BIM World Munich

BIM hat nur als Gemeinschaftsprojekt eine Chance

von: Jennifer Schüller
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Blick auf die Ausstellerfläche: Insgesamt präsentierten sich 156 Unternehmen auf der BIM World Munich. Foto: Schüller

München. – Am 27. und 28. November traf sich die Bauindustrie zur BIM World Munich in der bayerischen Hauptstadt zum kreativen Austausch und Ideen-Schmieden. Unter der Schirmherrschaft von Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, präsentierten die ausstellenden Unternehmen zahlreiche Innovationen, die die Digitalisierung in der Baubranche vorantreiben sollen. Bei der offiziellen Pressekonferenz diskutierten u. a. Dr. Markus Hennecke, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau sowie Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, die Herausforderungen, die das Arbeiten mit BIM (Building Information Modeling) mit sich bringt und an welchen Stellen noch viel Arbeit auf die deutsche Baubranche wartet. Insgesamt verzeichnete die BIM World Munich auch in ihrem dritten Jahr ein starkes Wachstum. An den beiden Messetagen strömten mehr als 4000 Besucher ins Internationale Congress Center auf der Messe München, um sich in Vorträgen sowie an den Ständen der 156 Aussteller aus 48 Ländern über die neusten Trends und Entwicklungen der AEC-Industrie zu informieren. Bei der offiziellen Pressekonferenz diskutierten Vertreter der Branche über die Chancen, vor allem aber auch die Herausforderungen, die das Arbeiten im BIM-Modell mit sich bringt sowie die Hürden, die noch genommen werden müssen, um dieses Arbeiten erfolgreich zu implementieren.Einen der wichtigsten Aspekte sahen die Teilnehmer der Pressekonferenz, Dr. Markus Hennecke, Christine Degenhart, Dr. Josef Kauer (Präsident BIM World Munich) und Klaus Pacher (stellvertretender Vorsitzender Wirtschaft und Recht Ausschuss des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie) dabei im ganzheitlichen Ansatz von BIM. Dieses Arbeitsmodell könne nur dann effizient genutzt werden, wenn alle Beteiligten zeitgleich darauf zugreifen und Informationen herausfiltern können. "Wir müssen schauen, dass es ein partnerschaftlicher Prozess wird, der in der Planung beginnt beim Bauen weitergeht und sich bin zum Facility Management erstreckt", zeigte Pacher auf. Derzeit sei man von einer solchen Situation noch ein Stück entfernt, da weder auf Seiten der Bauindustrie noch auf Seiten der Planer alle auf dem selben Level seien. Pacher glaubt deshalb, dass noch einige Jahre ins Land gehen werden, bevor BIM zielführend vom Beginn der Wertschöpfungskette bis zum Schluss (Facility Management) genutzt werden kann. Ziel sei, künftig keinen Bruch mehr zwischen Planung und Bau vorzufinden. "Wenn wir in der Bauindustrie eine BIM-Planung, die ein Architekt gemacht hat, neu auflegen müssen, um andere Pläne daraus zu entwickeln, ist das nicht intelligent", so der stellvertretende Vorsitzende des Wirtschaft und Recht Ausschusses des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie weiter. Man müsse zu einem Punkt gelangen, wo alles zu einem durchgängigen Prozess werde, sodass die BIM-Planung schon derart aufgesetzt ist, dass es ein durchgängig lösbarer Prozess wird, bei dem von Anfang an alle Projektbeteiligten mitwirken können.

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Auch Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, war bei der BIM World zu Gast. Foto: Navispace

