themen auf, seitens des Unternehmens und auf der Produkteseite?

Werthenbach: Beides ist bei uns schon immer ein großes Thema gewesen. Was Nachhaltigkeit betrifft, hat Hydrema schon immer größten Wert darauf gelegt, Maschinen sehr hochwertig aufzubauen. Unsere Maschinen bieten schon lange die Möglichkeit, Bio-Diesel zu tanken. Was die Digitalisierung betrifft, haben wir 2019 eine eigene Telematiklösung vorgestellt. Wobei wir festgestellt haben, dass der deutsche Unternehmer doch recht konservativ ist, was die Annahme solcher Technologien betrifft. Da sind andere Länder viel, viel weiter. Wobei die Vorteile solcher Lösungen auch für uns als Hersteller groß sind, etwa was die Servicebetreuung der Maschinen angeht.

Haun: Wir wollen schon proaktiv beim Kunden beziehungsweise bei der Maschine sein, und dabei helfen solche Lösungen sehr. Weil es darum geht, Schäden vorzubeugen und mögliche Fehler im Vorfeld auszuschließen. Sollte ein Serviceintervall fällig sein, kann uns das System eben vorher informieren – und natürlich auch den Kunden. Wir machen da gern den ersten Schritt auf den Kunden und informieren ihn darüber, dass die nächste Wartung in 50 Stunden oder in 100 Stunden fällig ist. Das ist die eine Seite der Medaille, auf der anderen Seite ist eine solche Lösung sehr hilfreich bei der Fehlersuche. In erster Instanz muss jetzt nicht mehr der Techniker zum Kunden fahren und die Diagnose durchführen. Vielmehr können wir die Lösung dazu nutzen, uns auf die Maschine zu schalten und schauen, wo eventuell ein Fehler vorliegen könnte. So können wir Kunden dann gleich den einen oder anderen Tipp geben und helfen, kostspielige Anfahrkosten zu vermeiden.

Werthenbach: Man muss dazu ergänzen, dass wir seit der Einführung dieses Systems und auch bei der Übergabe an den Kunden sehr dänisch korrekt sind, denn jeder Kunde muss explizit ein Dokument unterschreiben, dass es uns als Hersteller erlaubt, die Daten einzusehen. Bekommen wir das nicht, haben wir da auch keinen Zugang zu den Daten.

ABZ: Das heißt, in der Standardausrüstung der Maschine ist eine Telematik-Anwendung vorhanden und wird erst im Nachgang freigeschaltet?

Werthenbach: Ja. Und das für jeden Kunden über drei Jahren kostenfrei. Mit der Freigabe können der Händler oder wir als Hersteller die Maschine über dieses Tool betreuen. Die Lösung von Hydrema ist auch so konzipiert, dass die Daten in Drittanwendungen eingebracht werden können, unter denen der Kunde etwa seine anderen Baumaschinen verwaltet.

ABZ: Telematik war schon ein gutes Stichwort. Wird es weitere neue Lösungen in Bezug auf die Digitalisierung und Automatisierung in Baumaschinen geben?

Werthenbach: Um es mal auf den Punkt zu bringen – ich bin fest davon überzeugt, dass Baggerfahren, so wie wir es mit unseren Maschinen betreiben, echtes Handwerk ist. Und zwar das Handwerk des Fahrers. Und das kann man letztlich nicht automatisieren. So etwas mag im Tagebau funktionieren, wo wiederkehrende Abläufe vorhanden sind. Das kann eine Baumaschine ferngesteuert oder automatisch erledigen, aber so etwas geht nicht in einer Baustelle mitten in der Stadt. Dazu gibt es zu viele unbekannte äußere Einflüsse, sowie Abläufe und Aktionen, die vor Ort individuell und immer neu gesteuert werden müssen.

ABZ: Was sind für Hydrema die wichtigsten Themen in diesem Jahr?

Werthenbach: Ein Trend sind sicherlich alternative Antriebe, aber ein anderer ist Effizienz und Kosteneinsparung, wobei wir hier schon lange Antworten liefern. Wir nennen das bei Hydrema einfach "kompromissloses Arbeiten". Und wir sprechen immer gern mit dem Kunden über "Flotten-Optimierungsmaßnahmen", weil unsere Maschinen wirklich eine große Bandbreite im Einsatz zu erfüllen haben. Und da bieten wir einige Ansätze, die wir immer zeitnah und aktuell mit Kunden besprechen. Allein die Tatsache, dass unser Mobilbagger schon immer für den Einsatz mit Tiltrotatoren und daher für den Einsatz mit Palettengabeln konzipiert und optimal vorbereitet gewesen ist, zeigt richtungsweisend wie breit gefächert das Einsatzspektrum der Maschine ist.

