Bauaussichten 2021

Die Pandemie stellt uns weiterhin vor große Herausforderungen

von: Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Berlin
Am Ende eines ereignisreichen Jahres, das vor allem durch die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen geprägt war, können wir heute aus Sicht der Bauwirtschaft ein Fazit ziehen: Wir haben die Herausforderungen durch die Corona-Krise gut gemeistert.
HDB Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Das ist nicht zuletzt den großen Anstrengungen unserer Firmen und Mitarbeiter geschuldet. Die gesamtwirtschaftlichen Zahlen belegen dies eindrucksvoll. Während die gesamtwirtschaftliche Bruttowertschöpfung in den ersten drei Quartalen preisbereinigt um 5,8 Prozent zurückging, legte sie im Baugewerbe real um 2 Prozent zu. Die Bauwirtschaft hat – wie bereits in den Vorjahren – auch 2020 die Gesamtkonjunktur gestützt.

Aber natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. In Zeiten von Corona ist der Wettbewerb auch am Bau wieder härter geworden. So hat sich die Zahl der Bewerber bei Bauprojekten deutlich erhöht. Dadurch sind die am Markt erzielbaren Preise unter Druck geraten, der Preisanstieg ist im Jahresverlauf deutlich zurückgegangen. Wenn auch der Blick zurück auf das Baujahr 2020 noch positiv ausfällt, das neue Jahr wird nicht so erfolgreich laufen. Dies spiegelt sich auch in der Stimmungslage der Baufirmen wider. Deren Geschäftserwartungen liegen derzeit im negativen Bereich, die Firmen stellen sich auf ein härteres Baujahr 2021 ein.

Der Wohnungsbau wird am besten durch die Corona-Krise kommen. Die Baugenehmigungen nach veranschlagten Baukosten haben in den ersten drei Quartalen 2020 nominal um 7,3 Prozent zugelegt, der Auftragseingang um 5,7 Prozent. Der Druck auf die Wohnungsmärkte in den Ballungsgebieten und ihrem Umland hat sich nicht abgeschwächt.

Die Zahl der Neubauwohnungen im Geschosswohnungsbau legte von Januar bis September um 5 Prozent zu. Im klassischen Eigenheimbau, also bei Ein- und Zweifamilienhäusern, war das Genehmigungsplus mit 4 Prozent nur geringfügig niedriger. Die eigene Immobilie scheint mit dem durch Corona gestärkten Trend zum Home-Office noch erstrebenswerter.

Die Haupttriebfeder der Wohnungsbauaktivitäten in den vergangenen Jahren war das äußerst niedrige Zinsniveau. An dieser Situation wird sich aufgrund der fortdauernden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank in den kommenden Jahren nichts ändern. Die Attraktivität von Investitionen im Wohnungsbau bleibt also ungebrochen. Bei den Fertigstellungen rechnen wir für 2020 mit einem Niveau von nahezu 300.000 Wohnungen. Im laufenden Jahr werden wir dieses hohe Niveau halten. Damit haben wir die Fertigstellungen in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Der baugewerbliche Umsatz im Bauhauptgewerbe im Wohnungsbau dürfte im vergangenen Jahr nominal um etwa 4 Prozent zugenommen haben, 2021 wird das Wachstum mit 3 Prozent nur geringfügig niedriger ausfallen.

Der Bau für gewerbliche Investoren wird am deutlichsten unter den Folgen der Corona-Krise leiden. Einen deutlichen Investitionsrückgang erwarten wir 2021 im Wirtschaftshochbau. Die großen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes erwarteten für das vergangene Jahr einen Umsatzrückgang, der bis zu 15 Prozent erreichen sollte. Dies wird sich auf die Investitionen 2021 negativ auswirken. Noch stärker betroffen sind viele Dienstleistungsbereiche, die auf direkten Kundenkontakt angewiesen sind. Diese wurden von den Schließungen im Frühjahr und Winter 2020 besonders stark in Mitleidenschaft gezogen. Ihre Investitionsfähigkeit und -bereitschaft hat einen starken Dämpfer erlitten.