Im direkten Zusammenhang mit der gemeinschaftlichen Arbeit stand für die Redner der Pressekonferenz das Thema, einen gemeinsamen Standard einzuführen. Im Bereich der Architekten- und Ingenieurkammern sei man diesem gemeinschaftlichen Arbeiten schon einen großen Schritt näher gekommen, so Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer: "Wir haben mit den Architektenkammern der anderen Bundesländer Gespräche geführt, wie wir einen gemeinsamen Standard erreichen und uns damit an die Spitze setzen können. Das ist uns enorm wichtig. Und es ist uns gelungen. Wir haben tatsächlich einen Ausbildungsstandard für Architekten und Ingenieure entwickelt und wir hoffen sehr, dass diese Ausbildung und dieser Standard auch dazu führen wird, Projekte durchgängig gestalten zu können." Für Klaus Pacher muss die Ausbildung, die mit einer solchen Standardisierung einhergeht auch in die Universitäten getragen werden, um zu kommunizieren, in welche Richtung Manager ausgebildet werden müssen. Es entstünden schließlich auch eine Reihe neuer Berufe vom Modeler zum BIM Information Modeler bis hin zum BIM Information Manager. "Für all das brauchen wir Visionen, die alle auf dem Grundgedanken des partnerschaftlichen Bauens basieren", fasste er es zusammen.Wichtig, so Degenhart weiter, sei es deshalb auch, kleinere Projekte zu Pilotprojekten zu machen, bei denen BIM ausprobiert werden könne und auch Fehler und Verzögerungen zustande kommen dürften. Um dies zu erreichen, befinde man sich gerade in Gesprächen mit der bayerischen Staatsregierung.Diese Verzahnung von Politik und Verwaltung im Bezug auf Bauprojekte mit der BIM sieht auch Dr. Josef Kauer, Präsident BIM World Munich, als besonders wichtig an, um die Thematik voranzutreiben. In Deutschland klaffe zwischen Politik und Verwaltung derzeit jedoch noch eine "große Lücke". "Die BIM World Munich ist ein internationales Event mit Teilnehmern aus 48 Ländern, doch im Vergleich zu unserer Schwesternveranstaltung in Frankreich, wo mittlerweile fast 30 % der Besucher aus Behörden kommen, sind hier in Deutschland kaum Bauämter vertreten", stellte Kauer fest. Da müsse sich etwas ändern, um voranzukommen.

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Bei der Pressekonferenz standen sie Rede und Antwort: Dr. Josef Kauer, Präsident der BIM World Munich (v. l.), Dr. Markus Hennecke, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer und Klaus Pacher, stellvertretender Vorsitzender Wirtschaft und Recht Ausschuss des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Foto: Schüller

Grundsätzlich, so waren sich alle Redner einig, stelle die Standardisierung die Krux dar. Diese müsse einheitlich und Gewerke-übergreifend organisiert sein, so Pacher: "Alle Projektbeteiligten müssen Input geben können und ebenso, die für sie relevanten Informationen herausfiltern können. Wenn sich der Architekt im stillen Kämmerlein eine Standardisierung vorstellt, die für den Baubetrieb und das Facility Management ungeeignet ist, können die benötigten Daten nicht abgegriffen werden." Pacher sieht aus diesem Grund IFC-Schnittstellen als "möglicherweise nicht ideal" an, um ohne Datenverluste alles abbilden zu können.Auch Degenhart hält eine einheitliche Schnittstelle bzw. Format für einen der wichtigsten Aspekte in der Diskussion um BIM. Ihrer Ansicht nach komme Auftraggebern hier eine Schlüsselrolle zu. Sie müssten im Zweifelsfall das Übergabeformat definieren. "Hier werden jetzt die ersten Pflöcke in den Boden geschlagen und ich warne davor, sich hier zu stark festzulegen", so die Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer. Man habe ein Interesse daran, dass Architekten und Ingenieure in der Wahl ihrer Mittel frei bleiben. Und das funktioniere nur mit einer neutralen Schnittstelle. Diesen Gedanken griff auch Pacher noch einmal auf und betonte: "Wir kennen es aus der Handy-Industrie. Da hat jedes Mobiltelefon einen anderen Stecker – und ich habe im Moment ein bisschen die Sorge, dass wir uns auch bei BIM in Richtung unterschiedlicher Stecker entwickeln. Wir brauchen aber einheitliche Stecker und einheitliche Schnittstellen, um auf einer gemeinsamen Plattform arbeiten zu können." Im Gegensatz zu Degenhart und Pacher sieht Dr. Hennecke einheitliche Schnittstellen nur peripher als notwendig an, für ihn stellt eine gemeinsame Plattform den wichtigsten Punkt dar. "Wir müssen uns dahin entwickeln, einen gemeinsamen Datenpool zu haben, wo wir Programme und Informationen rausziehen können. Wir werden auch unterschiedliche Programme benötigen. Es wäre schade, wenn eine Messe wie die BIM World am Ende mit nur einem Stand auskommt. Dann würden wir wenig entwickeln, gerade die Vielfalt der Hersteller ist ein ganz wesentlicher Schatz und der muss auch gefördert werden", so das Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Es sei einfach nicht vorstellbar, dass irgendein Hersteller alle Bereiche versteht, überall werde es Spezialisten geben und die müssten in der Lage sein, eine Infrastruktur zu nutzen. "So wie heute verschiedene Autos eine gemeinsame Infrastruktur Straße nutzen können, müssen wir das gemeinsame Datenumfeld als Infrastruktur verstehen, auf die wir zugreifen und in dieser Hinsicht etwas entwickeln können", illustrierte er seinen Gedankengang.

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