ABZ: Wie beurteilen Sie die aktuelle konjunkturelle Entwicklung in der Bauwirtschaft?

Werthenbach: Der Bau ist eine sehr wichtige Größe in der Industrie im Allgemeinen. Und wenn wir zurückblicken, hatten wir auch mit der ersten Corona-Welle gewisse Befürchtungen. Aber sowohl 2020, 2021 und auch dieses Jahr sind sensationell gut für Hydrema und für alle Baumaschinenhersteller verlaufen. Und wenn wir in die Zukunft blicken, dann sehen wir jetzt schon, dass gewisse Produkte bei uns auch im Jahr 2023 schon nahezu ausverkauft sind. Also insofern geht es uns in der Bauindustrie gut. Mit Blick auf die Entwicklungen, die beispielsweise notwendig sind, um die Gas- und Stromversorgung zu gewährleisten, darf man davon ausgehen, dass die Bauwirtschaft davon auch weiterhin profitieren wird. Es müssen Leitungen gelegt werden, um die Windparks anzuschließen und es müssen Leitungen gelegt werden, um neue Gas-Trassen zu bauen.

Und es gibt auch andere Bereiche wie etwa preiswertes Bauen, die immer stärker werden und von den wir profitieren können. Also der Bau ist gut beschäftigt, auf Jahre hinaus. Wichtig ist, dass die Politik da mitmacht und die richtigen Maßnahmen trifft. Und da habe ich natürlich auch noch ein besonderes Anliegen auf dem Herzen; Das Thema Fachkräftemangel beschäftigt uns natürlich, und an einer Stelle werden Bauunternehmer in Deutschland seit Jahren besonders benachteiligt – nämlich beim Führerschein für den Dumper. In der Landwirtschaft dürfen 16-Jährige mit dem Trecker-Führerschein große Trümmer über die Straße fahren, die viel größer sind als unsere schlanken Dumper. Und während dort Jugendliche eine einfache Prüfung ablegen können, benötigen Dumper-Fahrer noch immer einen kompletten Lkw-Führerschein.

Der Führerschein kostet den Bauunternehmer viel Geld, gleichzeitig erwirbt der Mitarbeiter eine Qualifikation, die ihn für den gesamten Arbeitsmarkt sehr attraktiv macht. Und dies führt oft dazu, dass Fachkräfte abwandern. Hier sollte eine geänderte Gesetzgebung Bauunternehmen besser unterstützen und dafür sorgen, dass der Zugang für Interessenten einfacher wird. Ich würde mir sehr wünschen, dass dieses Thema auf der bauma eine größere Öffentlichkeit erzeugt. Der VDBUM hat sich da auch sehr stark gemacht und führt schon Gespräche mit politischen Entscheidern, um das zu unterstützen. Auch der VDMA ist an dem Thema da dran. Ich hoffe, dass wir da wirklich die Kurve kriegen und eine Entlastung per Gesetz bekommen.

ABZ: Die ganze Branche leidet unter Rohstoffengpässen oder Lieferkettenproblemen. Inwieweit ist Hydrema betroffen?

Werthenbach: Wir haben den großen Vorteil, dass wir von jeher sehr hochwertiges Material einkaufen. Unser Stahlbau bekommt schon seit Jahren das Rohmaterial aus Schweden, da haben wir keine Engpässe gehabt. Bei Lieferanten, wie zum Beispiel dem Motoren- oder Reifenlieferanten unterliegen wir ähnlichen Einflüssen wie alle Hersteller, da bleiben wir nicht verschont. Tatsächlich haben auch wir Lieferverzögerungen. Aber bei uns sind alle sehr bemüht, versprochene Lieferzeiten auch einzuhalten.

ABZ: Welchen Stellenwert nimmt das Thema Service bei Hydrema ein?

Haun: Das ist für uns ein ganz großes Thema, denn wir sind als kleiner Maschinenhersteller mit jeder Maschine eng verbunden. Jede Maschine, die wir ausliefern, ist unser Baby und jeder Kunde, der unsere Maschine hat, macht uns stolz. Und wenn es da mal ein Problem gibt, also wenn es mal in der Bedienung hakt oder AdBlue fehlt, dann helfen wir so schnell wie nur möglich.

Auch bei größeren Problemen sind wir zeitnah, mit Herzblut und großem Engagement beim Kunden. Und unsere Kunden honorieren auch, dass man da nicht irgendwie bei einer 0800-Servicenummer landet, sondern ganz gezielt bei persönlichen Ansprechpartnern.

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