Trinkwasserleitung gebaut

Technisch anspruchsvolles Projekt für die Stadtwerke Rastatt realisiert

Rastatt (ABZ). – Ob Horizontaldurchpressung, holländische oder konventionelle Bauweise – bei der Herstellung der Trinkwasserleitung zwischen Niederbühl und Förch im baden-württembergischen Rastatt ist auf einer Länge von rund 2,5 km alles gefragt.
Tiefbau
Einen Großteil der neuen Trinkwassertransportleitung stellt die Reif Bauunternehmung in konventioneller Bauweise her. Verlegt werden GGG-ZM-Rohre der Nennweite DN 300. Foto: Reif Bauunternehmung

Innerhalb kurzer Bauzeit realisiert die Reif Bauunternehmung GmbH & Co. KG, Mitglied des Rohrleitungsbauverbandes e. V. (rbv), Köln, das technisch anspruchsvolle Projekt für die Stadtwerke Rastatt. Im Auftrag der Stadtwerke Rastatt GmbH stellt die ortsansässige Reif Bauunternehmung GmbH & Co. KG derzeit in Zusammenarbeit mit einem zertifizierten Nachunternehmer eine Trinkwasserleitung zwischen Förch und Rastatt her. Obwohl ein Großteil der Baumaßnahme auf einer Strecke von rund 2 km in konventioneller offener Bauweise erfolgte, war das Baugeschehen doch von vielen technischen Besonderheiten geprägt.

Hoher Grundwasserstand und geschützte Flora

So kamen aufgrund der individuellen Gegebenheiten vor Ort – ein hoher Grundwasserstand, geschützte Flora und belastete Böden – noch weitere Baustoffe und Verfahren zum Einsatz. Die Grabenverfüllung erfolgte teilweise mit Flüssigboden. Zudem kam partiell die sogenannte holländische Bauweise zum Tragen, bei der der Flüssigboden als Dichtung gegen das Grundwasser eingebaut wird. Und um eine geschützte Weide und einen Bach auf 40 m der insgesamt rund 2,5 km langen Strecke schonend zu unterqueren, erfolgte der Einbau der Stahlrohre DN 600, in der nicht nur die Wasserleitung DN 300, sondern auch Leerrohre für den Breitbandausbau Platz hat, mittels Horizontaldurchpressung. Auf der restlichen Strecke verbaute REIF Rohre der Nennweite DN 300 aus duktilem Gusseisen mit Faserzementumhüllung (GGG-ZM) sowie Leerrohre. Auch für die Herstellung des Fahrbahnbelags ist das Unternehmen zuständig.

Notwendig geworden ist die Baumaßnahme aufgrund einer Umstrukturierung in der Versorgung: Förch ist der kleinste Ortsteil der baden-württembergischen Stadt Rastatt. Anders als die anderen Stadtteile hat er sein Trinkwasser bislang aus dem zum Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal gehörenden, vor Ort liegenden Wasserwerk bezogen. Dies ändert sich allerdings aktuell. Da der Verband aufgelöst und das Wasserwerk in der Förderung geschlossen wird, sollen die Förcher künftig mit Wasser der Stadtwerke Rastatt versorgt werden. Zu diesem Zweck entsteht die Trinkwassertransportleitung nach Niederbühl. Zu den wesentlichen Rahmenbedingungen, die das aktuelle Baugeschehen sehr nachhaltig bestimmen, gehört der hohe Grundwasserstand vor Ort.

