Strategiegespräch mit Baumaschinenhersteller Kobelco

"Wir wollen unsere Marktposition ausbauen"

Im Exklusiv-Interview erklärt Makoto Kato, Managing Director & Sales and Field Marketing Director bei Kobelco, ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga, wie sich der Baumaschinenhersteller auf künftige Marktanforderungen vorbereitet.
Kobelco Unternehmen
Makoto Kato ist Managing Director & Sales and Field Marketing Director bei Kobelco und sprach anlässlich der bauma 2022 mit der ABZ über die Zukunftspläne des Baumaschinenherstellers. Foto: Kai-Werner Fajga

ABZ: Herr Kato, wie stellt sich Kobelco strategisch im deutschen beziehungsweise europäischen Markt auf?

Kato: Ein Kernpunkt unserer europaweiten Strategie ist aktuell, dass wir den Abbruchmarkt stärker bedienen wollen. Denn die Abbruchindustrie in Europa wächst zurzeit kräftig. Wir haben bisher vier Modelle in diesem Segment im Markt vorgestellt, bis hin zum neuen SK1300DLC. Dabei wachsen die Anforderungen und Erwartungen unserer Kunden – sie benötigen immer größere und schwerere Maschinen. Genau darauf reagieren wir mit dem Kobelco SK1300DLC, der jetzt unter anderem eine noch größere Reichweite bietet.

ABZ: Gibt es aufgrund der aktuellen Herausforderungen im europäischen Markt weitere Ziele?

Kato: Wir haben uns keine wirklich neuen, konkreten Ziele gesetzt, denn tatsächlich befinden wir uns sowohl auf den europäischen Märkten wie auch in Deutschland noch in der Entwicklung. Wir wollen unsere Marktposition überall stark ausbauen und setzen hier auf die Zusammenarbeit mit unseren Händlern.

Eine Herausforderung mit globaler Reichweite bleiben die stockenden Lieferketten, aber ich denke, das wird sich ab dem kommenden Jahr Schritt für Schritt verbessern. Wir haben unsere Produktionskapazitäten ausgeweitet und die Zuständigkeiten unserer weltweiten Produktionsstandorte neu strukturiert. Auch die für den europäischen Markt ausschlaggebenden Produktionskapazitäten in Japan wurden optimiert: Zuständig sind hier zwei Fertigungsstätten – eine für Minibagger und eine für Maschinen mit mehr als 7 Tonnen Gesamtgewicht. In beiden Werken erhöhen wir sukzessive die Kapazitäten für den wachsenden europäischen Markt.

ABZ: Was waren Ihre Erwartungen an die bauma 2022?

Kato: Wir wollten unseren Besuchern in München vor allem eine attraktive Plattform für Information und Austausch bieten. Es hatte oberste Priorität für uns, wieder den direkten Kontakt zu unseren Kunden herzustellen und natürlich neue Produkte wie unseren brandneuen Abbruchbagger SK1300DLC präsentieren zu können.

ABZ: Wie beurteilen Sie die Nachfrage nach emissionsfreien Maschinen in Amerika, Europa und speziell in Deutschland?

Kato: In Europa und hier insbesondere in den skandinavischen Ländern wächst die Nachfrage nach Elektrifizierung derzeit am stärksten. Daher arbeiten auch wir intensiv an neuen Lösungen und favorisieren derzeit zwei Projekte. Bei dem einen handelt es sich um einen batteriegestützten Minibagger, bei dem anderen um eine Wasserstoff-betriebene Brennstoffzelle als alternative Antriebslösung. Beide Systeme befinden sich noch in der Entwicklung.

ABZ: Wann können Sie erste Maschinen zeigen?

Kato: Wir wollten schon zur bauma einen batterie-elektrischen Prototypen präsentieren, da hat aber leider die Logistik nicht geklappt. Wir erwarten, dass wir den Minibagger übernächstes Jahr in den Markt einführen können, als Modell in der Fünf-Tonnen-Klasse.

ABZ: Und das Wasserstoffprojekt?

Kato: Das ist noch im Entwicklungsstadium. Unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeitet hier auf Gruppenebene mit dem Kobe Steel Research Laboratory zusammen. Eine Aussage zu konkreten Zeitpunkten lässt sich hier noch nicht treffen.

