Schichten der Stadtgeschichte

Keramik mit Farbbezug am Boland's Quay

Dublin/Irland (ABZ). – Das Viertel Grand Canal Dock im Osten von Dublin gehört zu den größten Entwicklungsgebieten der irischen Hauptstadt. Rund um denkmalgeschützte Gebäude der historischen Mühlenanlage Boland's Mill aus dem 19. Jahrhundert bilden drei Hochhäuser nach Plänen von BKD Architects Burke-Kennedy Doyle eine neue Zeitschicht innerhalb des aufstrebenden Quartiers. Keramikfassaden von Moeding schreiben dabei die Gestaltung der umgebenden Bebauung fort.
Moeding Fassaden
Das neu gestaltete Ensemble aus Alt- und Neubauten schließt unmittelbar an die Uferkante eines inneren Hafenbeckens südlich des Liffey an. Foto: Enda Cavanagh

Die Geschichte des Grand Canal Dock, einem inneren Hafenbecken südlich des Liffey, war größtenteils von Industrie geprägt. Gaswerke und Chemiefabriken, Kohleberge und Produktionsstätten bestimmten das Bild des Viertels im 19. Jahrhundert.

Dazwischen fand auch das Back- und Mühlengewerbe seinen Platz, was bis heute in Teilen erhalten blieb. Nach jahrzehntelanger Nichtnutzung ist die namensgebende Boland's Mill seit Mitte der 2010er Jahre zum Ausgangspunkt einer großen städtischen Revitalisierungsmaßnahme geworden. Am Boland's Quay soll ein lebendiges Wohn- und Geschäftsviertel entstehen, in dem Alt- und Neubauten miteinander verweben. Durch den Zuzug großer Tech-Konzerne ist die Gegend heute auch als Silicon Docks bekannt. Deren Gesicht prägen nun drei markante Hochhäuser, die die sanierten Lagerhäuser der Mühle wirkungsvoll überragen. Zum erhaltenen Ensemble der Boland's Mill gehören drei sechsgeschossige Baukörper in unterschiedlicher Giebelausrichtung zur Wasserkante sowie zwei zweigeschossige Bauwerke, die daran angrenzen. Die Gebäude charakterisieren eine Hülle aus grau-schwarzem Kalkstein, der für die Region typisch ist. Den Hintergrund bildeten bis zuletzt immense Silobauten aus Beton, die jedoch nicht erhaltungswürdig waren und abgerissen wurden. Stattdessen türmen sich nun drei moderne Baukörper auf. Laut den Architekten entstand deren unregelmäßige, sich nach oben verjüngende Form aus dem Wunsch heraus, die Dubliner Skyline am Grand Canal Dock passend zu ergänzen.

Mit Sorgfalt und im Einklang mit dem Denkmalschutz galt es, die alten Strukturen zu erhalten, zu erneuern und von innen zu einer modernen Büroumgebung für den dort ansässigen Konzern Google umzubauen. Ebenfalls sind Wohnungen entstanden, dazu finden Gastronomie, Einzelhandel und Kultur im Ensemble Platz. Der Nutzungsmix kennzeichnet auch die Neubauten, die sich ein gemeinsames Untergeschoss mit drei Ebenen teilen. Insgesamt knapp 37.000 m² Bruttogrundfläche bietet das re- und neustrukturierte Areal. Zur Planungsaufgabe gehörte außerdem der Bau einer Fußgängerbrücke sowie die Gestaltung zweier öffentlicher Plätze, die den Campus mit der Umgebung verbinden.

Der heterogene Charakter des Areals überträgt sich auch auf die Gestaltung der jüngsten Bebauung. Leicht divergierende Formen und Fassadenbilder resultieren dabei aus einem einheitlichen Gestaltungsprinzip. Zur Uferseite präsentieren sich die Fronten als asymmetrische, rechtwinklige Trapeze in unterschiedlichen Breiten. Mit 47.8, 49 und 53 m weichen auch die Höhen leicht voneinander ab. Formal angelehnt, jedoch nicht identisch ist die weitere Formgebung der langgestreckten Volumen. Nord- und südseitig ragen dort jeweils unterschiedlich ausformulierte, teils farblich abgesetzte Gebäudeteile aus der schlanken Struktur heraus.

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Moeding Fassaden
Zur Gestaltungspalette gehörten unterschiedlich ausgebildete und glasierte Keramikelemente von Moeding. Foto: Enda Cavanagh

Auf noch kleinteiligerer Ebene wechselt außerdem das Fassadenbild je nach Gebäude und Ausrichtung. So reichen die Varianten von versetzt angeordneter Verglasung über vollflächig mit Keramikplatten bekleideten Wandpartien bis hin zu vorgesetzten Lamellen. Vier verschiedene Typen der Keramikplatten von Moeding sowie fünf Glasurfarben bilden die Grundlage für das wohlkomponierte Spiel.

Zum Einsatz kamen Fassadenplatten des Systems Longoton im Hochformat, die bis zu 1300 mm lang sind. Dazu gehören flach ausgebildete Platten mit 40 mm Stärke und 350 mm Breite, die als Lamellen Verwendung fanden, sowie Varianten gleichen Typs, die 363 mm breit sind und als bündige Fassadenbekleidung in Erscheinung treten. Zudem weist die Gebäudehülle Wandbereiche mit keilförmigen sowie mit gestuft keilförmigen Platten von 100 mm Stärke und 363 mm Breite auf. Die Gestaltungspalette ergänzen fünf Glasurfarben, die in enger Abstimmung mit den Architekten individuell für das Bauvorhaben entwickelt wurden. Dazu zählen ein helles, ein mittleres und ein dunkles Rot sowie Grau und Cremegrau.

Für die Planenden war eine konstante Wirkung der Glasuren ohne sichtbare Farbabweichungen wichtig. Die roten Glasuren wurden auf Platten mit rotem Scherben aufgebracht, entsprechend die grauen Glasuren auf Platten mit grauem Scherben. Nach Herstellung der Ziegelplatten durch Moeding wurden diese nach Italien geliefert, wo das Unternehmen Permasteelisa die weitere Vorfertigung der Fassadenelemente übernahm. Die Verschiffung nach Dublin sowie die Montage an den Gebäuden erfolgte schließlich in einer vorab festgelegten Lieferreihenfolge, nach Plattentypen und -farben sortiert.

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