Chance oder Kollaps?

Millionen-Urlaubsprojekt auf Pütnitz

Ribnitz-Damgarten (dpa). - Wo bis Mitte der 1990er Jahre Soldaten der russischen Armee Dienst schoben, sollen in Zukunft Urlaubsgäste ihre Ferien genießen. Ein großer Teil der Halbinsel Pütnitz soll 30 Jahre nach der Wende entwickelt werden. Doch das Projekt ist umstritten.
Tourismus Hochbau
Die Start- und Landebahn des ehemaligen Militärflugplatzes Pütnitz, der seit dem Abzug der russischen Gardefliegereinheit im April 1994 brach liegt. Auf der seit 1935 militärisch genutzten Halbinsel am Saaler Bodden soll bis 2025/2026 ein Ferienresort entstehen. Das Millionen-Projekt ist nicht unumstritten. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Am Saaler Boden werden die Weichen für den Bau eines Ferienresorts gestellt. Es geht um die früher auch von der Sowjetarmee genutzte Halbinsel Pütnitz und eine 250 Hektar große Fläche. Und um Gesamtinvestitionen von rund 350 Millionen Euro. Die Stadt Ribnitz-Damgarten ist Eigentümerin der Fläche. Die Stadtvertreter der rund 16.000 Einwohner zählenden Kommune entscheiden, ob der Bebauungsplan Nr. 109 „Sondergebiet touristische Entwicklung Halbinsel Pütnitz” aufgestellt werden soll.

Vom rein formellen Verfahren sei dies zwar der Startschuss, aber zugleich das Ergebnis jahrelanger Arbeit, sagt Bürgermeister Thomas Huth. Der Nutzungszweck ist im Grundsatz unstrittig. „Seit 1994, seitdem die Russen weg sind, ging das in Richtung touristische Nutzung”, so Huth.

Hauptinvestor ist der Freizeitpark-Betreiber Center Parcs. Pütnitz soll dessen siebte Anlage in Deutschland werden. Zudem will die Supreme GmbH (Rostock) eine Sport- und Erlebniswelt („Pangea Island”) entstehen lassen. Die Bernsteinreiter planen einen weiteren Reiterhof, auch das bestehende Technikmuseum gehört zum Konzept. Die Kapazität liegt bei 3200 Betten plus 300 Campingstellplätze.

Für Ribnitz-Damgarten sei das Projekt von immenser Bedeutung. Allein schon um die Funktion als Mittelzentrum aufrecht zu erhalten, argumentiert der Bürgermeister. Dazu sei ein gewisses Wachstum nötig. „Andernfalls gehen irgendwann die letzten Krankenkassen weg, die letzten Fachärzte, die letzten Kreditinstitute und ein Bus fährt auch nicht mehr. Wir brauchen ein gewisses Wachstum – Nichts machen ist keine Option.”

Er weiß aber auch um die Dimension des Projektes. „Wir gehen davon aus, dass wir frühestens 2024 einen rechtskräftigen B-Plan, also ein Baurecht, haben.” Diesen Zeitplan findet Steffen Schmidt optimistisch. „Das ist ein Riesenprojekt und wahnsinnig komplex”, sagt Schmidt, der den Bebauungsplan am liebsten gar nicht verwirklicht sehen will. Er kämpft mit der Bürgerinitiative „Pütnitz - Kein Massentourismus” gegen das Projekt. Befürworter und Gegner schenken sich wenig.

Beide Seiten werfen sich vor, Informationen entweder bewusst zu verfälschen oder zurückzuhalten. Der Bürgermeister spricht von unfairem Verhalten, die Bürgerinitiative von bewusster Täuschung und einem drohenden „Millionengrab”. Huth kritisiert, dass die Gegner immer wieder die falsche Zahl von 800.000 Touristen im Jahr propagierten, obwohl es sich dabei um die Zahl der Übernachtungen handelte. „Das ist mehr als ärgerlich.”

Dagegen bemängelt Schmidt, der die Gesamtsituation als „politisch verfestigt” umschreibt, dass die Stadt von 3200 Betten ausgehe, obwohl die Zahl bei 4500 liege. „Wir zählen auch die Schlafmöglichkeiten der geplanten Campingstellplätze mit.” Es drohe ein Verkehrskollaps, auch sei die Gesamtkommunikation intransparent.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), aus dessen Haus Fördermittel fließen sollen, macht keinen Hehl aus seiner Unterstützung für das Projekt. Er sagte in Rostock aber auch, dass die Diskussion darüber notwendig sei und offen geführt werden müsse. Wer über Qualitätstourismus spreche, müsse auch fragen, wie Beschäftigte der Branche und die Menschen in den Tourismusgebieten mitgenommen werden könnten.

Die Betroffenen in der Region werden in den kommenden Monaten jedenfalls reichlich Gelegenheit haben, sich mit dem Für und Wider des Vorhabens auf Pütnitz auseinander zu setzen. Eine Zustimmung des Stadtvertretung zum Aufstellungsbeschluss gilt als sicher.

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