Baugraben tiefer und breiter als sonst

Aus diesem Grund setzten die Mitarbeiter von Reif die holländische Bauweise an den Stellen ein, wo sie mit anstehendem Grundwasser rechnen mussten. Projektleiter Michel Daul erklärt, wie dies ablief: "An den betreffenden Stellen haben wir den Baugraben tiefer und breiter als sonst bei einer konventionellen Ausführung üblich ist, ausgehoben. Der Grabenquerschnitt wird durch eine vom Baugrund abhängige Fachplanung definiert. Hier haben wir anteilig Flüssigboden als Dichtung gegen das Grundwasser eingebracht. Nach dem selbstverdichtenden Aushärten konnten wir in einem zweiten Schritt einen schmaleren Graben ohne Grundwasser im bereits eingebauten Flüssigboden herstellen und die Rohre dann sauber und trocken verlegen. Anschließend haben wir den Graben mit Flüssigboden aufgefüllt. Der Flüssigboden wird nur bis zu einer Tiefe von etwa 2,3 Metern eingebaut und stellt somit keinen ,Riegel' dar. Der Grundwasserstand wird auf jeder Seite des Flüssigbodens immer gleich sein."

Dass in Niederbühl überhaupt Flüssigboden verwendet wird, liegt an den hohen PFC-Werten, die an manchen Stellen im Boden festgestellt worden waren. Michael Koch, Abteilungsleiter Rohrnetze und Produktion der Stadtwerke Rastatt: "PFC ist eine Chemikalie, die im Alltag vielfältig eingesetzt wird, so zum Beispiel auch in Outdoorjacken, beschichteten Pfannen oder Pizzakartons. In der Natur kann er nur schwer abgebaut werden. Flüssigboden immobilisiert diese unerwünschten Stoffe. Wir haben auf rund 480 Metern der Strecke Flüssigboden einbringen lassen, um Forderungen der Umweltbehörde nachzukommen." Auch für den Baufortschritt bringt der ressourcenschonende und emissionsarme Einsatz von Flüssigboden Vorteile: Indem das Aushubmaterial verwendet und an Ort und Stelle wieder eingebaut wird, entfallen zeitintensive Fahrten zur Deponie. Außerdem muss der verfüllte Boden aufgrund seiner Eigenschaften nicht mehr mechanisch mit dem Rüttler verdichtet werden.

Verlängerte Bauzeit nimmt Druck

Bei der Baustelle zwischen Niederbühl und Förch kam dies den Arbeitern sehr gelegen, denn insbesondere zu Beginn der Bauarbeiten drängte die Zeit: Vertraglich war vereinbart worden, dass die Maßnahme Ende Dezember 2021, nach nur 15 Wochen, beendet sein sollte. "Die kurze Bauzeit resultierte aus dem ursprünglichen Termin für die Auflösung des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal, die für den 31. Dezember 2021 geplant war", erklärt Koch die Hintergründe. "Jetzt haben sich die Voraussetzungen aber geändert", fügt er hinzu und deutet damit auf eine Mitte November erfolgte neue Vereinbarung zwischen den Oberbürgermeistern der Region hin, nach der der Verband erst zum 30. Juni 2022 aufgelöst wird. "Für uns verlängert sich die Bauzeit nun auf Anfang März 2022. Das nimmt uns den Zeitdruck. Wir haben wochenlang mit fünf Baumannschaften gleichzeitig gearbeitet, um den ursprünglichen, ambitionierten Plan zu schaffen. Mehr Luft zu haben, ist gut, denn man weiß ja auch nie, wie das Wetter so mitspielt", sagt Daul.

Der ausführenden Reif Bauunternehmung hat die Baustelle bislang einiges an Flexibilität abverlangt: Als wäre die Umstellung zwischen herkömmlicher und holländischer Bauweise sowie Horizontalbohrung nicht abwechslungsreich genug, gab es zwischendurch auch im wahrsten Sinne des Wortes Alarmstimmung: Die Kampfmittelortung hatte eine Anomalie im Boden festgestellt. Erst, als sich herausstellte, dass es sich lediglich um eine alte, vergessene Metallleitung handelte, kam Entwarnung. Nun hofft man in Rastatt, dass die Maßnahme ohne weitere Vorkommnisse und mit mehr Ruhe zu Ende geführt werden kann. Doch schon jetzt ist man bei den Stadtwerken Rastatt zufrieden mit der Abwicklung.

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