Jahrespressekonferenz VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen

China existiert als Absatzmarkt nicht mehr

von: Kai-Werner Fajga
Frankfurt am Main. – Die "Baumaschinenindustrie erwartet ein Jahr der Rückgänge", lautete die zentrale Botschaft des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen mit Blick auf das Jahr 2024, verschiedene neue Herausforderungen seien zu meistern. Seit dem Jahr 2022 gehen die Auftragseingänge massiv zurück. Hauptrisiken für das Jahr 2024 sind die schwache Konjunktur im Hochbau, der Wettbewerb aus China und die sehr heterogene Situation in den Teilbranchen und Marktregionen.
Konjunkturentwicklung
Joachim Schmid (l.) ist Geschäftsführer beim VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen und Sebastian Popp ist Stellvertretender Geschäftsführer beim VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen. Fotos: VDMA

Ein nominales Umsatzplus von 11 Prozent – real 4 Prozent – bescherte den Herstellern am Produktionsstandort Deutschland ein Rekordjahr 2023. Dieses Wachstum beruht ausschließlich auf dem Abarbeiten von Auftragsüberhängen aus den Vorjahren. Für das Jahr 2024 erwarten die Hersteller jedoch einen zweistelligen Umsatzrückgang, teilte der VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen jüngst anlässlich der Jahres-Pressekonferenz mit.

Das Segment Hochbaumaschinen hat es mit minus 40 Prozent im Auftragseingang im Zeitraum Januar bis Dezember 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum am heftigsten getroffen. Gründe hierfür sind die Lage im Wohnhochbau mit hohen Zinsen und Baupreisen. Bei Erdbewegungs- und Straßenbaumaschinen wird der Umsatzrückgang deutlich moderater ausfallen. Projekte, zum Beispiel im Breitbandausbau, in der Energie- und Transportinfrastruktur laufen weiter.

Ebenso wie die Teilbranchen sind auch die Marktregionen sehr heterogen. Der weltweite Baumaschinenabsatz ging 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent zurück. China ist aufgrund seiner Immobilien- und Wirtschaftskrise erneut Schlusslicht mit einem Minus von 38 Prozent. Der mittlerweile mit Abstand größte Markt Nordamerika legte hingegen um 21 Prozent zu. Indien erlebte 2023 mit plus 16 Prozent ein deutliches Absatzwachstum. Europa konnte mit einer flachen Absatzentwicklung im Jahr 2023 das hohe Vorjahresniveau bestätigen.

Rekordexport im VDMA

Der Dachverband VDMA ist von diesen Entwicklungen nicht im gleichen Maße betroffen. Einen Tag zuvor wurde bekanntgegeben, dass Deutschlands Maschinenbauer dank eines starken ersten Halbjahres und gestiegener Preise im vergangenen Jahr einen Rekordwert beim Export verbuchen konnten. "Mit einem Exportvolumen von insgesamt 207 Milliarden Euro erreichten die Maschinen- und Anlagenbauer aus Deutschland im vergangenen Jahr abermals einen neuen Rekord", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Im zweiten Halbjahr 2023 hätten die rückläufigen Auftragseingänge allerdings Spuren hinterlassen.

Zum Jahresende hätten sich auch dort deutliche Bremsspuren gezeigt, wie der Branchenverband VDMA berichtete. Die Ausfuhren sanken im vierten Quartal nach vorläufigen Berechnungen einschließlich Preiserhöhungen (nominal) um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Zwar könnte bei den Bestellungen aus dem Ausland die Talsohle erreicht sein, sagte Wiechers. "Von einer Trendwende würde ich aber noch nicht sprechen. Für die kommenden Monate ist daher weiter mit einer rückläufigen Exportentwicklung zu rechnen." Ein künftiger Erfolg bräuchte auch politischen Flankenschutz, etwa durch neue Freihandelsabkommen, sagte Wiechers.

Absatzmarkt verschwindet

Ein anderes Bild zeichnet der Bereich Baumaschinen und Baustoffanlagen im Verband: "Die stärksten Impulse erwarten wir in diesem Jahr von Nordamerika, Europa und Indien. Sollte uns der nordamerikanische Markt aufgrund politischer Umwälzungen nach der Wahl wegbrechen, dann müssen wir uns allerdings auf Schwierigkeiten einstellen", unterstrich Franz-Josef Paus, Vorsitzender des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen anlässlich des Jahrestreffens am 9. Februar 2024 in Frankfurt.

"China existiert als Absatzmarkt für in Europa hergestellte Baumaschinen so gut wie nicht mehr", ergänzte Joachim Strobel, Vorsitzender der Fachgruppe Baumaschinen im VDMA, "die chinesischen Hersteller drängen zunehmend in den europäischen Markt. Es besteht der Verdacht des unfairen Wettbewerbs beispielsweise durch Preis-Dumping oder Missachtung der europäischen Sicherheitsanforderungen. Hier ist neben den Marktaufsichtsbehörden auch jeder Maschinenbetreiber gefordert, in der Beschaffung verantwortungsvoll zu agieren."

