Baugewerbetag 2022

Geywitz will digitalen Ressourcenpass

von: Danilo Ballhorn
Berlin. – Beim Baugewerbetag, der vor Kurzem in Berlin stattfand, stellte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) die Bau-Agenda für die Zeitenwende vor. Unter dem Motto "Nachhaltig und digital" referierten Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) und der Vorsitzende der Oppositionsparteien CDU/CSU, Friedrich Merz, im Titanic Hotel über die aktuelle Lage und die Herausforderungen der Zukunft. Auch die ABZ war vor Ort.
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Anlässlich des diesjährigen Baugewerbetages wurden auch Teilnehmer des Nationalteam Deutsches Baugewerbe geehrt. Sie hatten die World-Skills 2022 erfolgreich beendet und in fünf Wettbewerben vier Medaillen geholt. Die Team-Mitglieder wurden im Rahmen des hochkarätigen Events herzlichst für ihre sehr guten Leistungen und Ergebnisse vom ZDB-Präsidenten beglückwünscht (v. l.): Stuckateur Marc Ebinger vom Nationalteam Baugewerbe, Marcel Bayer (Trainer der Fliesenleger Nationalmannschaft), ZDB-Präsident Reinhard Quast, Yannic Schlachter vom Nationalteam Baugewerbe (Europameister 2021 & Vizeweltmeister Fliesen 2022), Philipp Kaiser vom Nationalteam Baugewerbe (2022: Vizeweltmeister Zimmerer, Vizeeuropameister in der Einzelwertung sowie Europameister in der Mannschaftswertung) und Simon Rehm (Weltmeister Zimmerer 2015 und Europameister 2014, Experte und Trainer der Zimmerer-Nationalmannschaft). Foto: ZDB

Lieferengpässe, Kostensteigerung und Fachkräftemangel wurden als akute Probleme thematisiert. Das Baugewerbe erwartet ein schweres erstes Halbjahr 2023. "Ohne Sie als Bauunternehmen können wir die großen Aufgaben im Wohnungsbau für die Zukunft nicht lösen" erklärte Geywitz. 400.000 Wohnungen will die Bundesregierung im kommenden Jahr bauen. Den Klimaschutz im Gebäudebereich festzuschreiben, sei von zentraler Bedeutung. Dafür wurden knapp 200 Maßnahmen zur Klimaanpassung erarbeitet. 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen würden auf den Gebäudebau zurückzuführen sein. Um die Klimakrise im Baugewerbe zu bewältigen, sollen vermehrt die Umweltverbände in den Bausektor eingebunden werden. Zudem soll das Gebäudeenergiegesetz erneuert werden und die Bürokratie hinter den 16 Bauordnungen der Bundesländer reduziert werden, um Ausschreibungen zu erleichtern.

"Wir planen, einen digitalen Ressourcenpass für Neubauten einzuführen", verkündete Geywitz. Damit könnten die Potenziale für das Recycling und die Wiederverwendung von Baustoffen besser genutzt werden. Noch fehle das Bewusstsein, Recycling-Baustoffe einzusetzen. Künftig soll die Kreislaufwirtschaft gestärkt werden, um den Materialeinsatz beim Bau zu erleichtern. Ziel sei es, die grauen CO2-Emissionen zu reduzieren. "Wir werden künftig den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden betrachten", erklärte Geywitz. Man wolle nicht nur die Energiebilanz des Hauses betrachten, sondern auch schauen, wie viel CO2 für die Baustoffe freigesetzt werde. Eine dickere Dämmung würde ab einem gewissen Punkt keine effiziente Energieeinsparung und Reduzierung von Treibhausgasen erreichen – wäre jedoch sehr teuer. Recycelbare Baustoffe würden daher effizienter und kostengünstiger einzusetzen sein.

