Premiere

Erstes kommerzielles BSP in Großbritannien produziert

Bauen mit Holz
Zusätzliches pneumatisches Pressensystem zur Produktion von Kastenelementen auf dem Elementbautisch, statt der Vakuumpresse. Foto: Fankhauser

Glasgow/Schottland (ABZ). – Während Informationen über gigantische Investitionen in britische Produktionslinien kursieren, geht die Ehre, erstmals BSP mit kommerziellem Potential produziert zu haben an ein Team von Schottischen Visionären, die hierfür auf Vakuum setzten. Damit öffnen sich der britischen Holzindustrie neue Horizonte. "Wir sind begeistert und stolz im Rahmen unserer Innovation Factory für fortschrittliche Industrieanlagen die erste Vakuumpresse für eine großflächige Verleimung von Brettsperrholz und Derivaten in Großbritannien in Betrieb genommen zu haben", sagt Mark Milne, Technischer Leiter des CSIC. "Die Vakuumpresse eröffnet unglaubliche Möglichkeiten für Schottische KMUs. Es ermöglicht ihnen unter anderem in Entwicklung und Produktion von BSP aus lokalen Quellen und mit verschiedenen Holzarten eine Vorreiterrolle zu übernehmen."

Obwohl BSP-Platten für Machbarkeitsstudien und Pilotprojekte bereits hergestellt wurden sind die letzten Monat auf der Vakuumpresse gefertigten Platten die ersten in Großbritannien, die kommerziell so gefertigt wurden, dass sie auf dem Markt konkurrenzfähig sind.

Das Construction Scotland Innovation Centre (CSIC) ist eines von acht industriegeführten und nachfrageorientierten Innovation Centres in Schottland, unterstützt durch den Scottish Funding Council, Scottish Enterprise, Highlands & Islands Enterprise sowie 13 Schottischen Universitätspartnern. Die um mehr als 3000 m² große Prototyping-Halle beherbergt über £1.5 Mio. Wert an fortschrittlichsten Industrieanlagen, die von einem ganzen Team von Experten betreut werden, die die Industrie und akademische Welt dabei unterstützen, neue Produkte, Prozesse, Systeme und Geschäftsmodelle zu entwickeln und in der Praxis zu testen.

Bei großen Produzenten wie Merk oder Schilliger wurde schon vor 15 Jahren auf Vakuum gesetzt, als die Produktion von BSP noch in den Kinderschuhen steckte.

Der vermutlich größte Vorteil von Vakuum sind die niedrigen Investitionskosten; fünf- bis zehnmal tiefer als für vergleichbare Methoden wie Hydraulikpressen. Das ermöglicht einen schrittweisen Einstieg in die BSP-Produktion mit anfänglich relativ wenig Automation, die dann gesteigert wird, sobald die Nachfrage auf dem Markt wächst.

Außerdem ermöglicht dies KMUs und Familienunternehmen Nischenmärkte für sich zu gewinnen, z. B. mit der Nutzung von lokalem Holz, oder die Lancierung von neuen, innovativen Produkten wie Sandwich-Platten, SIP Paneelen oder Kastenelementen und trotzdem das Risiko gering zu halten.

Der größte Vorteil aus technischer Sicht ist, dass Vakuum in Sachen Größe vollständig flexibel ist. Die dehnbare Membran passt sich jeder Oberfläche an, seien es unterschiedlich große Platten, eine kleinere auf einer größeren, Platten mit Ausschnitten für Türen und Fenster sowie 3D gebogene Formen.

Im Unterschied zu mechanischen Pressen explodieren die Preise nicht bei größeren Breiten. Über 3 m breite Platten, die auf dem Markt schwer zu bekommen sind, können im Vakuum ohne zusätzliche Kosten auftragsbezogen und zeitgerecht produziert werden. "Es werden mehr Anlagen mit Vakuum in Betrieb genommen als mit allen anderen Methoden", erklärt Thomas Fankhauser, Geschäftsführer der marktführenden woodtec Fankhauser GmbH. Der bewährte Schweizer Maschinenhersteller hat allein im letzten Jahr mehr als zehn Pressen in Betrieb genommen. Obwohl viele große Zulieferer wie Binderholz BSP in komplett industrieller Fertigung und Menge auf Vakuumpressen herstellen (in letzterem Fall mit fünf Pressen von woodtec), spricht viel für kleinere Produktionen mit 2000 bis 15.000 m³ jährlich. "Wir spüren einen klaren Trend, dass viele Klein- und Mittelunternehmen in eigene BSP Produktionen investieren wollen, um von großen Zulieferen unabhängig zu sein", meint Fankhauser. Tatsächlich nehmen Großprojekte einen großen Anteil der Produktion der großen Zulieferer in Anspruch und lassen ihnen oft wenig Zeit und Energie, sich um spezielle Anliegen von Kleinkunden zu kümmern, was oft auch lange Lieferzeiten zur Folge hat. Eine eigene, unabhängige Produktion erlaubt Letzeren Wertschöpfung im Betrieb zu behalten und maßgeschneiderte Platten auftragsbezogen und zeitgerecht zu produzieren.

Keine Frage, der boomende BSP Markt wird auch in kommenden Jahren stark wachsen. Aber bereits jetzt schon zeichnen sich erste Probleme ab, namentlich in der Verfügbarkeit von Holz, was Preise für Rohmaterial bereits jetzt ansteigen lässt. Eine Möglichkeit ist die Verwendung von gemischten Produkten wie SIP Paneelen mit reduziertem Holzanteil. Eine weitere vielversprechende Alternative bieten sogenannte Kastenelemente oder Hohlkästen, die Holz nur dort verwenden, wo es statisch Sinn macht. Diese bestehen normalerweise aus BSH-Trägern die ein- oder beidseitig mit Dreischichtplatten beplankt werden.

Obwohl Kastenelemente dank der anpassungsfähigen Membran auch in der Vakuumpresse produziert werden können, hat man sich beim CSIC dazu entschlossen ihren Kunden mit einer zusätzlichen Lösung von woodtec aufzuwarten. "Unsere Vakuumpresse wird durch den hochflexiblen woodtec Elementbautisch für die Produktion von Holzrahmenelementen, sowie Dach- und Deckenelementen komplementiert", erklärt Milne. Mittels einer zusätzlichen Erweiterung die ein pneumatisches Pressen auf dem Tisch ermöglicht, können auf dem Elementbautisch Kastenelemente zu niedrigeren Preisen und mit weniger Know-how produziert werden als mit der Vakuumpresse. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil für kleinere Bauunternehmen. "Beide Systeme haben bereits für großes Interesse gesorgt. Wir freuen uns an zahlreichen, spannenden und bahnbrechenden Projekten mit zu arbeiten', sagt Milne.

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