Geopolitische Flächenbrände

Sebastian Popp, Stellvertretender Geschäftsführer des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen, ging anlässlich der Jahres-Pressekonferenz näher auf das Thema "Die Baumaschinenkonjunktur zwischen Immobilienkrisen und geopolitischen Flächenbränden" ein. "Wir bezeichnen, und das werden sie auch in der Presse Informationen sehen, 2023 als ein Jahr des Übergangs", erläuterte Popp, da das letzte Jahr durch ein deutliches Wachstum des Branchenumsatzes gekennzeichnet gewesen sei.

Dies sei allerdings fast ausschließlich darauf zurückzuführen gewesen, dass ein massiver Auftragsbestand aus den Jahren 2021 und 2022 als Spätfolge von Pandemie und Lieferkettenschwierigkeiten abzuarbeiten war. Dieser Auftragsüberhang sei 2023 weitgehend abgebaut worden.

Das neue Jahr 2024 sei nun ein Jahr des Übergangs, da die "Sorgenfalten sind deutlich größer" geworden seien, was neue Auftragseingänge angehe. Die Anzahl eingehender Aufträge sei stark zurückgegangen und noch sei kein Ende der Rückgänge absehbar.

Das hänge allerdings auch davon ab, in welcher Teilbranche der Baumaschinen der jeweilige Hersteller aktiv sei. Man müsse aber davon ausgehen, dass 2024 ein Jahr der Rückgänge werde, "da werden wir nicht drum herumkommen", sagte Popp.

In 2023 habe der Verband erstmalig einen Branchenumsatz aus deutscher Produktion von über 15 Milliarden Euro und ein nominales Umsatzwachstum der Branche von 11 Prozent erlebt. Preisbereinigt schlage ein nominales Umsatzplus von 4 Prozent zu Buche. Die Exporte hätten zuletzt 10 Milliarden Euro überstiegen. Auch dort habe lediglich das Jahr 2020 mit dem Ausbruch der Covid-Pandemie eine kleine Delle dargestellt.

Der Bereich Erdbaumaschinen zeichne vom Volumen her für den größten Anteil verantwortlich, bei Maschinen für den Hochbau sei jedoch das höchste Umsatzwachstum erzielt worden. Der "Blick nach vorne" werde nun ganz wesentlich davon abhängen, was nun an Aufträgen hineingekommen sei.

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Konjunkturentwicklung
Die Grafik zeigt die Auftragseingänge (orange) und Umsatzveränderungen (grün) der VDMA-Mitgliedsunternehmen von Januar bis Dezember 2023. Grafik: VDMA

"Rückgang ist jetzt nichts, was wir noch nie vorhergesehen hätten. Wir sind eine sehr typische Branche, das waren wir immer schon", ergänzte Popp. Insofern sei man auch zweistellige "Ausschläge" gewohnt. Nicht desto trotz sei ein sich nun abzeichnender Rückgang im Auftragsvolumen von Minus 26 Prozent "ein Brett". Insbesondere im Hochbau sei der Maschinenbau mit 42 Prozent Minus im Auftragseingang betroffen.

Unfairer Wettbewerb

Joachim Schmid, Geschäftsführer des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen warf noch einen Blick auf die Fragestellungen "Was tun gegen unfairen Wettbewerb in Europa" und "Baumaschinen – ist die Zukunft wirklich elektrisch".

In Bezug auf unfairen Wettbewerb wurde insbesondere die Rolle das Handelspartners China angeprangert. Es seien mehrere Fälle gemeldet worden, wo der Verdacht des Preisdumpings naheliege sowie auch Lieferungen von Maschinen, die nicht den in Europa geltenden Richtlinien entsprächen.

Der Verband wolle weiter an Regeln und Kriterien des WTO festhalten und sich dafür einsetzen, weil das einfach insbesondere für Europa und Deutschland als langjährigen Exportweltmeister von Bedeutung sei. Schmid: "Es ist für uns einfach wichtig, dass nicht Wildwest reagiert, sondern dass wir hier nach klaren, verlässlichen Regeln unser Geschäft betreiben können."

Im Bereich Anti-Dumping gebe es tatsächlich in Europa ein erstes Verfahren bei Hubarbeitsbühnen, das bei der Kommission anhängig sei und gerade untersucht werde. Das sei aus Sicht des Verbands "ein durchaus scharfes Schwert" und kompliziert, da man sehr genau nachweisen müsse worin der Regelverstoß im Einzelfall bestehe, und "dass hier die Regeln ausgehebelt sind und Preise gemacht werden, die nichts mehr mit dem sogenannten level playing field (= Gleiche Wettbewerbsbedingungen, Anm. d. Red.) zu tun haben", erläuterte Schmid.

Ein weiterer Punkt, mit dem der Verband konfrontiert werde, sei dass einfach Maschinen in den europäischen Markt drängten, die nicht den europäischen Regeln entsprächen.