Der Wirtschaftstiefbau, der im laufenden Jahr für ein Wachstum im gesamten gewerblichen Bau sorgt, wird 2021 noch stabilisierend wirken. Dies ist vor allem auf die Investitionstätigkeit der Ver- und Entsorgungsunternehmen zurückzuführen. Dies gilt auch für die Deutsche Bahn AG, den wichtigsten Auftraggeber im Wirtschaftstiefbau. Dieser stellt der Bund im laufenden Jahr mit 6,6 Milliarden Euro rund 5 Prozent mehr Mittel zur Verfügung als im Vorjahr. Im kommenden Jahr stockt er seine Investitionszuschüsse auf mehr als 7,3 Milliarden Euro weiter auf. Der schwache Wirtschaftshochbau hat dazu geführt, dass die baugewerblichen Umsätze des Bauhauptgewerbes im Wirtschaftsbau 2020 nominal nur um 1 Prozent zulegten und im neuen Jahr um 2 Prozent zurückgehen werden.

Im Öffentlichen Bau bereitet uns der Blick auf das Baujahr 2021 einige Sorgen. Laut dem Entwurf des Bundeshaushaltes 2021 plant dieser zwar, im neuen Jahr 800 Millionen Euro beziehungsweise 8 Prozent mehr in die Bundesfernstraßen, die Bundeswasserstraßen und die Förderung des Radverkehrs zu investieren. Ob diese Investitionen auch komplett realisiert werden, steht aber noch in Frage. Wie bekannt, kommt der Aufbau der Autobahn GmbH des Bundes seit geraumer Zeit nur stockend voran. Wir stellen uns daher die Frage, ob die Managementkapazitäten ausreichen werden, die vom Bund zugewiesenen Mittel auch tatsächlich zu verplanen und zu verbauen. Den Kommunen wurden die Gewerbesteuerausfälle 2020 durch Bund und Länder ersetzt. Im laufenden Jahr ist dies nicht geplant. Nach der jüngsten Schätzung sollen zwar die Steuereinnahmen der Gemeinden im laufenden Jahr wieder zulegen, das Niveau von 2019 aber noch um rund 2 Milliarden Euro unterschreiten. Zudem stellt sich die Frage, ob die Investitionszuweisungen von Bund und Ländern im bisherigen Umfang weiter gewährt werden.

Insgesamt hat der Umsatz des Bauhauptgewerbes im Öffentlichen Bau im vergangenen Jahr noch ein ansehnliches Plus von nominal 3 Prozent ausgewiesen, das sich allerdings 2021 in ein Minus von 2 Prozent umkehren wird. Alles in allem gehen wir davon aus, dass die baugewerblichen Umsätze im Bauhauptgewerbe 2020 nominal um 3 Prozent zugelegt haben. Für 2021 erwarten wir eine nominale Stagnation der baugewerblichen Umsätze auf dem Niveau des Vorjahres, unter Berücksichtigung der Preise ergibt sich damit ein reales Minus von 2 Prozent. Auf dem Arbeitsmarkt sorgen unsere Unternehmen weiterhin für Entlastung. 2020 haben wir im Jahresdurchschnitt die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe noch einmal um 10.000 auf 880.000 erhöht. Verglichen mit dem Tiefpunkt im Jahr 2009 haben wir damit unsere Personalkapazitäten um immerhin ein Viertel ausgebaut.

Auch für 2021 gehen wir aus heutiger Sicht noch von einem leichten Beschäftigungsaufbau um etwa 5000 Personen aus. Nach den vorliegenden Umfragen planen unsere Firmen, auch im kommenden Jahr die Beschäftigung leicht auszuweiten. Zudem treffen sie dadurch auch Vorsorge, da in den kommenden Jahren ein erheblicher Teil unserer Beschäftigten in den Ruhestand geht. Schließlich ist ein Viertel unserer Belegschaften 55 Jahre oder älter.

Wir halten also fest: Die Bauindustrie ist insgesamt in einer guten Verfassung. Corona wird uns aber weiterhin vor große Herausforderungen stellen.

Die Bauindustrie ist auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen. Vor diesem Hintergrund setzen wir in der Politik auf Beständigkeit. Die Signale, die wir aus der Politik erhalten, stimmen uns zuversichtlich, dass die von der jetzigen Regierung angestoßenen Vorhaben in der Wohnungsbau- und der Verkehrspolitik weiter auf der Agenda bleiben. Auch nach der Bundestagswahl 2021. Wir freuen uns auf das Baujahr 2021 und werden gemeinsam mit unseren Partnern diese Aufgaben angehen.

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