Interview zum Diriyah-Projekt

Kultur und Geschichte nehmen einen großen Stellenwert ein

Gerard J. Inzerillo ist der CEO der mit der Entwicklung betrauten Diriyah Gate Development Authority, Riyadh. Inzerillo sprach mit Christian Brensing über die Vision des Projekts.
Saudi Arabien Hochbau
Gerard J. Inzerillo ist der CEO der mit der Entwicklung betrauten Diriyah Gate Development Authority, hier im Gespräch mit ABZ-Autor Christian Brensing. Foto: Christian Brensing

Diriyah, ein nordwestlicher Vorort von Riad, liegt etwa 30 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die dort grundliegend restaurierte "The City of Earth" – bekannt als UNESCO Weltkulturerbe At-Turaif – ist der Ursprung des ersten Saudi-Staats von 1727. Gleichzeitig ist Diriyah der Ort, wo das Königshaus Al Saud seinen Anfang nahm.

Als Teil der "Vision 2030" wird der historische Teil von Diriyah zu einem internationalen Standort für Kultur, saudische Geschichte und Tourismus auf einem Areal von 14 Quadratkilometern ausgebaut. Das 63,2 Milliarden-US-Dollar-Projekt gehört damit zu den sogenannten Giga-Pojekten des Kingdom of Saudi Arabia (KSA). Gerard J. Inzerillo ist der CEO der mit der Entwicklung betrauten Diriyah Gate Development Authority, Riyadh. Jerry Inzerillo ist weltweit bekannt als ein "Visionär im Hotel-Sektor". Vor seiner Ernennung 2018 durch den Kronprinzen Mohammed bin Salman war Jerry Inzerillo bekannt für die Konzeption und Realisation von Hotels wie, zum Beispiel das One & Only Royal Mirage und das Atlantis The Palm, beide in Dubai.

Brensing: Das KSA unternimmt gigantische Schritte Richtung Zukunft. Wie passt Ihr Projekt in die "Vision 2030"?

Inzerillo: Eine wichtige Entscheidung der Vision 2030 war, dass sich das Königreich für den Tourismus öffnet und für diesen Bereich eine Erhöhung des Bruttosozialprodukts von 3 Prozent auf 10 Prozent anstrebt. Dies ermöglicht Menschen aus aller Welt die Schönheit und die unvergleichlich reichen und unterschiedlichen geographischen wie kulturellen Aspekte von Saudi-Arabien kennenzulernen. Hinzu kommt noch die große Gastfreundschaft des saudischen Volks. In unserer heutigen Geo-Society sind all dies unverzichtbare Eigenschaften einer modernen Nation. Um einen 10-Prozent-Beitrag des Bruttosozialprodukts aus dem Tourismus zu erzielen, bedarf es einer enormen Anzahl von Projekten im Hotel-Sektor. Zusätzlich braucht es dafür auch noch einer Unmenge an Zeit, schauen Sie sich zum Vergleich den Aufstieg Dubais in den letzten 20 bis 30 Jahren an. Dergleichen möchte der Kronprinz Mohammed bin Salman allerdings in gerade Mal 15 Jahren erreichen! Aus diesem Grund wurden die sogenannten Giga-Projekte etabliert. Ein Jedes hat seinen eigenen Charakter und Identität, was selbstverständlich auch die ihm eigene Architektursprache betrifft. Das Diriyah-Projekt legt größten Wert auf die Kultur und geschichtliche Herkunft des Königreichs. Es ist damit das Flaggschiff unter all den Initiativen der Vision 2030.

Brensing: Beschreiben Sie bitte die architektonische Identität von Diriyah.

Inzerello: Darf ich Sie fragen, wo liegt der Ursprung des Königreichs? Antwort, in Diriyah! Das bedeutet, dass Diriyah gleichbedeutend mit der nationalen Identität von Saudi-Arabien ist. Als Stammsitz der königlichen Dynastie ist seine Geschichte auf des engste mit der Gründung des ersten Saudi-Staats 1727 verbunden. Unsere bauliche Rekonstruktion und Entwicklung des historischen Diriyah zielt darauf ab ein Tourismusziel von Weltformat zu etablieren. Das 14 Quadratkilometer große Gelände ist in nur 15 Minuten vom Stadtzentrum Riads zu erreichen und ist bereits Teil des UNESCO Weltkulturerbes At-Turaif. Außerdem beruht der Diriyah Masterplan auf der traditionellen Najdi-Lehmziegelarchitektur, die auf Symmetrie, die Verwendung von natürlichen Baumaterialien in der ihrer eigentümlichen Farbgebung beruht. Die luftgetrockneten Lehmziegel verleihen der Anlage ihren ursprünglichen Charm.

Brensing: Können Sie bitte noch einige Details mehr herausstellen?

Inzerello: Die I-Tüpfelchen des Gesamtkunstwerks sind die charakteristischen Baumaterialien einschließlich ihrer Farben. All das ist ein Hinweis, wie die historischen Bewohner von Diriyah lebten und ihre Häuser bauten vor hunderten von Jahren. Allerdings, das Gesamtkunstwerk ist ein ultra-modernes, mit Smart-City Technologien, die es den Bewohnern und Besuchern ermöglichen in der fortschrittlichsten Art und Weise zu kommunizieren und über den Ort etwas zu erfahren. Hier in Diriyah kombinieren wir nationale Vergangenheit mit den Annehmlichkeiten der modernen Lebensführung. So sind wir auch vom U.S. Green Building Council mit der LEED Platin Zertifizierung ausgezeichnet worden.

Brensing: Gibt es vergleichbare Projekte im KSA?

Inzerello: Ja, davon gibt es einige. Zum Beispiel betreut mein Kollege John Pagano, CEO von Red Sea Global, den Bau von bis zu 50 Hotels und Feriensiedlungen auf mehreren Inseln, Bergen und in Wüstenregionen am Roten Meer. George Tanasijevich ist mit vergleichbar großen Aufgaben im King Salman Park, Riad, betraut.

Brensing: Richten sie dabei den Hotel-Sektor in einer gänzlich neuen Art aus?

Inzerello: Ja, denn Saudi-Arabien hat sich bisher noch nie in Bezug auf sein Alter, Geschichte oder Herkunft in irgendeiner Weise beworben. Dann wiederum schaffen wir auch gar kein neues Image vom Hotel-Sektor, vielleicht jedoch ein sehr altes, etabliertes und gastfreundliches. Denken Sie auch daran, dass wir Diriyah schon vom Entwurf gemäß dem "Nachhaltig-zuerst" Ethos errichten und die Normen für Stadtplanung danach ausrichten. Vor allem aber stellen wir Geschichte und Kultur dar, aber nicht Pop-Kultur wie einige andere Giga-Projekte. Wenn Sie so wollen, sind wir in der Diriyah Gate Development Authority so etwas wie die kulturellen Archäologen und Anthropologen der modernen Unterhaltungsindustrie. Integraler Bestandteil sind die 40+ Hotels in Diriyah die momentan im Bau sind. Wir kündigen neue Projekte jedes Jahr an bis hin zur Weltausstellung im Jahr 2030. Diriyah mit seiner Silhouette der Dachfirste ist für uns das absolute Emblem des Königreichs Saudi-Arabien. Es ist so signifikant und ikonisch, wie zum Beispiel der Eiffel Turm von Paris!

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