ABZ: Welchen Trend sehen Sie bei größeren Maschinen bis 50 Tonnen in punkto alternativer Antriebe?

Kato: Die werden sicherlich vorrangig mit einer Brennstoffzelle ausgerüstet werden. Wir beginnen dort mit den Klassen von 15 bis 20 Tonnen Betriebsgewicht, weil hier die Stückzahlen weitaus größer sind als in der 50-Tonnen-Klasse.

ABZ: Wann können wir in diesem Bereich mit einem ersten Produkt rechnen?

Kato: Wie gesagt, lässt sich dies noch nicht terminieren, auch weil wir noch nicht endgültig entschieden haben, ob der Antrieb mit Brennstoffzelle tatsächlich kommt. Die Schlüsselfrage und die größte Herausforderung sind dabei der Aufbau einer Versorgungs-Infrastruktur in Japan, aber auch in Europa. Diese ist bisher nirgends vorhanden. Wasserstoff muss verdichtet werden, das birgt ein gewisses Gefahrenpotenzial, das eine absolut sichere Infrastruktur voraussetzt. Auch solche Faktoren entscheiden mit darüber, auf welchen Antrieb wir setzen.

Die Entscheidung für den batteriegestützten Antrieb steht bereits, aber selbst dort stellt das Aufladen der Akkus noch eine Herausforderung dar. Aber das ist lösbar. Klar ist, wir treiben die Entwicklung in punkto Elektrifizierung und alternative Kraftstoffe in beide Richtungen weiter voran und werden unsere Entscheidungen innerhalb der Gruppe vor allem auch an den Bedürfnissen unserer Kunden hinsichtlich praxisgerechten Handlings, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit ausrichten.

ABZ: Wie wird sich der Markt weiter entwickeln – auch hinsichtlich der Infrastrukturen?

Kato: Gesamtwirtschaftlich wird sich das Wachstum aufgrund des Energiepreisanstiegs, der steigenden Inflationsrate und Zinssätze verlangsamen. Aber die Bauindustrie wird stark bleiben, auch aufgrund verschiedener Förderprogramme innerhalb der EU. Insbesondere die Investitionen in den grünen und digitalen Um- und Ausbau sowie die notwendige Sanierung der Verkehrsnetze werden weiterhin positive Impulse für die Bauwirtschaft bringen.

ABZ: In Ihr neues Modell SK1300 DLC setzen Sie große Erwartungen. Was war die Zielsetzung bei der Entwicklung der Maschine?

Kato: Wie bereits gesagt, haben wir hier auf Kundenanforderungen nach schwereren und größeren Maschinen reagiert. Der neue Kobelco SK1300DLC ist derzeit die größte Abbruchmaschine aus OEM-Produktion und wurde speziell für Großprojekte im Rückbau entwickelt.

Unsere Hauptinnovation daran ist das NEXT ADVANCE Ausleger-Wechselsystem. Ohne Ausleger erreicht die Basismaschine ein Transportgewicht von unter 32 Tonnen, was besonders auch in Deutschland ein echter Mobilitätsvorteil ist – denken Sie nur an das Befahren von Brücken.

Außerdem ermöglicht das System sechs unterschiedliche Ausleger-Konfigurationen mit sehr hohen Werkzeuggewichten, was vor Ort ein viel breiteres Spektrum an Arbeiten vom Höhenabbruch bis zur Fundamenträumung zulässt. Das steigert die Auslastung der Maschine enorm.

ABZ: Sie gehen davon aus, dass das Marktsegment Abbruch in den nächsten Jahren wachsen wird?

Kato: Oh ja, es wächst bereits. Und es wird weiter wachsen, weil die meisten Gebäude, Fabriken oder Kraftwerke nach dem Krieg gebaut wurden.

Es ist jetzt an der Zeit, diese Einrichtungen zu erneuern oder zu sanieren, denn auch die Ansprüche an solche Gebäude steigen. Schon jetzt gibt es viele groß angelegte Abbruchprojekte in ganz Europa.

Oder schauen Sie auf den Wohnungsbau – hier werden sich aufgrund der energetischen Anforderungen oder durch innerstädtische Verdichtungsmaßnahmen europaweit immer mehr kleine und große Rückbau-Projekte ergeben.

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