Kommentar

Ansichtssachen

von: Kai-Werner Fajga
Beinahe gebetsmühlenartig wird der Satz "Geld allein baut nicht mehr Wohnungen" von Bundesbauministerin Geywitz wiederholt, zuletzt anlässlich der Vorstellung des Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen 2023.

20 Milliarden Euro hätten 2022 bereit gestanden, trotzdem seien nicht genug Wohnungen gebaut worden – so ihre Argumentation, die genauso einfach wie unkorrekt ist. Zunächst ignoriert die Ministerin den überhasteten Förderstopp Anfang des Jahres für Energiesparhäuser und das daraus entstandene Förderchaos inklusive Verunsicherung der Bauherren völlig.

Keine Sprache ist auch von den Einflüssen des Ukrainekriegs und den daraus resultierenden explodierenden Energiekosten für alle Beteiligen am Bau. Und dass innerhalb von Monaten keine neue Bauindustrie aus dem Boden gestampft werden kann, die das doppelte oder dreifache des üblichen Bauvolumen erledigt, dürfte auch jedem einleuchten, der sich intensiv mit Produktionsprozessen auseinandergesetzt hat.

Trotzdem signalisierte die Branche dem Ministerium mehrfach, dass sie bereit steht, wenn die Bedingungen stimmen. Anlässlich der Vorstellung des Gutachtens reagierte der HDB entsprechend auf die Ministerin: "Die Branche taugt als Sündenbock nicht, denn sie steht längst parat", kommentierte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des HDB die Einlassung von Frau Geywitz scharf.

Das Gutachten selbst fiel für 2023 recht düster aus: Beim Wohnungsbau sei es "nicht mehr kurz vor zwölf, und es ist auch nicht zwölf. Es ist irgendwie so was wie Viertel nach drei, und um sechs gibt's ein ganz schlimmes Erwachen", sagte Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA). Er kritisierte auch, dass die Preise auch durch zu hohe Steuern getrieben würden. Dass Geld Wohnungen bauen kann, zeigt das Beispiel Italien wo der Staat 110 Prozent der Sanierungskosten von Wohnhäusern übernahm und einen Bauboom auslöste. Sicherlich ist das kein Beispiel, das Schule machen sollte, dennoch zeigt es anschaulich, dass die Schere zwischen dem, was tatsächlich möglich ist und dem, was in Berlin für machbar gehalten wird, sehr weit auseinander klafft.

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Autor

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

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