Schmid: "Da reden wir jetzt noch mal gar nicht über Preise und über die technische Ausstattung von Maschinen", sondern über solche, die nicht zugelassen seien oder erhebliche technische Mängel aufwiesen.

Hier wolle der Verband auch auf zuständige Behörden und Gewerbeaufsichtsämtern zugehen, um sicherzustellen, dass technische Regeln eingehalten werden. "Schließlich geht es ihnen um Sicherheitsvorschriften auch, und es ist einfach gefährlich, wenn hier Maschinen auf den Markt kommen, die nicht unseren Sicherheitsanforderungen entsprechen", führte Schmid aus. Auch auf Messen wolle man überprüfen, ob Vorgaben eingehalten werden würden, das sei besonders zur nächsten bauma genau zu untersuchen. Das sei kein besonders erfreuliches Thema, aber es liege den VDMA-Mitgliedern am Herzen, weshalb sich der Verband hier nun stärker engagieren wolle.

Zur Frage, ob die Zukunft von Baumaschinen wirklich elektrisch sei, mahnte Schmid weiterhin eine Technologieoffenheit an: "Wenn wir über die Elektrifizierung der Baumaschine reden, ist das Ziel immer die Dekarbonisierung, die zunächst mal über allem steht", da gebe es keine großen Diskussionen mehr. Aber auch bei der bei der Dekarbonisierung müsse man mit sinnvollen Hebeln arbeiten.

Die Elektrifizierung von Baumaschinen sei in bestimmten Bereichen einfach und sinnvoll, allerdings sollten Entwicklungen nicht nur zweckmäßig, sondern auch wirtschaftlich vertretbar sein. Das Ziel könne es im Bauwesen nicht sein, "elektrisch zu werden", sondern das Ziel zu erreichen, eine Dekarbonisierung zu gewährleisten. Der Verband plädiere daher dafür, dass immer der gesamtheitliche Bauprozess angeschaut werden sollte und Potenziale dort gehoben werden sollten, wo es schnell und effizient möglich sei. "So ist zum Beispiel mittlerweile der Dieselmotor durchaus so entwickelt, dass er nicht nur mit Diesel betrieben werden kann, sondern auch mit synthetischen Kraftstoffen oder auch mit Biokraftstoffen", erklärt Schmid. Da könnten Bestandsmaschinen sehr schnell eine signifikante Reduzierung des CO2-Ausstoßes durch Ersatzkraftstoff erreichen. Natürlich müssten diese Kraftstoffe dann auch in entsprechenden Mengen verfügbar sein.

Zudem sei der Leistungsbedarf der Maschinen eine ganz entscheidende Größe. Der Verband vertrete nach wie vor die Meinung, dass aktuell und für die absehbare Zukunft bis zu maximal 100 kW Antriebsleistung für ein Elektrifizierung beziehungsweise eine Batterieelektrik die sinnvollste Stellgröße darstelle. "Es kommt dann aber natürlich auch noch auf den Leistungsbedarf an, ob ab und zu mal die Höchstleistung abgerufen wird, oder ob es da einen dauerhaften Betrieb gibt", erläutert der Geschäftsführer. Wo hohe Leistung notwendig sei, würden Batterien dann entsprechend schnell "leer gezogen".

Schmid: "All das ist zu betrachten bei einer Abschätzung, welche jetzt die sinnvollste Antriebsvariante ist, um ein Dekarbonisierung auch zu erreichen."

Machbar sei vieles, aber am Ende des Tages müsse das auch handhabbar sein und bleiben, "und da reden wir ganz schnell über zum Beispiel die Infrastruktur auf Baustellen."

Es sei einfach ein Unterschied, ob wie im Automobilsektor ein Tankstellensystem zur Verfügung stehe, das nun um Ladesäulen erweitert werde, oder ob man von einer Baustelle auf Autobahnen oder auf der grünen Wiese spreche. "Da gibt es eben keine elektrische Infrastruktur, und die muss erst mal geschaffen werden." Die Politik fange nun an, sich für das Thema Baumaschine und Regulierung zu interessieren. 2040 sei das Jahr, in dem Automobile ohne Verbrenner auskommen sollen, "das ist bei uns definitiv nicht machbar, utopisch und auch nicht zielführend", sagte Schmid und ergänzt: "Deshalb ist jetzt eine unserer wichtigsten Aufgaben mit maßgeblichen Instituten, die vom Umweltbundesamt oder Umweltministerium auch von europäischer Seite aus beauftragt werden, Untersuchungen durchzuführen."

Es werde jetzt Aufgabe des Verbands sein, mit Instituten in einem engen Austausch zu gehen mit dem Wissen der Bauindustrie wirklich sinnvolle Vorgaben und Maßnahmen zu erarbeiten – "und nicht alles über einen Kamm zu scheren". Aber da stehe man noch am Anfang.

Autor

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

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