Rahmenbedingungen verbessern

"Mit mir wird es keine Steuererhöhungen geben", kündigte Finanzminister Christian Lindner an. Man müsse dahin zurückkommen, dass der Wohlstand erst erwirtschaftet werden muss, bevor er ausgegeben werden kann. Dafür müsse man in digitale und mobile Infrastruktur investieren, da der Staat in den letzten Jahren auf Verschleiß gefahren worden sei. Er wolle das Einwanderungsmanagement leichter machen, um Fachkräfte gezielt in die Wirtschaft einbinden zu können und so den Mangel abzufangen. "Beim Thema Schwarzarbeit muss eine Null-Toleranz-Schwelle gefahren werden", appellierte Lindner. Er sei erschüttert, wie tief die Schwarzarbeit in der Baubranche verwurzelt sei – diese würde den Fiskus enorm schädigen. "Ich stelle das Baugewerbe nicht unter den Generalverdacht, Schwarzarbeit zu dulden", so Lindner. Aber er fordere von Unternehmern, dass sie bei entsprechendem Verdacht gemeldet werden müsse.

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"Uns fehlen die Aufträge in den Büchern", erklärte Reinhard Quast, der frisch wiedergewählte Vorsitzende des Zentralverbandes des deutschen Baugewerbes (ZDB). Foto: ZDB

"Uns fehlen die Aufträge in den Büchern", erklärte der frisch wiedergewählte Vorsitzende des Zentralverbandes des deutschen Baugewerbes (ZDB), Reinhard Quast. Die Auftragszahlen seien in nahezu allen Sektoren rückläufig. Ab März werde das Baugewerbe kaum noch Aufträge haben. "Wir zehren gerade von den ausstehenden Aufträgen", so Quast weiter. Es traue sich bei der angespannten Lage niemand, Aufträge aufzugeben, weil die Kosten in die Höhe schießen. Das Ziel der Bundesregierung werde nur schwer umzusetzen sein, wenn sich die Lage nicht ändere. Daher setze sich Quast für die Sonderabschreibung (Sonder-Afa) im Wohnungsbau ein. "Investitionen brauchen Verlässlichkeit in den Rahmenbedingungen", betonte er. In diesem Jahr sei die KfW-Neubauförderung gestrichen worden, bis sie später mit verschärften Förderbedingungen wieder greifen sollte. Neben dem Wohnungsneubau sollen in den kommenden 20 Jahrzehnten bis zu 35 Millionen Wohnungen energetisch saniert werden.

Prestige der Berufe steigern

"Das Bauen wird teurer – die Investitionsschwelle wird größer werden", erklärte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundesfraktion, Friedrich Merz. Man könne sich darauf einstellen, dass die bundesweite Inflation von 10 Prozent weiter steigen würde und im Baugewerbe womöglich noch größer ist. Das Bauen solle standardisiert werden. "Es reicht auch mal ein Gebäude für drei statt für fünf Generationen zu bauen", so Merz weiter. Die Hauptsache sei, dass gebaut werden würde. Dafür müsse man auch den Weltmarkt erschließen, da sich die Konkurrenzsituation mit China und der USA geändert habe. "Die Anzahl von Ausbildungsplätzen in Bauunternehmen ist um 25 Prozent gestiegen", lobte Merz. Er sei ein großer Befürworter dualer Ausbildungen.

"Wir müssen den Nachwuchs und Fachkräfte noch besser anwerben", erklärte Geywitz. Viele Betriebe würden in den kommenden Jahren nach Nachfolgern suchen. Die diesjährigen Weltmeisterschaften der Berufe (WorldSkills) hätten gezeigt, wie mitreißend das Handwerk sei. "Ausbildungsberufe im Baugewerbe müssen eine größere Präsenz in der Öffentlichkeit bekommen", forderte Geywitz. Die Übertragung von Handwerkswettbewerben wie den WorldSkills habe enormes Potenzial, um den Nachwuchs für die Branche zu begeistern. Zudem hoffe Geywitz, dass Azubi-Wohnheime genauso gefördert werden würden wie Studenten-Wohnheime, um die Ausbildungsberufe insgesamt lukrativer zu machen.

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