ifo-Institut

Halbierung des Wohnbaus erwartet

München (dpa). – Das ifo-Institut erwartet einen deutlichen Rückgang beim Neubau von Wohnungen. Im Jahr 2025 erwartet ifo-Experte Ludwig Dorffmeister nur noch etwa 200.000 neue Wohnungen, davon 175.000 in neuen Wohngebäuden, wie das ifo jetzt mitteilte.
Wohnungspolitik
Der Rohbau von Wohnhäusern im Zentrum der Stadt. Das Ifo-Institut erwartet einen deutlichen Rückgang beim Neubau von Wohnungen. Foto: picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Das wäre nur halb so viel, wie von der Bundesregierung jährlich angepeilt. Auch die Baugenehmigungen als Indikator für die Fertigstellungen fallen trübe aus: Im April wurden noch gut 21.000 Wohnungen bewilligt, fast ein Drittel weniger als im Vorjahr, berichtete das Statistische Bundesamt jüngst. Im vergangenen Jahr waren es laut ifo unterm Strich noch insgesamt 295 300 neue Wohnungen.

Schon im laufenden Jahr wird diese Zahl der Prognose zufolge aber auf 275.000 fallen, 2024 auf 235.000. "Wohnungsbauprojekte haben sich durch die deutlich gestiegen Baukosten und die stark erhöhten Zinsen enorm verteuert", erklärt Dorffmeister die Entwicklung. "Gleichzeitig gab es eine kräftige Reduzierung bei der staatlichen Förderung. Das zusammen mit anderen, schon länger bestehenden Problemen wie hohen Grundstückspreisen, übermäßiger Bürokratie und kommunalen Auflagen hat das Fass zum Überlaufen gebracht, sodass die Wohnungsbautätigkeit in den kommenden Jahren noch weiter schrumpfen wird."

Bereits seit vielen Monaten stoße die "große Mehrheit der Bauträger" keine neuen Vorhaben mehr an, sagt der Experte. "Die aktuell verbuchten Aufträge gehen auf Projekte zurück, die schon zu weit fortgeschritten sind, um sie abzubrechen." Daneben gebe es aber weiterhin Bauvorhaben im hochpreisigen Segment, für deren Kunden die gestiegenen Kosten keine Rolle spielten.

Insgesamt klagte im Mai allerdings gut ein Drittel der vom ifo befragten Wohnungsbauunternehmen über Auftragsmangel. Materialknappheit, die der Branche in den vergangenen beiden Jahren Probleme bereitet hatte, spielt dagegen keine besonders große Rolle mehr.

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, dass pro Jahr 400.000 neue Wohnungen entstehen sollen. Erst Ende Mai hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) noch bekräftigt: "Auch wenn die Zeiten gerade sehr stürmisch sind, was dieses Ziel betrifft, wir lassen davon nicht ab, auch nicht angesichts der gestiegenen Zinsen."

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erwartet, dass dieses Jahr maximal 250.000 Wohnungen fertig werden. Und der Branchenverband ZIA geht davon aus, dass 2025 rund 700.000 Wohnungen fehlen werden.

Unterdessen hat sich der Rückgang der Baugenehmigungen beschleunigt. Der Fall auf 21 200 bewilligte Wohnungen im April bedeuteten den stärksten Rückgang seit März 2007, teilte das Statistische Bundesamt mit. Von Januar bis April wurden 89 900 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt, gut 27 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark ging dabei die Zahl der Baugenehmigungen bei Zweifamilienhäusern zurück (–52,1 Prozent). Bei Einfamilienhäusern gab es ein Minus von 33,5 Prozent und bei Mehrfamilienhäusern einen Rückgang von gut 27 Prozent. Trotz großer Nachfrage nach Wohnraum sinkt die Zahl der Baugenehmigungen bereits seit Mai 2022.

Der Bundesverband Freier Immobilien und Wohnungsunternehmen (BFW) sprach von einem drastischen Rückgang der Baugenehmigungen. "Heute nicht genehmigt, heißt in den kommenden Jahren nicht gebaut. Wo sollen die fehlenden bezahlbaren Wohnungen denn herkommen", fragte BFW-Präsident Dirk Salewski. Um den Wohnungsbau anzukurbeln, brauche es staatliche Bürgschaften, um normalverdienende Familien beim Kauf von Eigentum zu unterstützen, auskömmliche Förderprogramme und ein Aussetzen der Grunderwerbsteuer bei Ersterwerb von Immobilien.

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